Jochbeinbruch in Erotik-Bar - Geldstrafe für wütende Ehefrau

Tritte in einer Siegener Erotik-Bar: Was wirklich geschah, konnte vor Gericht nicht aufgeklärt werden.
Tritte in einer Siegener Erotik-Bar: Was wirklich geschah, konnte vor Gericht nicht aufgeklärt werden.
Foto: Kerstin Kokoska/WAZ-Archiv
Was wir bereits wissen
Die wütende Ehefrau (27) des Geschäftsführers einer Siegener Erotik-Bar trat auf den am Boden liegenden Gast (42). Ob das auch der Grund für seinen Jochbeinbruch war, ist nicht hundertprozentig klar. Das Amtsgericht verurteilte die Angeklagte zu einer Geldstrafe.

Siegen.. Seit letztem Jahr steckt eine Metallplatte unter Fuat B.s rechtem Auge. Ein schmerzhaftes Souvenir von einem Abend in einem Siegener Erotikbetrieb, an dessen Ende er schließlich mit einem Jochbeinbruch im Krankenhaus behandelt wird.

Der 42-Jährige ist ein großgewachsener Mann, breite Schultern, die in eben so einem Nacken enden, der Schädel ist kahlrasiert, die Stimme grollend. Wer hat ihm die schwere Verletzung zugefügt, wegen der heute noch sein Auge zuckt und die Sehkraft geschwächt ist? Dieser Frage geht Antonia Kuhli, Richterin am Siegener Amtsgericht, nach. Obwohl sich die Beweisführung als sehr schwierig herausstellen wird. Zu unterschiedlich die Zeugenaussagen, zu groß die Gedächtnislücken.

Auf der Anklagebank sitzen Florentina D. (27) und Ehemann Albert (35), er ist der Betreiber des Erotik-Lokal. Dem Paar wird vorgeworfen, Fuat B. geschlagen und als er am Boden lag noch nachgetreten zu haben.

Gast soll 27-Jährige als "Schlampe" beschimpft haben

Was ist an dem 9. März 2014 gegen 1 Uhr nachts passiert? Fuat B. und sein Kumpel Kenan A. fahren in die Bar, um „Zeit zu verschwenden“ (Fuat B.). Beide sind mit dem Geschäftsführer befreundet, kommen häufig vorbei. Nicht wegen der Frauen, sondern als Gäste. Die Männer bestellen Wasser, später gibt der Barchef Bier aus.

Rotlicht Die drei Männer sitzen in einer Sofaecke und quatschen. Dann setzt sich die 27-Jährige hinzu. Die Situation wird ungemütlich. Fuat B. soll sie eine „Schlampe“ genannt haben – hinter ihrem Rücken, so haben es ihr die Mädchen zugetragen. „Weil ich abends in der Bar bin und nicht zu Hause“, sagt sie aus. Fuat B. bestreitet es jedoch, die Hausherrin beleidigt zu haben.

Welche Worte genau gefallen sind, kann nicht rekonstruiert werden. Auch nicht, wer den ersten Schlag gesetzt hat und wie Fuat B. plötzlich auf dem Boden gelandet ist. Da helfen auch die Zeugenaussagen von Kenan A. nicht weiter. Er ist mit beiden Parteien befreundet und will gar nicht so recht aussagen, erinnert sich aber dann doch daran, wie Fuat B. am Boden liegend von der wütenden Ehefrau getreten wurde – ob sie allerdings getroffen hat oder sie es nur versucht hat und wohin sie getreten hat, wenn sie denn getroffen hat, darüber könne er auch nichts sagen.

Kräftiger Faustschlag nur aus Notwehr?

Albert D. gibt zwar zu, Fuat B. einen kräftigen Faustschlag verpasst zu haben. Allerdings nur aus Notwehr. Auch die kann jedoch nicht bewiesen werden. Zu viel Konjunktiv für ein Urteil. Richterin Kuhli spricht den Bar-Betreiber mangels Beweisen schließlich frei und folgt damit dem Antrag der Staatsanwältin Bettina Dickel.

Pumps oder Pantoffeln? - Kein Beweis für schwere Körperverletzung

Von dem Vorwurf der gefährlichen, gemeinschaftlichen Körperverletzung bleibt nur noch eine einfache Körperverletzung übrig. Bei der nun auch das Schuhwerk der Angeklagten eine Rolle spielt. Schließlich macht es einen Unterschied, ob man von Pumps oder Pantoffeln getreten wird. „Sie ziehen sich in der Bar doch bestimmt attraktiv an und tragen keine weichen Schuhe“, fragt daher Rechtsanwalt Daniel Nierenz, er vertritt Nebenkläger B. Auch die Frage bleibt unbeantwortet.

Angeklagte trägt im Gerichtssaal hohe Stiefel

Im Gerichtssaal trägt die Angeklagte hohe Stiefel, zu schwarzen Hosen und einem Rollkragenpullover, die dunklen Haare hat sie mit viel Festiger zu einer lockigen Mähne geknetet. „Ich bin nur eine Frau“, sagt sie. Wie hätte sie sich mit so einem großen Mann, wie Fuat B. es einer ist, anlegen können? Fragt sie mit hochgezogenen, aufgemalten Augenbrauen.

Betrug Doch diese Rehlein-Taktik nimmt ihr die Richterin Kuhli nicht so recht ab. Vermutlich auch, weil sie während des Prozesses nicht gerade zurückhaltend auftritt. Im Vergleich zu ihrem Gatten, der ruhig und mit finsterer Miene zwischen Anwalt Blecher und Ehefrau den Prozess verfolgt, hat sie oft Mühe, ihr Temperament zu bändigen. Wenn sie spricht rutscht sie nach vorn auf dem Stuhl und gestikuliert engagiert mit roten Fingernägeln. Mehrmals wird sie von der Richterin zur Ruhe ermahnt: „Sie sind jetzt nicht dran!“

Bar-Betreiber hat langes Vorstrafenregister

Dass ihr Mann allerdings auch nicht immer so ruhig ist, zeigt der Blick in sein Vorstrafenregister. Fünf Einträge, darunter auch eine aktuelle Bewährungsstrafe wegen gefährlicher Körperverletzung, hat der Bar-Betreiber auf dem Kerbholz.

Seine Frau muss schließlich eine Geldstrafe von 60 Tagessätzen à 12 Euro zahlen und die Kosten des Verfahrens samt Nebenklage übernehmen. Die Höhe richtet sich an dem Verdienst des Ehemannes, der angibt im Monat 1080 Euro nach Hause zu bringen.

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