Josef Schulz vor zehn Jahren ermordet

Das Archivbild vom 30. Dezember 2004 zeigt den Tatort in Kreuztal.
Das Archivbild vom 30. Dezember 2004 zeigt den Tatort in Kreuztal.
Foto: Jürgen Schade
Auf dem Heimweg wurde der Küster Josef Schulz am 30. Dezember 2004 erstochen. Der brutale Täter wurde bis heute nicht gefasst.

Kreuztal..  Im vorigen Sommer glaubte der Erste Kriminalhauptkommissar Ulrich Kayser, endlich Licht ins Dunkel gebracht zu haben. Der Leiter der Dienststelle für Todesermittlungen in der Fahndungsabteilung des Polizeipräsidiums Hagen fand zu einer DNA-Spur, die beim Mord an dem Kreuztaler Küster Josef Schulz am 30. Dezember 2004 sichergestellt worden war, das passende Gegenstück: Es gehörte zu einem Mann aus Süddeutschland.

Aber es war eine Täuschung. Nur zum geringsten Teil passte nach eingehender Untersuchung der genetische Fingerabdruck vom Tatort zu dem vermeintlichen Täter: „Er hätte auch auf zwei Millionen andere gepasst“, erinnert sich Kayser an den Moment der Erkenntnis, die das Landeskriminalamt ihm übermittelte.

Letztlich, so stellte sich vor einigen Monaten heraus, war diese DNA-Spur unbrauchbar und wurde aus der Datei herausgenommen. Eine Hoffnung weniger, den Unbekannten zu ermitteln, der vor zehn Jahren den damals 53-Jährigen Schulz in der Straße „Im Plan“ auf einem Privatparkplatz neben einem Mehrfamilienhaus erstochen hat.

Auch Bulgaren angegriffen (42)

Der ins Visier geratene Mann aus dem Süddeutschen hätte auch nicht ins Profil gepasst,

das die Fahnder vom Täter erstellt haben: Es muss sich damals, am vorletzten Abend des Jahres 2004 in Kreuztal, um einen verwirrten und höchst aggressiven Mann gehandelt haben, der blindlings auf seine Opfer einstach. Dem entsprach die kurzfristig ins Visier geratene Person allerdings nicht. Außer Josef Schulz, der noch am Tatort seinen Verletzungen erlegen war, hatte der Messerstecher auch einen damals in Kreuztal tätigen Mann (42) aus Bulgarien angegriffen. Der allerdings kam mit dem Leben davon.

Es war ein trüber Winterabend, als die Tat geschah. Josef Schulz, der als Küster der katholischen St. Johannes-Gemeinde auf dem Dörnberg arbeitete und dort eine kleine Wohnung hatte, befand sich gegen 22 Uhr auf dem Heimweg von einem Sportlerheim an der Moltkestraße, wo er noch ein Bier getrunken hatte.

Was zwischen dem Vereinsheim und der nahen Einmündung in die Siegener Straße geschah, stellt die Kripo bis heute vor Rätsel: Wer konnte es auf den unauffälligen Mann abgesehen haben, der in einem dicht besiedelten Wohngebiet nach Hause ging? Die Menschen in ihren Wohnungen waren noch auf, aber niemand will etwas gehört haben – obwohl sich die Bluttat in unmittelbarer Nähe ereignete.

Suche nach dem Handy vergeblich

Damals leitete Heiko Priester die Mordkommission, sein Nachfolger ist Ulrich Kayser, der bei der Aufarbeitung des Altfalles ebenso wenig locker lässt wie sein Vorgänger. Aber obwohl die Asservate – an die zweitausend Beweisstücke – aufbewahrt und immer wieder vorgenommen, mit immer feineren Analysemethoden untersucht werden: nichts, was auf den Täter hinweist. Es gibt, so Ulrich Kayser, einen Automatismus, der bei diesen Fällen greift. Immer wenn eine neuere Technik zur Überprüfung entwickelt wird, kommen die Spuren unter die Lupe. So war es bei einigen Morden der Vergangenheit, als anhand von Zigarettenkippen und ähnlichen Hinterlassenschaften die festgestellte DNA zum Täter führte. Allein: Im Fall Schulz hat dies keinen Erfolg gebracht.

Es gab das Phantombild eines mutmaßlichen Zeugen oder gar des Täters, eines jungen Mannes, der am Tatabend in einer Kreuztaler Gaststätte aufgetaucht war und sich laut Zeugenaussagen „auffällig“ benommen hatte. Ergebnislos auch die Fahndung nach dem verschollenen Handy von Josef Schulz, dessen Ausweispapiere einige Tage nach dem Mord in Nähe des Bahndamms in Kredenbach gefunden wurden. Und selbst der Beitrag bei „Aktenzeichen XY“ blieb ohne Resultat. Es wurde nichts ausgelassen, was zur Aufklärung hätte beitragen können.

Morde verjähren nicht. Daher wird auch zehn Jahre nach dem Verbrechen in Kreuztal die Akte Schulz längst nicht geschlossen.

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