Junge Hilchenbacher erobern ihre Treffpunkte

Der Bike- und Skatepark bekommt gerade einen neuen Pumptrack. Die Anlage am Mühlenweg ist aber auch der Ort, von dem andere Aktivitäten  gestartet werden — im September zum Beispiel die „Nachtfrequenz 15“.
Der Bike- und Skatepark bekommt gerade einen neuen Pumptrack. Die Anlage am Mühlenweg ist aber auch der Ort, von dem andere Aktivitäten gestartet werden — im September zum Beispiel die „Nachtfrequenz 15“.

Hilchenbach. Noel und Jonathan haben ihre Dirt-Bikes dabei, Peer Niklas sein Mountain-Bike. Er hat auch direkt ein „Problemchen“ mit der Lenkereinstellung. Immer dienstags von 15.30 bis 18.30 Uhr begrüßen Michi Franz, Sebastian Ahlering und Sven Jung 15 Kids im Bike- und Skatepark. Nach einer Kennenlern-Runde präsentieren die Teilnehmer gegenseitig ihre Fahrräder. Auf einem verkürzten Track geben Sebastian und Sven erste Fahrtipps. Später gibt es einen Rundgang durch den Park und ausführliche Erklärungen, was noch alles zu tun ist. Danach heißt es anpacken für alle. Denn das ist das wichtigste Motto. „No dig no ride“, auf Deutsch etwa: Wer nicht arbeitet, fährt auch nicht.

Als „Erfolgsmodell mobiler Arbeit“ bezeichnet Heike Kühn aus dem städtischen Kinder- und Jugendbüro das, was sich rund um den Bike- und Skatepark und mit dem neuen „Kulturrucksack“ entwickelt. „Das wird nachgefragt wie verrückt“, berichtet die Pädagogin über „Ride My Bike“, den Radfahrwork­shop für Zehn- bis 14-Jährige, den Hilchenbach mit Landesförderung kostenlos anbieten kann. So, wie im Herbst auch „Pimp My World“ an der Realschule, ein Straßenkunst-Projekt.

Der Bike- und Skatepark

Beide Projekte sind Teil des NRW-Kulturrucksacks. Beim künstlerischen Part arbeitet das Jugendbüro mit der Jugendkunstschule, beim Biken mit der U-Zing-Crew, die gerade den Dirt-Bike-Parcours am Mühlenweg selbst ausgebaut hat. Die U-Zing-Crewgehört zum Jugendförderverein Push e.V., ebenso wie das aus den Tanzgruppen der beiden Jugendzentren hervorgegangene Tanzprojekt Unique.

„Push Yourself“ soll das Motto am 26. und 27. September sein, wenn Hilchenbach sich zum vierten Mal an der NRW- „Nacht der Jugendkultur“ beteiligt. In die „Nachtfrequenz 15“ wird ein Contest auf dem neuen Pumptrack eingebaut, erstmals aber auch eine Kletterwand und ein Niedrigseilgarten.

„Der Park ist mittlerweile zum aktiven und vielfältigen Reservoir jugendkultureller Aktivität geworden“, heißt es in dem Bericht, der jetzt dem Sozialausschuss vorgelegt wurde. Ob man den Park und die Jugendzentren nicht zusammenbringen könne, um deren Nutzerzahlen zu steigern, wollte Marcus Braukmann (SPD) wissen. „Das sind Kulturen, die nicht zusammenpassen und ihren eigenen Raum beanspruchen“, erwiderte Heike Kühn, „und das ist auch gut so.“

Die Jugendzentren

Etwa 25 Jugendliche besuchen das Next Generation pro Öffnungstag. Als das Jugendzentrum vor vier Jahren aus dem Keller der Florenburgschule ins Oberdeck des Einkaufszentrums umzog, waren es noch doppelt so viele. Vermutlich mache sich die Verlängerung der Schultage bemerkbar, sagt Treff-Leiter Roman Mengel. Der Raum sei allerdings mit der derzeitigen Besucherzahl auch „gut gefüllt“ — und zudem, nach dem Einbau von Akustiksegeln, auch wieder für andere Nutzungen, unter anderem durch die VHS und die Senioren-Service-Stelle, attraktiv.

Ein neues Gesicht, das zu seinem Innenleben passt, möchte sich auch das Dahlbrucher No Limits geben. Das Grafitti, das kaum noch lesbar ist, soll durch ein beleuchtetes Schild ersetzt werden. „Café und Treffpunkt“ und nicht mehr bloß Jugendzentrum will die Einrichtung sein, in der auch das Café International, das Stillcafé und weitere über die Jugendarbeit hinausreichende Angebote zu Hause sind. 2000 Euro kostet die Neugestaltung, 1000 schießt der Kreisjugendring zu. Wann auch immer der zweite Bauabschnitt des Kulturellen Marktplatzes das No Limits erreicht: Das neue Schild, betont Heike Kühn auf Nachfrage, kann weiter verwendet werden.

Die Gerichtswiese

Dass die Vielfalt der Angebote immer noch nicht alle Jugendlichen lockt, beschäftigt die Politik nach wie vor. „Kann man die auffangen?“, fragte Sozialausschussvorsitzende Katrin Fey (SPD). „Ich finde das normal, dass man sich bei schönem Wetter auf der Gerichtswiese aufhält“, entgegnete Roman Mengel, Leiter des Jugendzentrums Next Generation im Gerberpark, „wenn man sich da anständig benimmt, ist das nicht dramatisch.“ Das sei auch schon vor 30 Jahren nicht anders gewesen, sagte Renate Becker (UWG), „und das ist auch okay so.“ Deutlich wurde auch Mengels Jugendbüro-Kollegin Heike Kühn: Da, wo zum Beispiel unzulässig Alkohol ins Spiel komme, sei die Ordnungsbehörde gefragt, nicht die Jugendpflege und schon gar nicht das ehrenamtlich arbeitende Jugendforum: „Da gibt es auch Grenzen von Kinder- und Jugendarbeit.“

Die Stadt Hilchenbach beteiligt sich nicht an der Erarbeitung des Jugendförderplans des Kreises Siegen-Wittgenstein. Eine Einladung des Kreises an Jugendbüro-Mitarbeiterin Heike Kühn sei nicht angenommen worden, berichtete Fachbereichsleiter Werner Krönert im Sozialausschuss auf Nachfrage von Karl-Heinz Jungbluth (FDP). Dies wäre nur mit weiteren Überstunden möglich. „Im Rahmen des Nothaushalts können wir uns das nicht leisten.“