Immer mehr Menschen kaufen im Internet

Siegen..  Ganz einfach online bestellen – für viele ist das heute nicht mehr wegzudenken. Allein in NRW haben laut einer Befragung des statistischen Landesamts im Jahr 2014 rund 9,5 Millionen Menschen mindestens einmal im Internet eingekauft. Das sind 100 000 mehr als noch zwei Jahre zuvor. Eine Gefahr für den stationären Einzelhandel besteht laut IHK und Uni Siegen aber nicht. Trotzdem müsse er sich in Zukunft den Gegebenheiten anpassen.

Hat sich der Einzelhandel verändert?

„Durch den Internethandel haben wir eine neue Form des Einzelhandels“, sagt Rudolf König von der IHK Siegen. „Die Art, wie die Ware den Kunden erreicht, unterscheidet sich.“ Früher habe der Einzelhandel in den Innenstädten Bedürfnisse befriedigt, die anderswo nicht hätten befriedigt werden können. Heute blieben Kunden schneller mal zu Hause.

Für Hanna Schramm-Klein vom Lehrstuhl für Marketing der Uni Siegen gehört beides mittlerweile zusammen. „Wenn Menschen einkaufen, nutzen sie automatisch verschiedene Kanäle“, sagt sie. „Sie stehen im Laden und haben den Onlineshop in der Hosentasche auf dem Handy.“

Warum noch in den Laden gehen?

„Durch den Einzelkontakt kann der stationäre Handel auf den Kunden eingehen und sich auf ihn einstellen“, betont König. „Er kann eine angenehme Atmosphäre bieten und mindert das Risiko des Kunden, weil der dort einen direkten Ansprechpartner hat.“ Das sei ein Vorteil für jemanden, der wenig Zeit habe, da er vor Ort schneller das Richtige finde.

Des Weiteren gebe es im Geschäft andere Möglichkeiten, so Schramm-Klein. „Da sind die Produkte physisch vorhanden.“ Einkaufen spiele zudem auch als Freizeitbeschäftigung eine große Rolle.

Was bietet mir das Internet?

„Das Warenangebot in den Städten war früher groß, ist es auch heute noch“ sagt König. „Das Internet ermöglicht aber Zugriff auf eine nahezu unbegrenzte Vielfalt.“ Schramm-Klein sieht die Stärken hierbei im Service-Bereich. „Die Produkte werden geliefert, Kleidung kann man zum Beispiel auch zu Hause anprobieren“, sagt sie.

„Durch die Datenbanken gibt es die Möglichkeit, Dinge direkt miteinander zu vergleichen.“ Das große Angebot könne aber auch ein Manko sein. „Die Masse an Produkten kann den Kunden erdrücken.“

Was muss sich im Handel tun?

„Der stationäre Handel muss sich mit anderem Kundenverhalten auseinandersetzen und darauf Antworten finden“, so König. Durch das Internet komme der Kunde sehr gut informiert in den Laden und wisse genau, was er wolle. Der Einzelhandel müsse auf diese spezifischen Wünsche reagieren können.

„Der stationäre Händler kann das Internet auch für sich nutzen und seine Ware oder Informationen über sein Geschäft anbieten.“ Auch exklusive Angebote seien eine Chance zu punkten. „Mit Eigenmarken habe ich da ganz andere Möglichkeiten“, fährt König fort. „Wenn es eine Ware nur an einem Ort gibt, hat der Händler schon ein Alleinstellungsmerkmal.“ Hanna Schramm-Klein mahnt: „Die Onlinewelt gehört dazu, und wer da nicht präsent ist, kann nur hoffen, dass die Kunden in den Laden stolpern.“ Überzeugungsarbeit ist hierbei das Stichwort. „Einzelhändler müssen Argumente liefern, weshalb die Kunden kommen sollen.“ Kaufen die nicht im Laden, habe der Händler etwas falsch gemacht, so Schramm-Klein. „Er muss sich dann fragen, ob er überhaupt noch bietet, was der Kunde will.“

Erfolg entstehe durch eine besondere Zusammenstellung an Waren. „Wenn das Angebot zum Kunden passt, macht das den Händler individuell.“

Kaufen wir zukünftig nur im Internet?

Laut Rudolf König gehe das Interesse dahin, attraktive Standorte zu erhalten. „Wenn der Einzelhandel verschwindet, schwindet auch die Attraktivität.“ Die Versorgungssicherheit sei ein wichtiger Punkt. Auch der Datenschutz spiele eine Rolle. „Wir wollen im Netz ja nicht unbegrenzt unsere Daten zur Verfügung stellen“, betont König.

Seine Prognose: „Wir werden auch in Zukunft noch vor Ort einkaufen, vielleicht mit anderen Wünschen, aber mit einem stärkeren Dialog.“ Auch Hanna Schramm-Klein sieht den Einzelhandel nicht am Ende. „Solange er seine Berechtigung hat, werden die Kunden kommen“, sagt sie. Es gehe nicht um online gegen stationär. „Das Verhalten der Menschen zeigt, das A und B zusammengehören, besonders durch das mobile Internet.“