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In Dahlbruch

04.04.2011 | 20:43 Uhr
In Dahlbruch
Schüler unterstützen Senioren am PC

Hilchenbach-Dahlbruch.Spätestens zum Ende des Schuljahres 2012/13 gehen die Lichter aus an der Adolf-Reichwein-Hauptschule. Die dann verbleibenden drei Jahrgänge werden nach Erndtebrück oder Eichen wechseln. Kinder der nächsten Jahrgänge, die einen Hauptschulabschluss anstreben, sollen diesen an einem neu entstehenden Förderzweig an der Carl-Kraemer-Realschule erwerben können.

Das gilt auch für die sieben Jungen und Mädchen, die für die nächste Klasse 5 in Dahlbruch angemeldet wurden und nun die Absage erhalten. Auch für sie stehe die Realschule offen, weiß Bürgermeister Hans-Peter Hasenstab: „Es gibt natürlich eine hohe Bereitschaft, die Kinder dort aufzunehmen.“ Immerhin sind dort auch vorher schon die Eltern von 15 Kindern vorstellig geworden, denen die Grundschulen einen Besuch der Hauptschule nahegelegt hatten.

Förderzweig an
der Realschule

„Vorher“ – das war, bevor die Bezirksregierung der Stadt nicht nur die Hoffnung auf eine Ausnahmegenehmigung für eine neue Klasse 5 an der Hauptschule genommen hatte, sondern auch gleich Gemeinschaftsschul-Träume platzen ließ: Langfristig reichen die Schülerzahlen in Hilchenbach auch dafür nicht – und Kreuztal würde das Einverständnis nicht geben, weil die Gesamtschule dort ihren vierten, von Hilchenbacher Schülern aufgefüllten Zug verlieren würde. „Gleichwohl eine Chance“ sieht Hasenstab in dem landesweit offenbar bisher einmaligen Förderzweig an der Realschule: „Damit kann nach wie vor jeder Abschluss in Hilchenbach angeboten werden.“

„Das wäre so oder so gekommen“, sagt Barbara Born, die als Schulleiterin amtiert, seit sich der letzte Rektor im vorigen Jahr vorzeitig in den Ruhestand verabschiedet hat – die auf 2011/12 befristete „Bestandsgarantie“ der Bezirksregierung durchaus im Blick. Die Jugendlichen, so der unausgesprochene Konsens, sollen darunter nicht leiden: Just am Tag der Hiobsbotschaft präsentiert die Schule die ehrenamtliche „Schülerförderung Hilchenbach“: Ein ökumenischer Arbeitskreis von acht älteren Damen und Herren kümmert sich darum, dass auch Schüler, die es besonders schwer haben, den Anschluss nicht verlieren.

Hauptschule stolz auf Schülerförderung

Barbara Born erzählt die Erfolgsgeschichte von dem Jungen aus Bulgarien, der ganz ohne Deutschkenntnisse an die Schule kam. „Er macht gute Fortschritte“ – dank Schülerförderung. Lehrer Burkhard Wagener berichtet von dem Engagement eines Betreuers, der seinen Schützling sogar zur Arbeitsagentur begleitet hat: „Das könnte ich gar nicht leisten.“ Die Frage, was aus dieser Arbeit wird, steht im Raum.

Und nun: „Surfen, chatten, mailen“ – die 10 B assistiert Senioren, die sich im Internet schlau machen. „Silversurfen“ nennt Dr. Harald Prior die Disziplin, die er da an jedem Montag unterrichtet. Das Konzept geht auf: Jugendliche übernehmen Verantwortung und erfahren Wertschätzung, die Generationen begegnen einander. „Die sind so süß und haben wirklich null Ahnung“, hat eine der jungen Trainerinnen nach einer der ersten Stunden gesagt. Und das war als Kompliment gemeint. Karl-Josef Rump, der 2008 im Rahmen der Caritas die Schülerförderung miterfunden hat, freut sich: „Das ist eine sehr gute Atmosphäre hier.“

Niklas, der so manche Freistunde opfert, damit die Rechner auch laufen, ist auf Position, wie seine zehn Mitschülerinnen und Mitschüler auch: 22 Silversurfer, die sich bereits bis zu Google Street View vorgearbeitet haben, lernen heute eine Reise online zu buchen. „Für die Jugendlichen gilt absolutes Mausverbot“, betont Dr. Prior. Sie sollen erklären, nicht vormachen.

Ein Blick durch den Informatikraum: Diese Klasse bildet die Hilchenbacher Bevölkerung in nicht allzu ferner Zukunft ab – halb so viele Junge wie Alte. 2020 müssen sich die weiterführenden Schulen 86 Viertklässler teilen. Dieses Jahr sind es 174. Und schon das reichte nicht mehr für eine Hauptschule.

Steffen Schwab

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