Im Löhrtorbad sollen nur noch Schulen und Vereine schwimmen

Das Löhrtorhallenbad in Siegen.
Das Löhrtorhallenbad in Siegen.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Das Löhrtor-Hallenbad könnte ein reines Sportbad für Schulen und Vereine werden. Das sieht ein Konzept vor, das aber kaum Sparpotenzial für das defizitäre Bad birgt.

Siegen..  Dieses Konzept geht aus einer Verwaltungsvorlage hervor, über die der Sport- und Bäderausschuss am Mittwoch, 27. Mai, zu entscheiden hat. In welchem Umfang – und ob überhaupt – dadurch Einsparungen möglich sind, ist aus der Vorlage allerdings nicht ersichtlich.

Worum geht es?

Das Löhrtorbad hat ein Defizit von rund 508 000 Euro im Jahr, der Sanierungsbedarf liegt bei geschätzt 1,6 Millionen Euro. Gegen eine Schließung regte sich allerdings Widerstand. Nach Gesprächen mit der Schwimmvereinigung Neptun Siegerland trägt die Verwaltung einen Vorschlag des Vereins vor. Dieser „wäre gegebenenfalls bereit, die Trägerschaft zu übernehmen“. Die Kosten für den Betrieb und die Sanierung könne der Verein aber nicht aufbringen.

Was würde sich im Badebetrieb ändern?

Die öffentliche Badezeit in Siegen würde von heute 193 Wochenstunden in den drei städtischen Bädern auf 150 Wochenstunden in Weidenau und Eiserfeld sinken. Das Löhrtorbad wäre montags bis freitags von 8 bis 22 Uhr geöffnet, jeweils sieben Stunden für die Schulen und sieben für Vereine. Samstags und sonntags wäre von 10 bis 18 Uhr für Vereine offen. Aus Eiserfeld und Weidenau würden Vereins- und Schulzeiten verlagert: Damit würden 51 von 68 Stunden Vereinssport am Löhrtor stattfinden (plus 27,5 Stunden), außerdem 35 von 67 Stunden Schulschwimmen (plus 18 Stunden).

Was ändert sich finanziell für die Stadt?

Nach momentaner Einschätzung: nicht viel. Vor allem nicht zum Positiven. Das Konzept soll zwar noch detailliert von einer Arbeitsgruppe unter Leitung der Verwaltung ausgearbeitet werden, der Vereinsvertreter und Mitglieder der Ratsfraktionen angehören. Während auf der Einnahmenseite Eintrittsgelder von mehr als 55 000 Euro pro Jahr entfallen, würden die Personalkosten „unter der Voraussetzung, dass keine betriebsbedingten Kündigungen ausgesprochen werden“, lediglich verschoben. Das Produktkonto „Hallenbad Löhrtor“ würde also entlastet, „nicht jedoch der allgemeine Haushalt“. Zu prüfen sei allerdings , ob Mehreinnahmen in den beiden anderen Bädern möglich wären.

Kommentar – Kein Steuergeld versenken

Niemand schließt gerne Schulen, keiner macht gern Bäder dicht. Mitunter sind diese Schnitte aber notwendig. Leider. In Siegen zaudern Politiker dann gern.


Kein Einzelfall. In die Haardter-Berg-Hauptschule wurden 1,2 Millionen Euro gesteckt. Dann wurde sie geschlossen. Dass Anmeldungen an Hauptschulen dramatisch sinken würden, war keine Überraschung. Es fehlte der Mut, rechtzeitig Konsequenzen zu ziehen.


Zahlen liegen auch jetzt vor. Hohe Betriebskosten, horrende Sanierungskosten, geringe Einnahmen. Drei Hallenbäder. Das Löhrtorbad kommt am schlechtesten weg. Es gibt kaum Spar-Potenzial. Auch wenn es ein Bad nur für Schulen und Vereine wird, in dem Aufsicht, Reinigung und Anderes ehrenamtlich geleistet werden. Wenn niemand entlassen werden soll, würde nur das Produktkonto „Hallenbad Löhrtor“ von Kosten entlastet, nicht der allgemeine Haushalt. Heißt: Das Löhrtorbad würde künstlich billig gerechnet. Ohne Eintrittzahler fallen aber Einnahmen weg. Die Kosten für Energie blieben unverändert. Saniert werden müsste das Bad dennoch. Unterm Strich ein Minusgeschäft.


Nüchtern betrachtet ist das Bad nicht zu retten. Hoffentlich haben Bürgermeister und Politiker diesmal den Mut, das zu sagen – bevor die erste Sanierung 270 000 Euro im Wasser versenkt. Das wäre unverantwortlich. Es ist Steuergeld. (Boris Schopper)

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