In diesem Paradies ist der Sommer nie vorbei
07.09.2012 | 18:22 Uhr 2012-09-07T18:22:00+0200
Ferndorf. Im Ferndorfer Naturfreibad gibt es weder Eintrittspreise noch Schließungszeiten.
Anne Spies wähnt sich im Paradies, wenn sie frühmorgens ihre Bahnen durch das Ferndorfer Freibad in der Zitzenbach zieht: „Manchmal stehen Rehe auf der Wiese, ein Hase hoppelt vorbei oder der Eisvogel kommt zu Besuch“, erzählt sie, „und manchmal springt auch ein Fisch hoch.“
Die Badegäste teilen sich das noch 17 Grad warme Wasser mit einigen Forellen, die eigentlich in den unterhalb liegenden Fischweihern zu Hause wären. „Kein Mensch hat die hier eingesetzt. Aber das spricht ja für die Wasserqualität.“ Anne Spies ist Vorsitzende des Fördervereins Zitzenbach, der die Stadt Kreuztal bei der Pflege und Unterhaltung des Naturfreibades unterstützt. Im vorigen Frühjahr haben sich die Ehrenamtler – wie auch in anderen Stadtteilen – zusammengefunden, als die Stadt laut darüber nachdachte, sich von ihren Naturbädern zu trennen. „Jetzt haben wir schon fast 135 Mitglieder.“
Nur die Dunkelheit setzt Grenzen
Und es sieht so aus, dass die „Badeanstalt“, in die der freiwillige Arbeitsdienst den ehemaligen Weiher verwandelt hat, 2017 auch noch sein 90-jähriges Bestehen feiern kann. Einmal im Jahr ist Freibadfest mit spaßigen Wettbewerben und Spielen für Kinder – ansonsten ist das Badevergnügen betont unspektakulär. Es gibt ein Umkleidegebäude, das der Förderverein gerade auf Vordermann gebracht hat, mit einem Aufenthaltsraum für die Rettungsschwimmer, die die Stadt hier im Juni, Juli und August einsetzt. Es gibt Toiletten und Wasser aus dem Bach. Was es nicht gibt: elektrischen Strom, Eintrittspreise, Öffnungs- und Schließungszeiten. Soll heißen: Die Zitzenbach ist immer offen, der Badespaß ist kostenlos.
„Viele kommen regelmäßig und zu festen Zeiten“, weiß Anne Spies. Berufstätige gern morgens vor der Arbeit, „viele auch noch spätabends“. Und das nicht nur aus Ferndorf, sondern auch aus anderen Stadtteilen und einige sogar aus Siegen. Besonders willkommen sind Familien und Kinder – auch in der Hoffnung, dass die später Heranwachsenden ihr Bad hegen, pflegen und mit Respekt behandeln. „Den Kindern machen die frischen Temperaturen nichts aus“, lacht Anne Spies, „die Eltern sind die Frostbeulen.“
Zwei Stamm-Schwimmerinnen tauchen in das Becken ein. Ein Nachmittag, an dem die Sonne den bewaldeten Osthang bescheint, der einmal Liegewiese war und vielleicht auch, auf einem kleinen Stück, wieder werden könnte. Bis zu den Herbstferien wird auch Anne Spies hier schwimmen. „Es geht nicht um die Temperatur“, stellt sie klar, „aber es ist dann morgens einfach zu dunkel.“
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