IG Metall zeigt sich kämpferisch

Geisweid..  Kurz vor 13 Uhr staut es sich an der Ecke Sohlbacher Straße/ Patmosweg. Mit Transparenten und Trillerpfeifen ziehen ein paar Leute den Weg zum Haus Patmos hoch. Vorbei an Parkanweisern, über die Wiese, bis in den Hof zwischen Restaurant und der Patmos-Halle, in der gegen 14 Uhr die Tarifverhandlungen der nordrhein-westfälischen Metall- und Elektroindustriellen beginnen werden. Schon vom Parkplatz aus sind Gitarre und Gesang zu hören. „You can count on me like one, two, three.“ Du kannst auf mich zählen. So heißt es in dem Bruno-Mars-Hit „Count on me“, den Musiker Heiko Fänger für die schon auf dem Hof versammelten Menschen spielt. Er steht auf der Ladefläche eines kleinen Lasters, der mit Transparenten behangen ist. „Wir für mehr“ und „Wir sind Charlie“ steht dort. Neben den Verhandlungen sind die Anschläge von Paris ein Thema. Dafür stehen Arbeitgeber und Arbeitnehmer sogar kurz zusammen, für Toleranz und gegen Rassismus. Der Rest dreht sich um Lohnsteigerungen und Teilzeitmodelle. Da stehen sie sich wohl vielmehr gegenüber als zusammen.

Der Himmel ist grau und der Wind zieht kalt durchs Gesicht. Gegenüber der Bühne gibt es etwas warme Suppe und Brot. Daneben liegen rote Schals, Spruchbänder und Schilder der IG Metall auf einem Stand. Ein Windstoß. Immer wieder werden die Transparente runter geweht. Gegen 13.30 Uhr heizt sich die Stimmung auf. Hunderte Gewerkschafter haben sich mittlerweile zusammengefunden.

Ein Schreiten Seit’ an Seit’’

Der Verhandlungsführer der Arbeitnehmer, Knut Giesler, ruft sie vor die Bühne. „Was wollen wir trinken?“, singen und grölen sie noch mit Heiko Fänger. „Ich spiele öfter für die IG Metall“, sagt der Musiker. Nun ist der Hof voll von Transparenten und Schals mit „Wir für mehr“-Aufdruck. Die führenden Gewerkschaftsvertreter marschieren auf die Bühne und beginnen mit ihrer Kundgebung. Kämpferisch. Immer wieder werden sie von Trillerpfeifen und lautstarkem Applaus unterbrochen.

Ein Stück weiter den Hügel hoch vor der Patmos-Halle schauen die Arbeitgeber auf das Treiben herab. Unbeeindruckt, fast lässig. Ein Feuerzeug, eine Zigarette. Weißer Rauch im Geisweider Mittagshimmel. Die Kippen werden ausgedrückt. Die Männer drehen sich um und verschwinden in der Halle. Kurz vor 14 Uhr machen sich auch die Gewerkschafter auf den Weg zur Verhandlung. Vor der Treppe hoch zur Halle haben sie eine Tür aufgebaut, die mit buntem Klebeband an den seitlichen Geländern befestigt ist. Auf ihr steht in bunten Lettern „Bildung für alle“.

Durch sie hindurch setzt sich der Zug in Bewegung. Oben nimmt Arndt Kirchhoff, Verhandlungsführer der Arbeitgeber, ihn in Empfang. Seit’ an Seit’ schreiten sie in die Halle. So viel Einigkeit werden die Parteien wohl von nun an nicht mehr demonstrieren. Durch die verschlossenen Türen dringt leiser Applaus zum Verhandlungsauftakt. Draußen ist es nun still. Heiko Fänger baut seine Boxen ab. Statt Trillerpfeifen pfeift jetzt nur noch der Wind über den Hof.