Hunderte von Anträgen auf Kyrill-Hilfe
03.04.2008 | 09:45 Uhr 2008-04-03T09:45:00+0200
Dortmund. 28 Prozent der vom Land Nordrhein-Westfalen ausgezahlten Fördermittel für die Bewältigung der Folgen von „Kyrill” sind 2007 nach Siegen-Wittgenstein geflossen.
- 200 auswärtige Waldarbeiter, 75 Spezialschlepper, zwei Seilkräne, 35 Harvester und 36 Forwarder waren bei der Aufarbeitung der Sturmholzes eingesetzt. Im Forstamt wurden zwölf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zusätzlich eingestellt. Vier ehemalige Revierförster ließen sich aus dem Ruhestand heraus „reaktivieren”.
Das berichtete jetzt Klaus Münker, Fachgebietsleiter des Forstamts Siegen-Wittgenstein, in einem Pressegespräch. 210 Anträge wurden bearbeitet, 1,7 Millionen € ausgezahlt. „Am Ende des Jahres ist uns der Schotter ausgegangen”, sagte Münker - keineswegs umgangssprachlich: Der Steinbruch bei Raumland kam bei der riesigen Nachfrage für den Wegebau gar nicht mehr nach. Für dieses Jahr sind Anträge über 4,3 Millionen € gestellt, die außer für die Wegereparatur auch für den Forstschutz, zum Beispiel die Vorbeugung gegen Käferbefall, und die Wiederbewaldung verwendet werden. Waldbesitzer müssen jedoch auch eine eigene Kostenbeteiligung finanzieren: Für den Wegebau beträgt der Landeszuschuss zum Beispiel 70 Prozent. Während die Landesmittel noch bis 2010 zur Verfügung stehen, müssen die Mittel aus dem EU-Solidaritätsfonds bis 30. September 2008 verwendet worden sein. Acht Millionen € stehen insgesamt für den Kreis zur Verfügung. Damit werden Kreisstraßen repariert und Aufräumarbeiten im Wald bezuschusst; so können für jeden Festmeter Windwurfholz drei Euro Mehraufwand in Rechnung gestellt werden - allein das, so rechnete Münker vor, könnte drei Millionen € binden. Denn Klaus Münker rechnet damit, dass es bei den acht Millionen nicht bleibt: Da viele Vorhaben in anderen Regionen nicht rechtzeitig abgerechnet werden können, dürfte es einen Nachschlag aus zurückfließenden Mitteln geben. Dabei steht es den Städten und Gemeinden frei, wie weit sie auch private Waldbesitzer berücksichtigen, wenn diese Arbeiten in öffentlichem Interesse ausführen lassen. Immerhin hat eine Million € hat schließlich der Forst selbst, finanziert aus den Erträgen des Staatswaldes, zugeschossen: Im Rahmen der Waldbrandabwehr wurde das Geld verwendet, um Holzabfuhrwege jeweils schnell wieder herzurichten, um die Reviere für die Feuerwehr erreichbar zu halten. Schließlich, so erinnert der zuständige Fachgebietsleiter Wolfgang Braukman, „wurde es voriges Jahr im April sehr trocken.” 1,5 Millionen Festmeter Holz waren nach dem Orkan aufzuarbeiten. Derzeit lagern noch rund 100 000 Festmeter im Wald und 200 000 Festmeter in den sieben Nasslagern Altenteich, Saßmannshausen, Schüllar, Dotzlar, Ferndorf, Wahlbach und Burgholinghausen. Ein Teil des Holzes wird von Privatwaldbesitzern selbst vermarktet, 646 000 Festmeter sind bereits über das Forstamt verkauft worden. Bis nach China, Indien und Korea gingen die Holztransporte. „Die Nasslager haben uns sehr geholfen”, sagte Forstamts-Fachgebietsleiter Manfred Gertz, der auch auf die Transportleistung verwies: „Die Bahn war der Bringer.” Bis zu sieben Ganzzüge wurden wöchentlich in Spitzenzeiten auf die Reise geschickt - von Kreuztal 1500 Waggons, von Siegen-Eintracht 3000, was allein rund 10 000 Lkw-Fuhren entsprach. Gertz verwies auf die erzielten Verkaufspreise: „Die Waldbesitzer sind nicht ins Bodenlose gefallen.” Wobei das nun lange vor der Zeit geerntete Holz für die Zukunft als Einnahmequelle wegfällt, wie Forstamtsleiter Diethard Altrogge klar machte: Die „eiserne Sparkasse”, aus der Investitionen bezahlt werden konnten, ist nun leer. Ausgezahlt habe sich die kooperative Holzvermarktung („Alles in einen Pott”), der sich nur eine Forstbetriebsgemeinschaft entzogen habe. Mit zweieinhalb Jahren für die Schadensbeseitigung habe das orkanerfahrene Forstamt gerechnet („Bei Wiebke hatten wir noch nicht mal Handsy”), erinnert Altrogge. Nun wird das Buch Kyrill schon nach einem Jahr geschlossen. Jetzt ist Geduld gefragt: Vor dem Wiederansäen von Wald, rät Diethard Altrogge, mögen die Waldbesitzer der Natur Zeit geben, sich selbst zu heilen. Wenigstens zwei Jahre.
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