Hubert von Goisern – einfach unbeschreiblich

„Servus Siegen!“, sagt Hubert von Goisern zur Begrüßung. Dann fängt die Party an. Es ist der Abend eines vielseitigen, weisen, lebenserfahrenen Mannes – und eines fantastischen Musikers.
„Servus Siegen!“, sagt Hubert von Goisern zur Begrüßung. Dann fängt die Party an. Es ist der Abend eines vielseitigen, weisen, lebenserfahrenen Mannes – und eines fantastischen Musikers.
Foto: WP
Ein Österreicher bringt den Giller bei Kultur Pur zum Beben. Trompete, Gitarre, Klarinette, Bluesharp, steirische Harmonika und philippinische Nasenflöte – von Goisern, das Multitalent

Hilchenbach.. Ist er ein Rocker, der jodelt oder ein Jodler, der rockt? Ein Weltmusiker aus Österreich oder ein bodenständiger Oberösterreicher, der die ganze Welt bereist und die Menschen und ihre Musik in sich aufgesogen hat? Dieser Hubert Achleitner aus Goisern, der vor Jahren seinen Heimatort in seinen Künstlernamen einverleibte.

Er füllt Wirtshaus und Stadion

Hubert von Goisern ist alles: Er spielt Trompete, Gitarre, Klarinette, Bluesharp ebenso gut wie die steirische Harmonika und die philippinische Nasenflöte. Er ist Filmemacher, Filmschauspieler („Schlafes Bruder“) und Modeschöpfer. Er singt bei Wirtshaustourneen vor sehr kleinem Publikum und in einem Stadion vor 90 000 Zuhörern. Und am Mittwochabend bei KulturPur 25, seit 2003 schon zum dritten Mal.

Erste „Hubert“-Rufe aus dem vollen Zelt ertönen. Der Meister kommt. Er startet mit einem Reggae in seiner Mundart und jodelt. Kaum jemand versteht den Text, völlig egal. „Servus Siegen!“: Die Party fängt an. Die folgenden gut zweieinviertel Stunden sind so typisch Goisern wie der Schnee auf den Bergen seiner Heimat. Nach Heimat klingt auch seine Musik. Doch nicht weich gespült in der Machart „Musikantenstadl“, sondern frisch, rockig, nach eigener Art. Er wechselt Rhythmen, Stile und Sprache manchmal mitten im Stück. Seine Fans kennen das und lieben ihn dafür.

Hubert von Goisern reist viel, zuletzt in die USA. Seine Erfahrungen ernüchternd: Unfassbarer Reichtum, bittere Armut, Republikaner. Viele Amerikaner halten Europa für Disneyland. „Ich dachte, die Deppen sind gleichmäßig über den Erdball verteilt. Bis ich in die USA gekommen bin.“ Doch er hat Musik mitgebracht, vor allem den Blues. Die folgende Session sucht selbst bei Jazzern ihresgleichen. Auch hier sprengt von Goisern alle musikalischen Ketten. Die Pop-Schnulze „Corinna, Corinna“ spielt er in einem langsamen 4/4-Takt, ebenso den alten Spiritual „Amazing Grace“ (Goisern: Eine Protestantenhymne). Hinreißend rhythmisch-swingend „Oh Susanna“ als Shuffle. Da hätte selbst der Bär am Kölner Tor mitgetanzt.

Der musikalische Kreis schließt sich, die Alpinkatzen-Zeit lebt auf: Hits zum Mitsingen, Mitklatschen. Vieles erinnert an das Dorf Goisern, wo der kleine Bub Hubert mit fünf Jahren in der Dorfkapelle Trompete spielen durfte. Und aus Oberösterreich kommen auch drei seiner genialen Mitmusiker. Den Vierten hat er aus New Jersey mitgebracht.

Es ist der Abend eines einzigartig vielseitigen, weisen, lebenserfahrenen Mannes. „Das Leben ist das Annehmen der Talente, die man mitbekommen hat“, sagte er vor wenigen Tagen in einem Radiointerview. Der 62-jährige lässt das Konzert mit ruhigen Balladen ausklingen. Eine Liebeserklärung an die Musik, seine Heimat und sein Publikum. Und alle wollen zum Schluss genau das hören, was Hubert von Goisern dann mit ihnen zusammen singt: „Weit weit weg“. Danach geht nichts mehr, denkt man. Weit getäuscht: Mit seinem meterlangen Alphorn lässt er die österreichischen Berge und ihr besonderes Echo ganz nah an den Giller heranrücken.

Das Zelt bebt.

Folgen Sie uns auch auf Facebook .