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Stahlindustrie

IG Metall Siegen sieht bis zu 7500 Arbeitsplätze bedroht

26.01.2016 | 23:00 Uhr
IG Metall Siegen sieht bis zu 7500 Arbeitsplätze bedroht
Heiko Reese, Leiter des Düsseldorfer IG-Metall-Stahlbüros, beklagt „Wettbewerbsverzerrung“ in der Branche.Foto: Nils Balke

Kreuztal-Eichen.   Knapp 100 Beschäftigte von Stahlfirmen im Siegerland haben sich am Dienstag im Gasthof Eichener Hamer versammelt. Laut IG Metall steckt die Branche in der Krise.

Die IG Metall Siegen sieht bis zu 7500 Arbeitsplätze in der Region bedroht. Denn es gelte der Grundsatz, dass von jedem Job in der Stahlindustrie auch zwei Arbeitsplätze im Umfeld betroffen seien, warnt die Gewerkschaft. Als Gründe für einen drohenden Stellenabbau nennt sie den Handel mit Emissionsrechten in der EU und preiswerte Stahlimporte aus China. Um darüber zu informieren, veranstaltet die Gewerkschaft derzeit eine bundesweite Aktionswoche unter dem Motto „Stahl ist Zukunft“.

Versammlung klärt über Lage auf

Am Dienstag versammelten sich knapp 100 Beschäftigte von Stahlbetrieben im Siegerland zur Konferenz im Gasthof Eichener Hamer. Diese Krise betreffe nicht nur die Stahlindustrie, sagte Andree Jorgella, Geschäftsführer der Siegener IG Metall: „Wenn der Stahl fällt, haben wir Probleme in der gesamten Wirtschaft.“

Info-Flyer für Beschäftigte

Bei der Konferenz in Eichen waren Beschäftigte der Deutschen Edelstahlwerke Siegen-Geisweid, von ThyssenKrupp Europe Kreuztal und der BGH Edelstahl Siegen.

In der Aktionswoche „Stahl ist Zukunft“ werden Flyer der IG Metall mit den wichtigsten Informationen in den Betrieben verteilt.

Der Hintergrund: Die EU will den Ausstoß von CO2 bis 2030 um 40 Prozent im Vergleich zu 1990 senken. Wer die Umwelt verschmutzt, soll dafür zahlen. Diese Unternehmen müssen Emissionsrechte kaufen. Die EU-Kommission wolle nun für die vierte Handelsperiode von 2021 und 2030 das Angebot an CO2-Zertifikaten verknappen, womit deren Preis „um mehr als eine Milliarde pro Jahr allein in Deutschland“ steige, erklärte Heiko Reese, Leiter des Düsseldorfer IG-Metall-Stahlbüros. Diese Kosten könnten nicht an Stahlkunden weitergegeben werden, sie entsprächen den jährlichen Investitionen der Branche. „Es wäre der Anfang vom Ende.“

Sieben Millionen Tonnen Stahl aus China

Reese sprach von „Wettbewerbsverzerrung“. Es sei nicht akzeptabel, dass Stahlproduzenten in der EU Zertifikate erwerben müssten, Unternehmen in China hingegen keine Emissionsrechte benötigten. „Wir sind dem System der EU gefolgt, haben unsere Hausaufgaben gemacht und werden jetzt dafür bestraft.“ Deutschland stelle bereits den „saubersten Stahl der Welt“ her: „Nirgendwo ist die Produktion energieeffizienter.“

Laut IG Metall haben die EU-Länder im vergangenen Jahr sieben Millionen Tonnen Stahl aus China importiert. Ihre Produktion verursachte 13,9 Millionen Tonnen CO2 – 4,2 Mio. Tonnen mehr, als für dieselbe Menge Stahl bei einer Herstellung in der EU ausgestoßen worden wären.

Aktionstag im April

„Wir brauchen ein ausgewogenes Emissionshandelssystem, das Anreize zur CO₂-Senkung und keine existenzgefährdenden Kosten enthält“, forderte Reese. Für April plane die IG Metall einen dezentralen Aktionstag, um auf die Gefahren hinzuweisen. „Wir kämpfen“, betonte Reese, „um unsere Arbeitsplätze.“

Nils Balke

Kommentare
27.01.2016
20:04
IG Metall Siegen sieht bis zu 7500 Arbeitsplätze bedroht
von Meierdrei | #1

Der Co2-Emmissions-Handel ist nichts anderes als ein politisches Strategie-Konzept, mit dem die deutsche Industrie vorsätzlich quasi mit...
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http://www.derwesten.de/staedte/nachrichten-aus-siegen-kreuztal-netphen-hilchenbach-und-freudenberg/ig-metall-siegen-sieht-bis-zu-7500-arbeitsplaetze-bedroht-id11499352.html
2016-01-26 23:00
China, Stahl, IG Metall, Beschäftigte, Stahlindustrie
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