IHK kritisiert Bürokratie bei Mindestlohn

Der flächendeckende Mindestlohn von 8,50 Euro in der Stunde gilt seit Anfang des Jahres: Mehr als 51 Prozent der regionalen Betriebe beklagen laut IHK bürokratischen Mehraufwand.
Der flächendeckende Mindestlohn von 8,50 Euro in der Stunde gilt seit Anfang des Jahres: Mehr als 51 Prozent der regionalen Betriebe beklagen laut IHK bürokratischen Mehraufwand.
Foto: Volker Hartmann
Was wir bereits wissen
Unternehmer in Siegen-Wittgenstein und Olpe klagen über geringe Flexibilität bei Minijobbern und weniger Praktika. Das ergab eine IHK-Umfrage unter 300 Betrieben.

Siegen-Wittgenstein/Olpe..  Mehr als die Hälfte der regionalen Betriebe, 51 Prozent, beklagen bürokratischen Mehraufwand nach der Einführung des Mindestlohns. Rund ein Drittel der Unternehmen streicht zudem die angebotenen Praktikantenstellen zusammen. Ein gutes Fünftel berichtet über einen Anstieg der Personalkosten. Das sind die wichtigsten Ergebnisse einer Umfrage der Industrie- und Handelskammer Siegen (IHK). Rund 300 Unternehmen aus Industrie, Handel und Dienstleistungen in Siegen-Wittgenstein und Olpe beteiligten sich daran.

„Mindestlohn ohne Nebenwirkungen gibt es eben nicht“, kritisiert IHK-Hauptgeschäftsführer Klaus Gräbener. Mehr als ein Fünftel der Betriebe würde geringere Flexibilität bei den Geringbeschäftigten, den Minijobbern als negative Folgen nennen. Acht Prozent machten Preiserhöhungen wegen des Mindestlohns geltend. Jedes achte Unternehmen beschäftigt laut IHK-Erhebung weniger Minijobber. Davon wiederum ersetzte lediglich jede fünfte befragte Firma die weggefallenen Stellen durch reguläre Kräfte in Voll- oder Teilzeit. Die Kammer zitiert dazu die „Minijob-Zentrale“ der Deutschen Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See: Die Zahl der Minijobber im ersten Quartal 2015 in Siegen-Wittgenstein und Olpe ging um rund 1600 Stellen, 3,7 Prozent, gegenüber dem Vorjahreszeitraum zurück.

Studenten im Nachteil

Viele Firmen ärgern die umfangreichen Dokumentationspflichten im Zuge des Mindestlohns, so die Kammer weiter. Sie verursachten Aufwand, würden betriebliche Abläufe stören und erforderten zusätzliche Personalressourcen. Das steht aus Sicht der meisten Unternehmen insbesondere im Hinblick auf geringfügig Beschäftigte in keinem vernünftigen Verhältnis, zumal die Verdienst­grenze für die Aufzeichnungspflichten mit monatlich 2958 Euro zu hoch bemessen ist, wie die IHK bemängelt. „Wer 8,50 Euro die Stunde verdient, liegt in seinem Monatsverdienst deutlich darunter. Wie diese Grenze zustande gekommen ist, bleibt wohl das Geheimnis der Bundesregierung“, sagt Hauptgeschäftsführer Klaus Gräbener.

Zudem hätten etliche Minijobber nun weniger Geld in der Tasche, „da sie durch die Aufstockung mehr Abgaben zahlen“ müssten und ihnen daher netto weniger Gehalt bleibe als vorher, schreibt die IHK. Die Neuregelung sei sicher gut gemeint, aber aus Sicht der meisten Unternehmen eben nicht gut gemacht, heißt es weiter.

„Dass in einigen Fällen seit Januar 2015 auch für Praktikantinnen und Praktikanten Mindestlohn gezahlt werden muss, wirkt sich in der Region ganz offenbar negativ auf das Angebot an Praktikumsplätzen aus“, sagt IHK-Referatsleiter Stephan Jäger: „Die jungen Menschen, denen dadurch die Möglichkeit auf Praxiserfahrung und bessere Berufschancen genommen wird, können sich also über den Mindestlohn auch nicht freuen.“ Insbesondere Betriebe aus der Dienstleistungsbranche meldeten einen Rückgang der Praktika. Die Kammer meint, das würden auch Studenten zu spüren bekommen, „die bisher vorwiegend über Praktika den Einstieg ins Beschäftigungssystem bewerkstelligt“ hätten.

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