Jeden Tag ein Einbruch in Siegen-Wittgenstein

Die Polizei Siegen-Wittgenstein stellt ihre Kriminalitätsstatistik 2014 vor.
Die Polizei Siegen-Wittgenstein stellt ihre Kriminalitätsstatistik 2014 vor.
Foto: WAZ FotoPool
Im Jahr 2014 wurde statistisch gesehen ein Einbruch pro Tag verübt – so viele wie noch nie zuvor. Die Fallzahlen stiegen um fast 18 Prozent. Blick in die Kriminalitätsstatistik 2014.

Siegen.. Die Zahl der Straftaten ist in Siegen-Wittgenstein im vergangenen Jahr leicht gestiegen. Es wurden 16 991 Fälle angezeigt, das sind 99 Fälle mehr als im Vorjahr. Die Aufklärungsquote ist mit 61 Prozent die höchste in Nordrhein-Westfalen. Im Landesschnitt liegt sie bei 50 Prozent.

Wohnungseinbrüche: Kritische Zahlen. Im Jahr 2014 wurde statistisch gesehen ein Einbruch pro Tag verübt – so viele wie noch nie zuvor. Die Fallzahlen stiegen um 18 Prozent. Die Statistik weist 379 Einbrüche aus. Jedoch blieb es bei 40 Prozent der Taten bei einem Versuch. 129 Mal schlugen die Einbrecher bei Tag zu. Die Nähe zu den Autobahnen und die Stadt Siegen als Ballungszentrum ziehen Tätergruppen, etwa reisende Banden aus Südosteuropa, aber auch örtliche Einbrecher an, erklärt Martin Kroh, Leiter der Führungsstelle Kriminalpolizei. Kroh verdeutlicht: Je weiter es Richtung Hilchenbach geht, also weg von den Schnellstraßen, desto weniger Einbrüche gibt es. Die Aufklärungsquote lag kreisweit bei 23 Prozent (2013: 35 Prozent). Die höhere Aufklärungsquote in 2013 hänge damit zusammen, dass damals eine Einbrecherbande gefasst wurde, die für eine Vielzahl der Taten verantwortlich war. Kroh: „Die Zusammenarbeit mit den Bürgern ist sehr gut. Gerade in den ländlichen Regionen wird aufeinander geachtet.“ Es komme oft vor, dass der Polizei auffällige Autos in der Nachbarschaft gemeldet würden.

Diebstahl: Zahlen steigen um vier Prozent. Seit zwei Jahren steigen die Zahlen der Diebstähle wieder. 2013 waren es 5678 Diebstähle, im vergangenen Jahr 5905. Die Fallzahlen werden beeinflusst durch Massendelikte wie Diebstahl aus Autos, Laden- oder Taschendiebstahl. Die Anzahl der schweren Diebstähle sank hingegen. 2010 waren es noch 2286 Fälle, im vergangenen Jahr 1669. Darunter fallen Einbrüche bei Firmen, in Kioske oder Autodiebstähle. Fast jeder dritte dieser schweren Diebstähle wird aufgeklärt. Das entspricht einer Quote von 32 Prozent. Der Landesschnitt liegt bei 13 Prozent.


Gewaltdelikte: hohe Aufklärungsquote. Im Kreis Siegen-Wittgenstein wurden im vergangenen Jahr insgesamt 86 Prozent von gefährlichen oder schweren Körperverletzungen aufgeklärt (372 Fälle). Im Jahr 2013 waren es 83 Prozent. Die Hälfte der qualifizierten Körperverletzungsdelikte fanden im privaten Umfeld statt. Da sich Täter und Opfer kennen, ist der Angreifer für die Polizei schnell zu ermitteln. Dort liegt auch der Schwerpunkt beim Anstieg der Fallzahlen. Auf öffentlichen Straßen, Wegen oder Plätzen wurden im zurück liegenden Jahr 162 der 432 Delikte begangen. Die Aufklärungsquote lag dort bei 79 Prozent.

Straßenkriminalität: Rückgang um 8,1 Prozent. Die Straßenkriminalität hat abgenommen. 3265 Fälle wurden angezeigt. Das sind 288 weniger als im Vorjahr. Dazu zählen zum Beispiel Handtaschenraub, Fahrraddiebstahl und Automatenaufbruch. Ein Viertel der Fälle wird aufgeklärt. Gesunken sind die Sachbeschädigungen: um 149 Fälle auf 897. Sachbeschädigungen machen knapp 52 Prozent der Straßenkriminalität aus, einen weiteren Schwerpunkt bilden Diebstähle aus Autos (591 Fälle).

Jugendkriminalität: weniger Tatverdächtige unter 21. Die Jugendkriminalität geht zurück. Im Bereich der Gesamtkriminalität waren 23 Prozent unter 21 Jahren (2013: 24 Prozent), bei der Gewaltkriminalität sank sie von 34 auf 30 Prozent. Das heißt aber auch: Bei fast jedem dritten Gewaltdelikt ist ein Jugendlicher tatverdächtig.

Sechs Straftaten gegen das Leben. Zu diesen Delikten zählt der Fall der 32-jährigen Mutter aus Siegen, die zwei Babyleichen in ihren Wohnungen in Bonn und Siegen ins Tiefkühlfach gelegt hat. Der Prozess beginnt am Dienstag, 17. März. Zu den weiteren Fällen gehören nicht Mord oder Totschlag, sondern zum großen Teil Verfahren gegen Ärzte oder Pflegekräfte. Wie der Fall einer Pflegerin, die eine alte Frau nach einem Sturz nicht versorgt haben soll. Die Seniorin starb. Angeklagt ist eine fahrlässige Tötung. „Diese Fälle werden zunächst von vielen Gutachtern überprüft“, erklärt Martin Kroh. Die Klärung dauere Monate, in der Statistik der Polizei tauchen diese Fälle dennoch auf.


Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung: 120 Sachverhalte in 2014. Die Aufklärungsquote liegt bei über 80 Prozent, da es sich bei den Tätern meist um Menschen aus dem privaten Umfeld handelt. Im Jahr 2014 gab es zwölf Vergewaltigungen, die auch alle aufgeklärt wurden. Dazu gehört zum Beispiel der Hilchenbacher Fall im August 2014. Ein Mann vergewaltigte seine Ex-Freundin und zündete dann die Wohnung der Frau an. Der 24-Jährige wurde im vergangenen Monat wegen Vergewaltigung und schwerer Brandstiftung zu fünf Jahren Haft verurteilt.

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