Ist Freudenberg reif für eine eigene Gesamtschule?
18.02.2009 | 21:00 Uhr 2009-02-18T21:00:00+0100
Pia Lück-Klaas (FDP) sprach im Schulausschuss ein Thema an, das seit zehn Jahren nicht mehr in Freudenberg diskutiert worden ist. Damals trat die CDU zum Kommunalwahlkampf mit der Forderung nach einem Gymnasium an und gewann bekanntlich die Wahl. Aber ein Gymnasium hat Freudenberg bis heute nicht.
Im Zuge der Beratung über die Ganztagsoffensive an Freudenberger Schulen fragte Pia Lück-Klaas, warum nicht auch Freudenberg eine weiterführende Schule mit Oberstufe anbietet: „Wir schicken unsere Kinder nach Eiserfeld oder auf den Giersberg in die Gesamtschule.” Dabei verfüge Freudenberg spätestens dann über die notwendige Infrastruktur für eine eigene Gesamtschule mit Gemeinschaftsverpflegung, wenn im Schulzentrum die Cafeteria eingerichtet wird: „Wir sind da ein bisschen veraltet”, meinte die sachkundige Bürgerin.
Hauptamtsleiter Bernd Hoffmann machte auf die Folgen der Einrichtung einer Gesamtschule aufmerksam: „Dann müssen wir andere Schulen aufgeben: Haupt- und Realschule.” Zuletzt gab es Anfang der 1990er Jahre Ansätze, in Richtung Gesamtschule zu denken. Dazu wurde sogar eine Delegation der CDU-Fraktion ins Bergische Land und ins Münsterland geschickt, wo CDU-regierte Kommunen die damals noch sehr umstrittene Gesamtschule einführten.
1991 kam es sogar zu einer - der bislang einzigen - Befragung aller Eltern, ob sie über Haupt- und Realschule hinaus eine dritte weiterführende Schule wünschten. Doch es blieb beim vorhandenen Angebot. Gesamtschulen entstanden derweil in Siegen und 1992 in Kreuztal.
Inzwischen kann die Schullandschaft kaum zergliederter sein für eine Stadt mit 18 000 Einwohnern. An den sieben städtischen Schulen werden 1714 Kinder und Jugendliche unterrichtet. Aber über 800 Freudenberger Kinder und Jugendliche pendeln nach auswärts. Davon besuchen über 100 Kinder Gesamtschulen: Laut der letztgültigen Statistik vom Schuljahr 2007/08 waren die meisten (93) an der Berta-von-Suttner-Gesamtschule, fünf an der Gesamtschule Eiserfeld, aber auch drei in Kreuztal.
Weit mehr Freudenberger Kinder, nämlich 646, gehen zu auswärtigen Gymnasien: Allein das Weidenauer FJM hatte 226 Freudenberger Schüler, das benachbarte Ev. Gymnasium 203. Ohne Freudenberger Kinder, sagt auch Hauptamtsleiter Hoffmann, hätten diese Schulen „echte Probleme”. 123 Freudenberger gingen überdies zum Löhrtor-Gymnasium und 39 an das Peter-Paul-Rubens-Ganztagsgymnasium, fünf zur Morgenröthe nach Eiserfeld, zwei nach Betzdorf, aber 26 nach Olpe und 22 zur Waldorfschule. Übervolle Schulbusse, die morgens nach Siegen fahren und mittags zurückkommen, sind täglich zu besichtigen. Dazu kommen Unwägbarkeiten wie in diesem strengen Winter, wenn - wie vorige Woche - schon einmal ein Schulbus auf dem Weg nach Olpe wegen der schlechten Straßenverhältnisse von der Fahrbahn gerät und Kinder mehrere Stunden in der Kälte ausharren müssen.
Aber auch andere weiterführende Schulen in der Umgebung haben Freudenberger Kinder aufgenommen: 20 gehen zu einer Realschule nach Siegen oder Betzdorf, 38 zu benachbarten Grundschulen (vor allem Waldorfschule) und drei zu Hauptschulen außerhalb des Stadtgebiets. Andererseits strömen 425 Kinder und Jugendliche aus dem Kreisgebiet zu den beiden Freien Christlichen Schulen nach Niederndorf. Von 533 Kindern an Haupt- und Realschule dort sind wiederum 108 aus Freudenberg.
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