Integration ins Leitbild einbauen
14.08.2011 | 22:00 Uhr 2011-08-14T22:00:00+0200
Netphen.Menschen mit Behinderung, sagt Wolfgang Merdes, „sind Teil der Gesellschaft und der Bürgerschaft.“ Das, so findet der neue ehrenamtliche Behindertenbeauftragte, soll auch Teil des gerade entstehenden Leitbilds für die Stadt werden: „Menschen mit Behinderung sollen integriert sein.“
Seit er im Februar ins Amt eingeführt worden ist, sieht der Unglinghausener die Stadt mit etwas anderen Augen, fährt auch einmal einen Umweg, um ihm bisher nicht bekannte Winkel anzuschauen. Die immer noch nicht überall an Einmündungen abgesenkten Bordsteine waren eines der ersten Themen – besonders ärgerlich da, wo gerade neu gebaut und trotzdem nicht an Rollatoren, Rollstühle und Kinderwagen gedacht wird.
Auch der Kreis soll
Sprechstunden anbieten
Spätestens Thema Nummer 2 sind die Parkplätze für Behinderte: Die gibt es zwar – „aber der Respekt davor lässt zu wünschen übrig“. Soll heißen: So mancher, der darauf parkt, ist ausgesprochen gut zu Fuß. Für solche Fälle hat Merdes ein Faltblatt dabei, dass er bei der Stadt Iserlohn entdeckt hat. Dankbar für den Appell zu mehr Rücksichtnahme („Auch Sie könnten irgendwann mal darauf angewiesen sein“) sind die Falschparker aber nicht unbedingt: „Manche werden regelrecht aggressiv.“
Wolfgang Merdes kennt seinen Job. Als Lehrer am Berufskolleg für Wirtschaft und Verwaltung gehörte er immerhin 20 Jahre lang der Schwerbehindertenvertretung an, die für die berufsbildenden Schulen im gesamten Regierungsbezirk zuständig war. Sein Wissen und seine Erfahrung will der 67-Jährige auch im Ruhestand einbringen: „Es hat mich immer interessiert, behinderte und benachteiligte Menschen zu unterstützen und ihnen zur Seite zu stehen.“
Wobei seine Möglichkeiten begrenzt sind. Was auch Elisabeth Schäfer-Weiß erfährt, die Merdes in seiner monatlichen Sprechstunde im Rathaus aufsucht. Denn für persönliche Anliegen im Zusammenhang mit Schwerbehinderung sind die Fachleute bei der Kreisverwaltung zuständig. „Den einen oder anderen Tipp kann ich zwar geben“, sagt Wolfgang Merdes. Weiter gehende Beratung kann er aber nicht leisten. „Das ginge auch weit über das Ehrenamt hinaus.“ Schön wäre es allerdings, wenn der Kreis gelegentlich Sprechstunden in Netphen anbieten würde, wünscht sich Merdes: „Das Kreishaus ist weit weg.“ Vor allem für Menschen, die nur eingeschränkt mobil sind.
In den ersten Monaten ist Wolfgang Merdes viel unterwegs. Er besucht Bürgerversammlungen, arbeitet beim Seniorenforum und dem Leitbild-Arbeitskreis mit, hat Kontakt zum Verein „Handicap“ aufgenommen, in dem sich Netphener mit Behinderung selbst organisiert haben.
Einladung ins
Freizeitbad
Ins Freizeitbad hat ihn Bernd Wiezorek, Geschäftsführer der Freizeitpark Obernautal GmbH, eingeladen. „Ich war erstaunt, was da alles mit dem Rollstuhl erreichbar ist.“ Positiv fiel Merdes das gerade neu eröffnete Gesundheitszentrum im Obergeschoss auf, das auch Physiotherapie anbietet und mit einem Aufzug erreichbar ist. Einen Schönheitsfehler im Fitnessparcours hat Merdes allerdings auch entdeckt: „Leider stehen die ganzen technischen Geräte auf einem zwölf Zentimeter hohen Podest.“
Und einen Lift am Beckenrand gibt es auch nicht: „Ein Rollstuhlfahrer, der immobil ist, braucht Hilfe, um ins Schwimmbecken zu gelangen.“ Hilfe, setzt Merdes hinzu, die gern gewährt wird – wie eigentlich überall in Netphen, ob in Geschäften, Gaststätten oder öffentlichen Einrichtungen. „Man muss sich nur bemerkbar machen.“
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