Hundehalter wegen bissiger Hunde verurteilt

Foto: Mike Röser
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Was wir bereits wissen
Weil seine Hunde ausbüchsten und auf ihren Streifzügen Menschen verletzten, wurde der Hundehalter jetzt in Siegen wegen fahrlässiger Körperverletzung in zwei Fällen zu einer Geldstrafe von 1350 Euro verurteilt. Verantwortlich aber fühlte er sich nicht.

Siegen.. Seine Hunde liebten die Freiheit mehr als das eingerichtete Hundezimmer und büchsten aus. Weil sie auf ihren Streifzügen Menschen verletzten, saß Georg Peter V. (61, Name d. Red. bekannt) jetzt auf der Anklagebank des Amtsgerichts. Er gestand, seine Aufsichtspflicht verletzt zu haben und wurde wegen fahrlässiger Körperverletzung in zwei Fällen zu einer Geldstrafe von 1350 Euro verurteilt. Verantwortlich aber fühlte er sich nicht.

„Es ist das Gesetz“, antwortete er auf die Frage, ob er das Urteil als gerecht empfinde. „Aber ich fühle mich nicht schuldig. Ich habe mir nicht vorstellen können, dass so etwas passiert.“ „So etwas“ – das sind die Bissverletzungen, die sein Hund „Rex“ während seiner Streifzüge im vergangenen Oktober einem Mann und nur einen Tag später einer 79-jährigen Frau zufügte. „Es ist ein Rätsel“, sagte der Angeklagte. „Wie konnte an zwei Tagen passieren, was vorher zwei Jahre lang nicht passierte?“

Auch hohe Zäune hielten die Hunde nicht aus

Weil seine Hunde – Rex war stets in Begleitung von „Blacky“ – schon mehrfach ausgerissen waren, hatte er die Zäune um sein Grundstück erhöht und seinen Hunden ein Zimmer im Carport eingerichtet.

„Der Angeklagte hatte Vorkehrungen getroffen“, sagte die Staatsanwältin. Rex aber „ist ein besonderer Hund“, erklärte V. „Sehr begabt.“

So sehr, dass er jede Unaufmerksamkeit seines Herrchens ausnutzte, um aus dem eingezäunten Areal zu entkommen. Erst öffnete er die Tür des Carports, indem er an die Klinke sprang, dann stellten die beiden Hunde einen Mann, der mit seinem Handschuh zuschlug. Rex biss ihm eine vier mal vier Zentimeter große Wunde in den Oberschenkel. „Er hat sich verteidigen wollen und zugebissen“, sagte der Angeklagte.

Ein Mann wurde ins Bein und ins Gesäß gebissen

Beim zweiten Mal zwängten sich die Streuner durch ein nur mit Draht verschlossenes Gartentor. An einem Supermarkt wollte sie ein Mitarbeiter vertreiben. Einer verängstigten 79-Jährigen aber biss Rex erst ins Bein und nochmals ins Gesäß. „Es war da vielleicht ein bisschen eng für Mensch und Tier“, vermutete V.

„Das ist unglücklich passiert, katastrophal. Es tut mir leid“, erklärte er. Die Hunde, die zuvor nie aggressive gewesen sein sollen, leben seit dem Vorfall im Siegener Tierheim.

V. sei seiner Verantwortung als Hundehalter nicht nachgekommen, sagte die Staatsanwältin. Weil Carport-Tür und Gartentor nicht ordentlich verschlossen waren, sei das Ausreißen der Hunde nur durch erhebliche Unterlassungen möglich gewesen, erklärte der Richter in seiner Urteilsbegründung. Weil nicht vorauszusetzen sei, dass sich Menschen Hunden gegenüber richtig verhalten, müsse von einer „Grundgefahr“ durch die Vierbeiner ausgegangen werden.