Junge Ideen für Netphens Zentrum

Die Klassensprecher Cedric Seifert (8b) und  Celina Schrage (8c)
Die Klassensprecher Cedric Seifert (8b) und Celina Schrage (8c)
Foto: WP

Netphen..  Hufeisen(park)platz wird das Karrée im Einkaufszentrum genannt. Von drei Seiten ist der Platz von Ladenlokalen umgeben, an der vierten verläuft die Talstraße. Und mittendrauf stehen Autos. Einen neuen Namen wird der Platz brauchen, wenn die Ideen auch nur im Ansatz verwirklicht werden, die die Klassen 8 b und 8 c der Realschule Am Kreuzberg im Erdkunde-Unterricht erarbeitet haben. Für Autos ist dann nämlich — fast — kein Platz mehr.

19 Entwürfe haben die Schülerinnen und Schüler im Forum ausgestellt, noch ein paar mehr geben sie Bürgermeister Paul Wagener und Bernd Heinemann, Mitarbeiter des städtischen Planungs-Bereichs mit. Außerdem über 200 Unterschriften von Netphener Bürgern, die die Idee mit dem „grünen Treffpunkt“ gut finden.

Das Lernziel besteht nicht allein darin, die Idee zu entwickeln. Nachvollziehen möchten die Jugendlichen auch den Weg, den eine Idee bis zu ihrer Verwirklichung nimmt. Oder auch bis zu ihrem Scheitern an Widerständen, auf die Christof Mann seine Schüler behutsam einstimmt: Vor einigen Jahren hatte sich eine zehnte Klasse mit dem Obernetpher Marktplatz befasst, der jetzt tatsächlich umgestaltet wurde. „Der ist heute wieder Parkplatz“, stellt der Lehrer fest, „da hatten meine Schüler bessere Ideen.“

Vom Fischteich bis zum Kleingarten

Grün sind die Pläne, die der Bürgermeister gleich einpackt: kleine Parklandschaften mit (Blumen-)Wiese und Bäumen, Brunnen und (Fisch-)Teich, Außenterrassen für die Gäste der Eisdiele und des Bäckerei-Cafés, Spielgeräte für die Kinder. Im Detail verbirgt sich Originelles: ein Süßigkeitenautomat zum Beispiel. Oder die bronzene Keilerherde, die jetzt noch vom Neumarkt aus das Rathaus in den Blick fasst. Ganz aus der Reihe fällt die Idee, den Platz in eine Kleingartenanlage mit Vereinsheim und Geräteschuppen zu verwandeln. In einem Entwurf sind die Autos nicht nur vom Hufeisenplatz, sondern auch von der entlangführenden Talstraße verbannt. Einsam hebt sich ein anderer Vorschlag heraus: eine Platzmitte mit Autos — und Müllcontainern. Ironie oder Ernst?

Ein einziges Mal kommt ein Fußballtor in einer Zeichnung vor. „Wir wollten das halt familienfreundlich machen“, erklärt eine Schülerin, warum sie so viel an Ältere und ganz Kleine gedacht haben, „und wir wollten keinen Platz, wo Jugendliche sitzen und trinken.“ Wohl aber Raum, wo Jugendliche Freizeit verbringen können, ergänzt ein Mitschüler. Und fündig geworden sind sie auch: „Neben der Eisdiele, da ist noch was frei.“ Bürgermeister Paul Wagener muss gar nicht erst darauf hinweisen, dass die Interessen der Generationen verschieden sind: „Es ist schwierig, das alles unter einen Hut zu bringen.“

Was es jetzt noch braucht, ist Zeit und Geld. „Es kann sein, dass das Geduld erfordert“, sagt Bürgermeister Wagener schon einmal vorsichtshalber. „Die Politik fragt auch nach den Kosten“, weiß Bernd Heinemann. Da hat Lehrer Christof Mann eine Idee: Wer zahlt, bestimmt den neuen Namen für den Platz. Ein Schüler hat eine andere Idee, das Verfahren zu beschleunigen: „Warum stellen Sie nicht mehr jüngere Leute ein?“