Jugendkunstschule bietet Workshop für Flüchtlingskinder an

Schmirgeln, sägen und schrauben: Bei dem Workshop lernen Kinder, wie sie Gegenstände herstellen, die sie im Alltag gut gebrauchen können
Schmirgeln, sägen und schrauben: Bei dem Workshop lernen Kinder, wie sie Gegenstände herstellen, die sie im Alltag gut gebrauchen können
Foto: Wolfgang Leipold
Was wir bereits wissen
In der ehemaligen Dahlbrucher Hauptschule wird gehämmert, gebohrt, geschmirgelt, gesägt, geschraubt: Alles, was im Alltag von Nutzen sein kann.

Dahlbruch..  „Kunst öffnet Türen“. Treffender als das Motto auf den Plakaten kann man nicht formulieren, was in diesen Tagen in der ehemaligen Dahlbrucher Hauptschule passiert: Es wird gehämmert, gebohrt, geschmirgelt, gesägt, geschraubt. Kinder aus Flüchtlingsfamilien sind eifrig bei der Sache. Teilweise noch ungelenk, teilweise schon sehr geschickt versuchen sie, Gegenstände herzustellen, die sie im Alltag gut gebrauchen können.

Einiges ist schon fertig: Küchenbretter, Kochlöffel, Salatbesteck. Ein Stuhl wird demontiert und völlig neu zusammengesetzt. „Du kannst es nicht? Du kannst es!“, ruft Heike Kühn, Leiterin des Kinder-, Jugend- und Familienbüros der Stadt Hilchenbach, einem Jungen zu, dem das richtige Anwenden eines Schraubenziehers noch mühsam von der Hand geht.

Und tatsächlich: Omar, mit sechs Jahren der wohl jüngste Teilnehmer an diesem Nachmittag, schafft es, zwei Holzstücke mit Schrauben fest zu verbinden. Stolz präsentiert er sein Werk Michael Rückwardt von der Jugendkunstschule Siegen-Wittgenstein, der die jungen Handwerker anleitet. Heike Kühn: „Es wird gebaut, was im Alltag gebraucht wird. Das bestimmen die Neubürger selbst.“ Eine junge Frau aus Nordafrika freut sich schon auf den Mokka-Tisch, der in wenigen Tagen ihre Wohnung schmücken wird. Selbst gebaut.

Selbst entscheiden

Was die Dahlbrucher Angebote von üblichen Workshops unterscheidet? Es gibt zwar einen Zeitrahmen, doch innerhalb dieser Stunden können die Kursteilnehmer selbst entscheiden, wann sie kommen, gehen, Pause machen. Selbstbestimmung wird groß geschrieben. So gehen einige junge Erwachsene zwischendurch zum Sprachkurs, der gleich nebenan stattfindet: Im ehemaligen Lehrerzimmer der Hauptschule, die schon vor Jahren aufgegeben wurde und nun als Gemeinschaftsunterkunft für etwa 50 Flüchtlinge aus Syrien, Irak, Pakistan, Afghanistan, Algerien, Marokko dient.

Das Lehrerzimmer, noch immer beherrscht vom großen Konferenztisch und den Kunstleder-Stühlen mit dem Charme der 1970er Jahre, ist inzwischen zum „Ankommens-Treffpunkt“ geworden. Heike Kühn: „Er wird neben den Sprachkursen auch zum Kennenlernen und für Begegnungen zwischen Neubürgern und ehrenamtlichen Helfern genutzt. Und noch eins unterscheidet den Raum vom alten Lehrerzimmer: Lange Regale aus Massivholz, in denen die Bewohner und ihre Gäste Bücher, Mappen, Taschen unterbringen können. Gemeinschaftlich entworfen und exakt geschreinert von jungen Flüchtlingen.

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