Jahrmarkt wie im Mittelalter

Das Mittelalter beschäftigt die Deuzer Grundschulkinder.
Das Mittelalter beschäftigt die Deuzer Grundschulkinder.
Foto: WP

Deuz..  An den vier Stadttoren wird noch gemalt. Das Wappen ist fertig, die Farbe auf den Zinnen muss noch trocknen. Die Mädchen und Jungen in der Deuzer Grundschule haben leichtes Spiel: Dieser Teil der mittelalterlichen Stadtbefestigung ist aus Pappe. Am Samstag verwandelt sich das Schulzentrum auf dem Sterndill in einen mittelalterlichen Markt.

2000 Gäste werden erwartet

Die Idee ist schon zwei Jahre alt — und seitdem stetig gewachsen. Eigentlich sollte wieder einmal ein Mitmach-Zirkus gebucht werden, erinnert sich Gerlinde Böcking, Rektorin der Deuzer Grundschule. Dann haperte es aber bei der Suche nach einem Standplatz für das Zelt — „und außerdem macht das mittlerweile jeder.“ Irgendwer hatte die Idee zum Mittelalter-Jahrmarkt. Und schnell fanden sich auch die Experten dazu: aus der Elternschaft Dagmar und Jörg Wiedemann, die mit ihrer Kochstelle regelmäßig zu den einschlägigen Treffen ziehen. Und den Haincher Grundschulrektor Achim Lachmann, dessen Bruder in einer Dortmunder Mittelaltergruppe aktiv ist — die am Samstag in Deuz für Speis und Trank sorgen wird.

Auf dem Schulhof backen die Kinder Apfel-Pfannkuchen. „Wir haben heute schon Feuer ohne Streichholz gemacht“, erzählt Jörg Wiedemann. Überall wird gebastelt, gefilzt und gewebt. Wandbilder und Taschen, Teppiche und Lederbeutel, Helme und Masken machen die Zeitreise ein paar Jahrhunderte zurück sichtbar. Eine Gruppe schaut sich beim Imker um, eine andere bei den Schafen in Nenkersdorf. Auch an der Johannlandschule in Hainchen stehen schon alle Zeichen auf Mittelalter, ebenso in der AWO-Förderschule am Sonnenhang, die das Bühnenprogramm mit Tanz, Trommeln und Gesang vorbereitet. „Der Pranger ist auch schon in Bau“, verrät Gerlinde Böcking.

Aus dem einfachen Schulprojekt wird eine Großveranstaltung, zu der um die 2000 Gäste erwartet werden. Bernd Heinemann, erfahren durch die Stadtfest-Organisation im vorigen Jahr, hat bei der Planung mitgeholfen, die Parkplatz- und Verkehrsregelung erarbeitet und die Standplätze auf dem Schul-Campus für die über 80 Stände und Attraktionen gefunden — für den Schmied und die Kräuterfrau, fürs Bogenschießen und Steckenpferdreiten, für den Falkner und das Wikingerschach...

Auch die Haincher sind dabei

„Kommet, sehet, staunet“, steht auf dem Faltblatt, „und vergesst eure Geldkatz nicht.“ Die Zeitreise ins Mittelalter ist weit genug fortgeschritten, dass es nicht überraschen würde, wenn auch die Zeugnisse entsprechend formuliert werden. Gezahlt wird am Samstag übrigens nicht mit Euro und Cent, sondern mit dem Heller.

Mit einem Umzug startet das Fest um 11 Uhr am Bahnhof. Möglichst viele der etwa 300 beteiligten Kinder, ihrer Familien und Freunde werden von dort auf den Schulberg ziehen — auch eine Art Abschiedsvorstellung: Die Sterndill-Förderschule schließt zum Schuljahresende, und die Hauptschule, die auf gepackten Koffern für den Umzug nach Netphen sitzt, ist beim Fest schon gar nicht mehr dabei. Das großzügige Freigelände wird es bald auch nicht mehr geben: Den Platz, auf dem am Samstag noch Bühne und Buden stehen, will die Stadt als Baugrundstücke für Wohnhäuser verkaufen. Immerhin — ein Stück Zukunft spielt auch mit: Die Haincher Johannlandschule und die Deuzer Grundschule werden in den nächsten Jahren enger zusammenrücken, Pläne für einen Verbund sind in der Schublade.

Gerlinde Böcking wirbt für den Mut zum — mittelalterlichen – Kostüm: „Es ist sehr willkommen, dass die Herrschaften in entsprechender Gewandung kommen.“ Auch der Bürgermeister als Schirmherr habe das zugesagt. Ausreden, der Kleiderschrank gäbe das nicht her, gelten übrigens nicht: „Wir haben noch eine Menge Kartoffelsäcke.“

Einbahnverkehr auf dem Sterndill

Parkplätze für Besucher sind unten im Dorf ausgewiesen, unter anderem bei Walzen Irle, am Freibad und am Bahnhof. Der Nauholzer Weg wird Einbahnstraße bergauf, der Beienbacher Weg bergab.

Treffpunkt für den Marsch auf den Schulberg ist Samstag, 11 Uhr, auf dem Dorfplatz vor dem Bahnhof. Gegen 11.15 Uhr wird Bürgermeister Paul Wagener den Historischen Markt auf dem Sterndill eröffnen.