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Soziale Gerechtigkeit

IG-Metaller rechnet mit neoliberalem Zeitgeist ab

26.09.2012 | 16:59 Uhr
IG-Metaller rechnet mit neoliberalem Zeitgeist ab
Detlef Wetzel aus Siegen ist zweiter Vorsitzender der Gewerkschaft IG Metall und gilt als potenzieller NachfolgerFoto: Timo Baudzus

Siegen.  In seinem Buch „Mehr Gerechtigkeit wagen“ kritisiert Gewerkschaftsboss Detlef Wetzel die Agenda-Politik der Regierung Schröder. Der Zeitgeist steht vor einem fundamentalen Wandel, ist sich Wetzel sicher.

Der zweite Vorsitzende der IG Metall, Detlef Wetzel, hat am Dienstagabend im Siegener Lyz Auszüge aus seinem neuen Buch gelesen. In „Mehr Gerechtigkeit wagen“ erläutert der Gewerkschaftsfunktionär anhand seiner eigenen Erwerbsbiografie und seinem Wirken in der IG Metall, wie sich aus seiner Sicht die Arbeitswelt verändert hat. Wetzel übt scharfe Kritik an der Agenda-Politik der rot-grünen Regierung unter Bundeskanzler Gerhard Schröder und rechnet mit dem neoliberalen Zeitgeist ab. Für Wetzel steht fest: „Das Pendel der Geschichte schwingt zurück.“

In Zeiten von Globalisierung und grundlegenden gesellschaftlichen Veränderungen durch neue Technologien wie dem Internet hätten Wirtschaft und Politik in den vergangenen Jahren den Fehler begangen, die soziale Gerechtigkeit aus den Augen zu verlieren. Die weltweite Finanz - sowie die Staatsschuldenkrise in Europa seien der Beweis, dass sich neoliberale Konzepte letztlich als schädlich für die Gesamtgesellschaft erwiesen hätten. Wetzel sieht einen gesellschaftlichen Trend zur Rückbesinnung auf Werte wie Fairness, Gerechtigkeit und Zusammenhalt.

Dem Siegerland verbunden

Die Grundfrage, der sich Wetzel in seinem Buch nähert, lautet: Wie kann eine gerechte Gesellschaft gestaltet werden? Gerechtigkeit definiert Wetzel als Gefühl, dass die Umstände in Ordnung und angemessen seien. Für viele Arbeitnehmer, die zwar vollwertige Arbeit leisten und dennoch nur geringfügig verdienen, seien diese Umstände nicht mehr in Ordnung. Wetzel plädiert dafür, dass jeder, der arbeiten geht, auch mit eben jener Arbeit sich und seine Familie ernähren können müsse.

Nach der Veranstaltung stellte sich der Gewerkschafter den Fragen seines Publikums. Wetzel verdeutlichte, dass er sich dem Siegerland immer noch sehr verbunden fühle – auch wenn er durch seine Position innerhalb der IG-Metall den Großteil seiner Zeit in Frankfurt und Düsseldorf verbringt. Im voll besetzten Kleinen Theater des Lyz waren offenbar einige ehemalige Mitstreiter und Weggefährten aus Wetzels Zeit als Gewerkschaftssekretär und Bevollmächtigter der IG Metall in Siegen zugegen. Hier wirkte Wetzel von 1980 bis 2004, bis er zum Leiter des IG Metall-Bezirks Nordrhein-Westfalen aufstieg.

Nach schwieriger Phase erholt

Im Gespräch mit unserer Zeitung sagte Wetzel, er sehe es als elementare Aufgabe der Gewerkschaften an, sich dem Thema Work-Life-Balance zu widmen. Ein verstaubtes Image der IG Metall könne er nicht ausmachen , im Gegenteil: „Wir haben uns nach einer zugegeben etwas orientierungslosen Phase erholt und modernisiert“, sagte Wetzel.

Diesen Prozess beschreibt Wetzel auch in seinem Buch. Dazu passend seine Forderung: „Wir brauchen mehr Kulturoptimismus statt Schwarzmalerei.“ Auch in Siegen!

Timo Baudzus

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Kommentare
27.09.2012
12:46
IG-Metaller rechnet mit neoliberalem Zeitgeist ab
von meinemeinungdazu | #1

Die Frage ist nur: Wo waren die Gewerkschaften als die Schröderregierung den unsäglichen Sozialmurks einführte? Und was tut die Gewerkschaft, um den Irrsinn rückgängig zu machen? Ganze kommende Rentnergenerationen landen in der Verarmung.

1 Antwort
IG-Metaller rechnet mit neoliberalem Zeitgeist ab
von Fritzn2 | #1-1

@meinemeinungdazu:
- Glauben Sie, dass die Gewerkschaft ein Veto-Recht hatte oder hat?
- Die Gewerkschaften sprechen sich seit geraumer Zeit gegen diese unsägliche neoliberale Politik aus (welche sie anfangs wie fast alle auch bejubelten) . Leider sind die Gewerkschaften nicht mehr die mächtigen Sprachrohre der Arbeiter, die sie mal waren. Das ginge nämlich nur, wenn sehr viele Arbeiter auch Mitglied wären. Tatsächlich sind viele nicht Mitglied, da sie Geld sparen wollen. Man brauchte sie ja lange anscheinend nicht. Und meckern nun, dass die Gewerkschaften wenig erreichen...
"Ganze kommende Rentnergenerationen landen in der Verarmung." - Statt über die Gewerkschaften zu jammern, sollte man die wahren Schuldigen daran sehen. Union + FDP, die absolut schamlos Unternehmerinteressen vertreten.

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