Das aktuelle Wetter Siegen 13°C
Serie

„Ich will den Superman lernen“

26.02.2016 | 17:22 Uhr
Jennifer Wirth (links) übt zusammen mit Sofie, Britta, Christina und Magdalena (v.l.) Figuren an der Stange.Foto: Jennifer Wirth

Geisweid.  Teil drei unserer Serie „Jumping Journalist“. Diesmal im Test: Pole Dance – elegant durch die Lüfte in Geisweid.

Acht Stangen, sieben Frauen, ein Mann. Wir stehen vor einer Spiegelwand, es läuft Musik. Trainerin Julia Kats trägt eine graue Hose und ein dunkelblaues Top. Sie steht barfuß vor uns, zeigt verschiedene Übungen. Kopf nach links, mittig, rechts. Hoch, tief. Schritt vor und zurück. Bevor wir mit Pole Dance im Studio Unique starten, dehnen wir sogar unsere Finger. Dann putzen wir die Stange und waschen die Hände. Wir rutschen dann nicht von der Edelstahlfläche ab – idealerweise...

Video
Wir testen Pole Dance in Siegen. Die Mischung aus Tanz und Akrobatik ist anstrengend aber spaßig.

Die Stimmung ist gut. Die Anfängergruppe versteht sich – Sofie, Britta, Magdalena, Christina und eine weitere Frau trainieren seit sechs Wochen zusammen. Antony Silva, der einzige Mann im Raum, noch länger. Während wir Mädels uns ganz sachte aufwärmen, klettert er die Stange hoch und nimmt faszinierende Haltungen ein. Er ist sehr muskulös, die komplexen Figuren scheinen ihm federleicht von der Hand zu gehen. Ich staune. Ob ich in 60 Minuten auch so elegant um das Sportgerät gleite?

Selbstbewusstsein stärken

Pole Dance ist eine Mischung aus Tanz und Akrobatik an der Stange. „Viele Menschen bringen es mit dem Rotlichtmilieu in Verbindung, aber Pole Dance ist viel mehr als das. Tanzen mit High Heels ist nur eine kleine Facette“, sagt Trainerin Julia Kats. Mit dem Stangentanz trainiert man den gesamten Körper. „Alle Muskeln werden beansprucht und die Körperform ändert sich nach etwa einem halben Jahr“, sagt Kats.

Hinten links: Jennifer Wirth schafft den „Sitz“. Foto: Jennifer Wirth

Anders als beim Gerätetraining im Fitnesscenter würde beim Pole Dance keine Langeweile eintreten und auch das Selbstbewusstsein gestärkt. Dass das wahr ist, sieht man an der 36-jährigen Christina. „Ich war sehr lange krank und bin nun endlich wieder fit. Ich habe die Pole Dancer im Fernsehen immer bewundert und mache das jetzt für mein Selbstbewusstsein.“ Sie strahlt. Das Training macht sie nicht nur körperlich stärker, sie fühlt sich wieder richtig fraulich.

Weiter geht es mit der Choreografie. Julia Kats geht die bereits gelernten Schritte durch. Die Mädels ziehen ihre langen Hosen aus – mit Hotpants stehen sie nun neben ihren Stangen. Der Hautkontakt macht es einfacher, sich zu halten. Das merke ich schnell, als die Trainerin den „Sitz“ ankündigt. Eine Figur bei der man an die Stange springt und sich so hält, als säße man auf einem Stuhl. Mit meiner engen Hose rutsche ich ab, muss viel Kraft aus den Armen verwenden, um mich zu halten. Nach wenigen Sekunden stehe ich wieder auf den Füßen. Puh...

Foto: Jennifer Wirth

Anfänger lernen zunächst das Laufen um die Stange. Anmutig, elegant, auf Spitze soll es sein. Die richtige Fingerhaltung, Griffe und einfache Drehungen folgen. „Deshalb muss man keine Angst haben anzufangen – Figuren über Kopf machen wir erst nach sechs Monaten“, so die Trainerin. Zwölf Kurse bietet die Inhaberin und Trainerin des Unique Studios an. Je nach Erfahrung tanzen dort Anfänger, Fortgeschrittene oder Beinahe-Profis zusammen. Es gibt Choreografie- und Technik-Kurse. In den Technik-Kursen geht es um das Erlernen von Figuren und die Kräftigung der Muskeln.

Wie ein nasser Sack

„Wenn man schon einmal getanzt oder einen Fitnesskurs gemacht hat, ist es einfacher mitzukommen. Generell kann es aber jeder lernen“, sagt die Trainerin zu mir. Und sie hat recht. Einige Schritte kommen mir aus früheren Tanzstunden bekannt vor. Doch dann stoppe ich. „Drei schnelle Schritte und dann Dreeeehung“, ruft Kats. Wie ein nasser Sack rutsche ich nach einigen Zentimetern zu Boden, während die anderen Frauen federleicht zweimal um die Stange gleiten. Ein klarer Fall von „zu früh gefreut“.

Julia Kats erklärt mir, dass meine Handhaltung nicht richtig war. Beim nächsten Versuch klappt es zwar besser, aber ich merke wie sehr das Training die Arme beansprucht. Kraft ist von Vorteil – meine Gummiärmchen ausbaufähig. Meine Handflächen sind rot. „Männer können es oft besser, weil sie mehr Kraft haben“, sagt Julia Kats. Nach einigen neuen Figuren und mehreren Durchgängen zu Musik dehnen wir uns.

Mein Fazit

Ich schwitze zwar nicht, aber das Training hat es in sich. Nicht umsonst nennt Julia Kats es eher Akrobatik als Fitness. Mit Pole Dance arbeitet man an seiner Haltung und Kraft. Das Speichern der Choreografie beansprucht gleichzeitig den Kopf. Ich denke, der Spaßfaktor steigt sobald man die ersten Figuren verinnerlicht hat und zu Musik ein Stück tanzen kann. Dieses Training ist etwas für Menschen, die sich Ziele setzen und fleißig üben. „Ich will mal den Superman lernen“, sagt Christina mir mit großen Augen zu Abschluss.

Ich denke, Sie wird es bald schaffen.

Jennifer Wirth

Kommentare
Funktionen
Fotos und Videos
MINT-Mitmachtage in Siegen
Bildgalerie
Naturwissenschaft
Flashmob zum Weltalzheimertag
Bildgalerie
Aktion
article
11602442
„Ich will den Superman lernen“
„Ich will den Superman lernen“
$description$
http://www.derwesten.de/staedte/nachrichten-aus-siegen-kreuztal-netphen-hilchenbach-und-freudenberg/ich-will-den-superman-lernen-id11602442.html
2016-02-26 17:22
Nachrichten aus Siegen, Kreuztal, Netphen, Hilchenbach und Freudenberg