Journalist soll Teckel-Tippgeber preisgeben

Bad Berleburg..  Einträge in sozialen Gruppen im Internet können schwerwiegende Folgen haben. Das hat kürzlich nicht nur der ehemalige Betriebsratsvorsitzende des Erndtebrücker Eisenwerkes erfahren müssen, sondern am Mittwoch auch ein in Wittgenstein lebender Journalist. Sein Ressort sind alle Themen rund um Wild und Hund, wobei ihm nach eigenen Angaben „der Tierschutz sehr am Herzen liegt“. Jetzt ist er von einer Teckelzüchterin aus dem Sauerland verklagt worden. Zum Gütetermin trafen sich die Parteien im Amtsgericht bei Richterin an Landgericht, Anne Neumann.

Klägerin sieht sich herabgewürdigt

Worum geht es in diesem Fall? In einem bei Facebook nur für Gruppenmitglieder zugänglichen Forum über die Pflicht-Augenuntersuchung in der Teckelzucht hatte der Wittgensteiner unter seinem Namen geschrieben, er habe Hinweise darauf erhalten, dass die Klägerin einen Hund bis zum Besitzerwechsel im Keller halten würde. Diese Aussage stand im direkten Zusammenhang auf die Frage „Wie viele Züchter des Teckels gibt es eigentlich, die sich nicht an die Tierschutzhundeverordnung halten?“ In dieser Facebook-Veröffentlichung sieht sich die Klägerin herabgewürdigt und verlangt vom Beklagten die Herausgabe der Identität des Teckel-Tippgebers, um den wiederum auf Unterlassung zu verklagen.

Zeugnisverweigerungsrecht

Der Journalist hingegen beruft sich auf das ihm zustehende Zeugnisverweigerungsrecht, und er werde seine Quellen nicht offenbaren. Auch sehe er seinen Eintrag in besagtem Forum nicht als „Schmähung oder Herabwürdigung“ der Klägerin, die in Züchterkreisen nicht unbekannt sei. Zahlreiche internationale Preise habe sie erhalten, gleichzeitig sei sie aber in der jüngeren Vergangenheit auch mit ihrer Teckelzucht in die Kritik geraten, führte der Journalist an.

„Das tut hier nichts zur Sache“, hat Richterin Neumann ihren Blickwinkel. Sie vertritt offenbar einen anderen Standpunkt: „Ist hier das Persönlichkeitsrecht der Klägerin nicht höher einzuschätzen? Ist das Verhalten des Beklagten von der Pressefreiheit gedeckt?“ Wohl nicht, denn nach Ansicht von Anne Neumann habe der Journalist seine Äußerung „als Privatmann“ abgegeben. Er sei nicht verantwortlicher Redakteur für die Facebook-Seite, und die sei „keinesfalls ein rechtsfreier Raum“, so die Richterin. Der Auskunftsanspruch der Klägerin bestehe also durchaus. Dabei spiele es keine Rolle, ob die Äußerung von Dritten, in diesem Fall der Hinweisgeber, wahr oder unwahr seien.

Keine gütliche Einigung erzielt

Die Chance einer Einigung zwischen den Parteien konnte das Zivilgericht am Mittwoch nicht erkennen, zumal der beklagte Fachjournalist deutlich machte: „Ich werde doch als Journalist unglaubwürdig, wenn ich Namen meiner Informanten preisgebe“. Unserer Zeitung gegenüber gab er zu verstehen, dass „er die Sache durch die Instanzen durchfechten“ werde. An deren Ende könnte ihm ein Zwangsgeld von bis zu 250 000 Euro oder sechs Monate Zwangshaft stehen. Der Verkündungstermin ist am 21. Juli.