Jeder Fund wirft neue Fragen auf

Manuel Zeiler hat ein Stück Schlacke im Bach entdeckt. Das macht das Erzählen noch lebendiger.
Manuel Zeiler hat ein Stück Schlacke im Bach entdeckt. Das macht das Erzählen noch lebendiger.
Foto: Michael Kunz

Müsen..  Früher Nachmittag. Die Vögel zwitschern. Im Siegerländer Wald, immer noch in der Übergangsphase zwischen Winter und Frühling, sind ferne Motorsägen zu hören. Vor dieser Kulisse erzählen Dr. Manuel Zeiler, Archäologe beim Landschaftsverband in Olpe, und später der Müsener Rolf Golze etwas über die Geschichte des Bergbaus. Es ist der zweite Teil des „1. Müsener Berggeschreys“, nach der vormittäglichen Theorie gibt es nun eine Exkursion.

Bei idealem Wetter sind rund 40 Teilnehmer der Informationsveranstaltung zum Thema „Mittelalterlicher Bergbau im nördlichen Siegerland“ im Zitzenbachtal unterwegs. Vom Naturfreibad geht es über den Berg zurück nach Müsen. Von dort ist die Gruppe mit zwei Planwagen nach Ferndorf gefahren. Organisator Rolf Golze vom Verein Altenberg und Stahlberg, den das Deutsche Bergbau-Museum Bochum und die LWL-Archäologie für Westfalen unterstützten, zieht schon jetzt eine sehr gute Bilanz dieses ersten „Berggeschreys“: „Wir wollen das jetzt jährlich durchführen.“

Vor allem Schlacke ist es, die der Kundige auf dem Weg durch den Wald immer wieder finden kann. Manuel Zeiler, der am Morgen im alten Müsener Rathaus den Stand der Montanarchäologie im Müsener Raum erläutert hat, zeigt den Wanderern diverse mitgebrachte Proben und findet auch immer wieder „Zeitzeugen“ unter Laub oder im Wasser des Baches. Von 1050 bis ins 16. Jahrhundert sei gearbeitet worden, erklärt Rolf Golze. Aber viele Einzelheiten seien immer noch nicht bekannt. „Wir kratzen hier gerade an der Oberfläche. Jeder Fund wirft eine neue Frage auf.“

Weitere Grabungen sind geplant

Wie häufig die Schlacke an diesem Berg ist, zeigt sich im nächsten Moment: Golze wirft ein gefundenes Stück beiläufig weg und folgt der Gruppe, die sich zu einem Ort bewegt, an dem es einen Ofen gegeben haben könnte. Gefunden haben die Historiker bislang noch keinen. Sie wissen aber, dass es im 16. Jahrhundert irgendwo hier eine Hütte gab. In den Urkunden jener Zeit findet sich kein genauer Standort, dort sind nur die Abgaben verzeichnet. „Denen ging es nur ums Geld“, lacht Rolf Golze.

Die weiteren Referenten am Vormittag waren Dr. Holger Adelmann aus Köln, der die mineralogischen Grundlagen zum Bergbau auf Silbererze im Müsener Revier ansprach, und Dr. Jennifer Garner vom Deutschen Bergbau-Museum Bochum, die sich mit der in den 1970er Jahren archäologisch ausgegrabenen Bergbausiedlung Altenberg befasste. Auf weitere Grabungen hoffen Rolf Golze und seine Mitstreiter für die Zukunft, seit im vergangenen Jahr aufsehenerregende Forschungsergebnisse zum mittelalterlichen Buntmetallbergbau gewonnen wurden und bereits 2013 Untersuchungen zur hochmittelalterlichen Buntmetallurgie im Raum Ferndorf einsetzten. Weitere Arbeiten sind vorgesehen und die Mittel beantragt. „Aber das liebe Geld“, beschreibt die Ferndorner Architektin und Heimatforscherin Katrin Stein das Problem. Erfolgreiche Veranstaltungen wie diese Tagung können da natürlich sehr hilfreich sein.

Was ist denn nun ein „Berggeschrey“? „Wenn in jener Zeit irgendwo ein Fund gemacht wurde, sprach sich das schnell herum, die Leute kamen von weither zu den entsprechenden Orten“, erzählt Rolf Golze. Fast wie beim Goldrausch in Kalifornien oder Alaska.