Jugend greift immer früher zum ersten Joint

Kreis Olpe..  Ein Schulhof im Kreis Olpe: An einer Ecke wechselt eine kleinere Portion Haschisch den Besitzer. Es ist eine Szene mit Symbolcharakter: Immer mehr junge Menschen greifen regelmäßig zum Joint. „Die Konsumenten sind in den letzten Jahren jünger geworden. Es sind Schüler und Jugendliche. Dabei geht es hauptsächlich um Cannabis, auch um Amphetamin“, sagte Olpes Polizeisprecher Stephan Ommer im Gespräch mit unserer Zeitung. Zur Frage nach den Gründen meinte er: „Dealer wenden sich vermehrt auch an diese Altersgruppen als neue Absatzmärkte bzw. Einnahmequelle.“

Fast jeder zweite erwischte Konsument berauscht sich an Cannabis, das mit 47 Prozent Droge Nummer eins im Kreis Olpe ist. Haschisch und Marihuana gelten als billigste illegale Drogen. Zudem schien die Gefahr einer schweren Abhängigkeit vergleichsweise gering. Ein Trugschluss. Ommer: „Durch die Zucht der Pflanzen in Gewächshäusern ist der Wirkstoffgehalt in den letzten Jahren erheblich gestiegen. Cannabis kann nicht mehr als weiche Droge angesehen werden. Das Abhängigkeitspotenzial steigt.“

Aus allen sozialen Schichten

Die schlimmsten Folgen hat allerdings Heroin. Neben körperlichen Symptomen wie Abmagerung oder Infektionen treten auch psychische Folgen auf, die sehr oft in Persönlichkeitsveränderungen münden. „Die soziale Lage der Abhängigen zeichnet sich zumeist aus durch Arbeitslosigkeit, Verwahrlosungstendenzen bis hin zur sozialen Entwurzelung und natürlich durch begleitende Kriminalität, da in aller Regel Drogenabhängige die Mittel zur Finanzierung ihres Drogenkonsums kaum auf legalem Wege erhalten können“, so Ommer. Durch Diebstahl, Einbruch, Raub, Erpressung, Hehlerei oder Betrug verschaffen sich die Täter Gegenstände, die gegen Drogen getauscht oder verkauft werden können.

Die Konsumenten kommen aus allen sozialen Schichten. Amphetamin ist mit einem Anteil von 34 Prozent Droge Nummer zwei im Kreis Olpe. „Bei Verkehrskontrollen fallen in den letzten Jahren vermehrt Fahrzeugführer auf, die unter dem Einfluss von Amphetamin stehen. Dies betrifft aber hauptsächlich jüngere Verkehrsteilnehmer zwischen 16 und 30 Jahren“, so Stephan Ommer. Es komme aber immer wieder vor, dass auch Ältere vermehrt zu Amphetamin greifen, um sich aufzuputschen und Müdigkeit zu vertreiben: „Aktivitätssteigernde Drogen, wie Kokain und Amphetamin, bleiben in einer Leistungsgesellschaft weiterhin attraktiv.“

Kein Crystal Meth

Crystal Meth spielt laut dem Polizeisprecher im Kreis Olpe (noch) keine Rolle. Drogenkriminalität sei flächendeckend anzutreffen: „Es gibt keine konkreten Schwerpunkte. Natürlich stellen wir Drogenkriminalität immer wieder an stärker frequentierten, innerörtlichen Treffpunkten, beispielsweise im Bereich von Bus- und Bahnhöfen, fest.“ Die Ermittler gehen zudem von einem großen Dunkelfeld aus. „Es ist ein ­Kontrolldelikt“, so Ommer.

Der Schwerpunkt soll weiterhin auf den Ermittlungen gegen Rauschgiftdealer der mittleren und oberen Ebene liegen: „Diese Verfahren sind meist sehr aufwändig und zeitintensiv. Es dauert oft Monate, bis das Ermittlungsergebnis beweissicher ist. Wir versuchen, an die Hintermänner heranzukommen.“

Bisweilen kommt es auch zum Einsatz von V-Leuten. Anders als bei verdeckten Ermittlern handelt es sich bei ihnen nicht um Mitarbeiter von Sicherheitsbehörden, die in das Milieu eingeschleust werden. V-Leute sind selber Teil der Szene, Kriminelle, die Informationen gegen Geld liefern. Der Einsatz von V-Leuten gilt als umstritten. Es wird kritisiert, dass diese Verbindungsleute bei Straftaten mitwirken, andere anheizen und anwerben.

V-Mann „Hakan“

Ein V-Mann wurde vom LKA auch eingesetzt, um einen 29-jährigen Attendorner, der im Jahr 2013 im Kilobereich mit Drogen handelte, zu überführen. Der V-Mann nannte sich „Hakan“, trat als großer Zuhälter in einem Attendorner Fitnessstudio auf, zog mächtig vom Leder und knüpfte dort den Kontakt über einen 31-Jährigen zum Haupttäter. Zudem wirkte ein Scheinkäufer der Polizei mit, „Mario“. „Hakan“ soll immer mehr Drogen gefordert haben. Das Landgericht Siegen hat den Dealer aus Attendorn zu drei Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt.

Trotz der erschreckenden Tendenz, dass die Konsumenten immer jünger werden, gibt es auch eine positive Entwicklung. In den beiden vergangenen Jahren gab es keine Drogentoten im Kreis Olpe. In den Jahren 2010 bis 2012 starb noch jeweils ein Mensch an den Folgen des berauschenden Konsums.