Israel verpflichtet
23.07.2008 | 20:00 Uhr 2008-07-23T20:00:00+0200
In Sachen Emek Hefer ist Horst Womelsdorf Neuling. Mit Arik und Sara Korakin hat er zum ersten Mal Besuch aus dem Siegen-Wittgensteiner Partnerkreis in Israel.
Sie waren vorher in Berlin, im Haus der Wannsee-Konferenz, haben das Aktive Museum in Siegens ehemaliger Synagoge besucht, und in Hilchenbach könnten sie einen jüdischen Friedhof sehen. Oder, auf dem Weg hinauf zu ihrem Quartier auf dem Mühlenseifen, an den jüngst gesetzten Stolpersteinen vorbeikommen, mit denen Hilchenbach an seine ermordeten jüdischen Bürger erinnert. „Beide haben Angehörige im Holocaust verloren”, weiß Horst Womelsdorf. Empfindungen? „Ich habe nicht gefragt.” Dass er eine jüdische Urgroßmutter hatte, dass der Standesbeamte in Battenberg bewusst weggeschaut hatte, als seine Mutter vor der Hochzeit ihre Abstammung nachweisen sollte, das wusste Womelsdorf´ von Kind auf. Doch sein besonderes Verhältnis zur deutschen Geschichte brauchte noch Zeit. 35 Jahre alt war er, als ihn sein Arbeitgeber, die SMS, zum ersten Mal nach Polen schickte. „Da war ich das erste Mal in Auschwitz”, berichtet Womelsdorf von dem Besuch des ehemaligen KZ, „ich war erschüttert.” 1984 reisten Horst und Roswitha Womelsdorf zum ersten Mal nach Israel; zehn Reisen und gut 12 000 Bilder kamen bis heute zusammen. Und Erinnerungsstücke wie die vom Jerusalemer Bürgermeister Teddy Kollek unterzeichnete Wallfahrtsurkunde. Vor allem aber Erinnerungen an Menschen wie die alte Dame in einem Kibbuz, die Treblinka, Bergen Belsen und Flossenbürg überlebt hat und mit der die Womelsdorfs Freundschaft schlossen. „Nun weiß ich, dass es auch gute Deutsche gibt”, sagte Alisa zum Abschied. Freundschaften knüpfen - das treibt Horst Womelsdorf, und dafür begeistert er auch andere, denen er von seinen Reisen und Begegnungen berichtet: Demnächst fährt der Walpersdorfer Köhler Reinhold Wagener mit rund 35 Mitgliedern der katholischen Kirchengemeinde nach Israel - Womelsdorf hatte einen Vortrag im Pfarrheim gehalten. „Das, was im Dritten Reich geschehen ist, muss in Erinnerung bleiben”, sagt Horst Womelsdorf, der sich auch in der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit engagiert: „Wir haben uns der Verantwortung zu stellen.” Israel heute: „Ein herrliches Land”, schwärmt Horst Womelsdorf. Ein Land aber auch, das nicht zur Ruhe kommt. Die Korakins haben 1997 ihren Sohn verloren, als die Hisbollah seinen Hubschrauber mit verletzten Kameraden abschossen. Zur Gedenkfeier im November werden ihre Hilchenbacher Gastgeber dabei sein. Und noch eins tut Horst Womelsdorf gern: Spenden sammeln, die der in Jerusalem lebende Franziskanerpater Hartwig an das Kinderkrankenhaus in Bethlehem weiterleitet. Da, wo Christen den Geburtsort ihres Messias sehen, sollen kranke Kinder der palästinenischen Einwohner Hilfe bekommen.
Horst Womelsdorf berichtet am Sonntag, 27. Juli, 19 Uhr in der Neurologischen Fachklinik Hilchenbach über „60 Jahre Israel”. Vize–Landrat Jürgen Althaus spricht ein Grußwort.
0mitdiskutieren