Im Schlagloch steht das Wasser

Die Alte Landstraße wird mit einer billigen Frässanierung nicht zu retten sein. Die Stadt richtet sich auf den Komplettausbau ein, den die Anlieger auch mitbezahlen müssen.
Die Alte Landstraße wird mit einer billigen Frässanierung nicht zu retten sein. Die Stadt richtet sich auf den Komplettausbau ein, den die Anlieger auch mitbezahlen müssen.
Foto: WP

Hilchenbach..  Sie sieht wie neu aus, die Alte Landstraße. „Das dürfte mindestens 15 Jahre so bleiben“, schätzt Michael Schwenke. Der Leiter des Tiefbaus in der Hilchenbacher Verwaltung hat den Bauausschuss hierhin gebeten, auf jene 3500 Quadratmeter, auf denen der Asphaltbelag abgefräst und erneuert worden ist. Unterwegs haben die Politiker allerdings anderes gesehen: erst die Heinsberger Straße, die einem Flickenteppich gleicht, und dann den vorderen Teil der Alten Landstraße, wo das Wasser in den Schlaglöchern steht.

Alte Landstraße: Noch kein Plan

Dass es dort mit der Frässanierung getan sein wird, glauben die Fachleute nicht. „Wir werden um einen Ausbau nicht herumkommen“, sagt Baudezernent Michael Kleber im Gespräch mit dieser Zeitung. Bei der Planung werden dann aber auch die Verkehrsbehörden mitreden, denn an einigen Stellen kommen noch nicht einmal zwei Pkw aneinander vorbei. „Auf keinen Fall breiter machen“, rät Hendrik Bald (UWG): Die Straße soll für den Schleichverkehr von der B 508 nicht attraktiv werden, und den erwartbaren Ärger mit dem Grunderwerb könnte sich die Stadt auch sparen. Alternativen bleiben die Anlage weitere Ausweichbuchten oder eine Einbahnregelung.

Völlig offen ist, wann die Stadt sich das vornimmt: Auf der Investitionsliste stehen vorher die Hörbachstraße, die Berliner Straße und die Siegener Straße. Merkposten ist auch noch die Dr.-Moning-Straße, die im Haushalt für die nächsten Jahre mit insgesamt einer Million Euro veranschlagt ist. „Wir schließen nicht aus, dass es andere Lösungen gibt“, sagt Baudezernent Kleber. Man könnte die besonders schadhafte Seite einfach absperren und mit einer Einbahnregelung umgehen.

Seit der Erneuerung der Hochstraße im Jahr 2013 , der die Anlieger auf die Palme gebracht hat, hat die Stadt Hilchenbach keine Stadtstraße mehr ausgebaut. Damals stritten sich Grundstückseigentümer und Stadt, ob sie wirklich den höchstmöglichen Kostenbeitrag von 50 Prozent für eine Anliegerstraße bezahlen sollten. Der Verwaltung ist dieser Höchstsatz längst zu niedrig: Im Haushalt ist eine Einnahme von 700 000 Euro für die Dr.-Moning-Straße kalkuliert. Das wäre ein Beitragssatz von 70 Prozent. Beschlüsse in dieser Richtung hat der Rat bisher vermieden.

Um so interessanter sind die Frässanierungen, die noch als Unterhaltungsarbeiten einzustufen sind, an deren Kosten Anlieger nicht beteiligt werden müssen. Manchmal täuschen allerdings die Ergebnisse der Untersuchungen des Straßenkörpers. Am Steimel musste die Stadt soeben 30 000 Euro mehr ausgeben — „statisches Versagen des Straßenkörpers“, lautet die Diagnose in der Vorlage für den Bauausschuss.

Heinsberger Straße fast gefährlich

Damit das in der Heinsberger Straße nicht auch passiert, soll die Fahrbahn ein zweites Mal untersucht werden, diesmal durch den TÜV mittels Georadar. Fest steht für Tiefbau-Chef Michael Schwenke, dass Flickarbeiten nicht mehr viel ausrichten können — und dass die Stadt einigermaßen schnell handeln muss. „Für gehbehinderte Menschen und Fußgänger mit Rollatoren ist das nicht zumutbar, für Fahrradfahrer fast schon gefährlich.“ Außer der Fahrbahn sei auch der Gehweg in „katastrophalem Zustand“, sagte Schwenke. „Das wird eine größere Aktion.“

Und wohl nicht die einzige. Elf Stadtstraßen konnten seit 2010 zumindest grundlegend ausgebessert werden, für sechs Straßen steht bis 2017 die Frässanierung an, sieben Straßen stehen auf der Liste für einen Ausbau, zu dem auch die Anlieger Beiträge bezahlen müssen. „Die Liste umfasst nur einen Bruchteil“, sagt Baudezernent Michael Kleber, „wir haben einiges mehr in der Beobachtung.“

Mit einer „Interaktiven Schlaglochkarte Südwestfalen“ werfen wir einen Blick auf den Zustand unserer Straßen. Dazu können Sie beitragen, indem Sie uns weitere Strecken melden, gern mit weiterer Beschreibung und einem Foto.