Hubert Machinek ist Herr über 2000 Glocken

1959 packte Hubert Machinek die Glockenleidenschaft: In einer Zeitschrift las er von einem anderen Sammler. Mittlerweile hat er mehr als 2000 Glocken im Eiserfelder Glocken-Museum zusammengetragen. Termine gibt es nach Absprache.
1959 packte Hubert Machinek die Glockenleidenschaft: In einer Zeitschrift las er von einem anderen Sammler. Mittlerweile hat er mehr als 2000 Glocken im Eiserfelder Glocken-Museum zusammengetragen. Termine gibt es nach Absprache.
Foto: Jens Plaum
Geht es um Bronze – insbesondere klingende – ist Hubert Machinek Fachmann. Der 80-jährige Pensionär ist Gründer, Eigner und Kurator des Glocken-Museums in Eiserfeld.

Eiserfeld..  Geht es um Bronze – insbesondere klingende – ist Hubert Machinek das, was gemeinhin als Fachmann gilt. Der 80-jährige Pensionär ist Gründer, Eigner und Kurator des Glocken-Museums in Eiserfeld. Rund 2000 Glocken hat er in über 50 Jahren zusammengetragen – aus vielen Ländern, aus vielen Epochen.

Die erste in der Sammlung

Als Hubert Machinek Glocke Nummer eins sichert, ist von einer Sammlung oder gar einem Museum noch keine Rede. Es geht einzig ums Überleben. Er wird mit seiner Familie aus Schlesien vertrieben. „Innerhalb von zwei Stunden mussten wir packen“, sagt er. Und dann ging es los. „Ich schnappte mir das kleine Glöckchen von meinem Schlitten und steckte es in die Tasche.“ Hubert Machinek schaffte es in seine neue Heimat und mit ihm die kleine Glocke: Ausstellungsstück Nummer eins.

Die Leidenschaft erwacht

1959: Fidel Castro und Che Guevara vertreiben den kubanischen Diktator Fulgencio Batista aus Havanna. Heinrich Lübke wird neuer Bundespräsident und Eintracht Frankfurt sichert sich die Fußballmeisterschaft. Hubert Machinek blättert in der Zeitschrift „Heim und Werk“. Dort ist die Rede von einem Komponisten, der etwa 400 Glocken gesammelt hat. „Das mach ich auch“, sagt Hubert Machinek. „400“, sagt seine Frau, „400 kriegst du nie zusammen.“

Das Wissen wird größer

Stahl oder Bronze, das ist die Frage. Das eine ist billiger, das andere klingt schöner. „Stahl kriegt den Klang von Bronze nicht hin“, sagt Hubert Machinek. Insbesondere der Hall macht die Legierung aus Kupfer und Zinn zu etwas Besonderem. Dennoch war Stahl für einige Jahre Werkstoff Nummer eins im Glockenbau. Insbesondere zu Kriegszeiten: Die Glocken aus Bronze wurden requiriert. „Daraus wurden Kanonen gegossen.“ Im Frieden setzt man wieder auf Bronze. In den alten Tagen – Armbanduhren gab es noch nicht und Taschenuhren waren für den durchschnittlichen Menschen unerschwinglicher Luxus – war der Glockenschlag das zuverlässige Mittel, um festzustellen, wie spät es ist. „Schlug die Glocke zum Gebet“, erläutert Hubert Machinek, „ließen die Bauern auf dem Feld alles fallen“.

Exponate aus aller Welt

Glocke ist nicht gleich Glocke. Im Museum finden sich Tier-Schlitzglocken aus Tansania, Herzrassel-Doppelglocken aus dem Kongo, Tischglöckchen aus Österreich, dampfbetriebene Lokomotiv-Glocken aus Deutschland, Tierglocken aus Horn aus Kenia oder Schellen aus Marokko. In Hubert Machineks Haus ist so gut wie alles, was scheppert, bimmelt, klingelt. Selbst Herzerwärmendes weiß der 80-Jährige zu berichten. Eine Besucherin wollte ihm das Glöckchen schenken, das am Halsband ihrer Katze hing. Das Tier ist tot. Andere Exponate stammen von Freunden oder Bekannten. Kurbekanntschaften etwa ließen Herbert Machinek in Bad Pyrmont zu seinem 60. Geburtstag eine Glocke anfertigen. Die Afrika-Abteilung stammt in weiten Teilen von einem befreundeten Wissenschaftler, der häufig zwischen dem Maghreb und Südafrika unterwegs war. Exotische Exponate wie eine chinesische Tempelglocke hat der Pensionär auch selbst ersteigert. „Das gute Stück hat mich 150 Mark gekostet.“

Besucher sind willkommen

Mehrere Gästebücher liegen aus. An der Wand kleben Postkarten, die Besucher geschickt oder mitgebracht haben. Eine Tour durch die geheimnisvolle Glockenwelt gibt es nur nach Vereinbarung. Eintritt ist nicht fällig. „Eine Spende wäre aber schön“, sagt Hubert Machinek. Und zeigt den ersten Gästebucheintrag. Er stammt von seinem Bruder. 1960. Der jüngste Eintrag ist vom 1. April 2015.

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