HTS-Fehlplanung – Betonpfeiler nach 30 Jahren abgerissen

Die Baustelle entlang der Sieg. Nach mehr als 30 Jahren sind die Betonpfeiler verschwunden.
Die Baustelle entlang der Sieg. Nach mehr als 30 Jahren sind die Betonpfeiler verschwunden.
Foto: Ilka Wiese
Was wir bereits wissen
Mehr als 30 Jahre standen die Betonpfeiler in und an der Sieg in Eiserfeld. Eine Brücke trugen sie nie. Nun wurden die Stelen für den Ausbau der HTS abgetragen.

Eiserfeld/Niederschelden.. Rund fünf Millionen D-Mark soll das Land damals in die Sieg gesetzt haben.

  • Warum wurde die Brücke eigentlich nie gebaut?

Seit Anfang der 80er Jahre standen die meterhohen Betonklötze an der Sieg. Das damalige Straßenneubauamt Siegen ließ die Pfeiler errichten, um den Verkehr der Hüttentalstraße über eine vierspurige Brücke, die sich an den Bühlrücken schmiegen sollte, in Richtung Niederschelden zu leiten. Anwohner gingen auf die Barrikaden und zogen vor Gericht. Die Justiz gab ihnen Recht, der Weiterbau der HTS wurde gestoppt. Die Pfeiler blieben.

  • Mehr als 30 Jahre standen die Pfeiler ungenutzt in der Gegend. Das klingt nach immenser Steuerverschwendung...

Rund fünf Millionen D-Mark soll das Projekt gekostet haben, bevor es gestoppt wurde. „Die genauen Kosten können wir nicht mehr nachvollziehen, da die betreffenden Akten verschimmelt sind“, erklärte Karl-Josef Fischer, Sprecher des Landesbetriebs Straßen NRW, in einem früheren Interview. Den Vorwurf der Steuerverschwendung wies er damals von seiner Behörde. „Hätten die Anwohner damals nicht geklagt, wäre die Brücke ja gebaut worden.“ Denn mit dem Planfeststellungsverfahren habe es seinerzeit ordnungsgemäß grünes Licht gegeben.

  • Wie wird die neue Brücke aussehen?

Im Sommer 2012 ließ der Landesbetrieb einen neuen Bauentwurf prüfen. Die Betonpfeiler sollten einer schlankeren Brückenkonstruktion weichen. Die damals in den 70ern geplante Brücke war vierspurig geplant. Das braucht aber heute keiner mehr, da sich der Verkehr vor dem neuen Bühltunnel teilen wird – entweder geht es über die Sieg oder durch den Tunnel nach Niederschelden.

  • Was ist aktuell zu sehen?

Im ersten Bauschritt wurden die alten Betonpfeiler abgetragen, die Fundamente blieben in der Sieg und im Erdreich. Lediglich ein kleiner Haufen mit Stahl- und Betonstücken erinnert am Ufer noch an die Pfeiler. Die alten Betonungetüme haben Platz gemacht für die neue Hubenfeldbrücke. Mit 550 Metern gehört sie zu den größeren Maßnahmen des HTS-Ausbaus im Siegener Süden. Laut Planungen soll sie mit zwölf Millionen Euro zu Buche schlagen. Sie verknüpft Eiserfeld mit dem neuen Teilstück der Stadtautobahn: vom ebenfalls neuen Kreisel an der Eisenhutstraße bis zur Bahnbrückenanbindung unweit der Rundturnhalle.

Zwei Spundwände stehen siegabwärts schon im Wasser, ein erster Pfeiler ist halb fertig. Bauarbeiter bohren tiefe Löcher für die nächsten Fundamente und sollen die Widerlager in der Nähe des Eiserfelder Hallenbads herstellen. Im Juli geht es los mit dem Traggerüst für den Überbau, sagt Straßen-NRW-Projektleiter Ulrich Seibel. Diese Gerüst wird Stück für Stück vorwärts geschoben, der Überbau – die eigentliche Brücke – Abschnitt für Abschnitt betoniert. Insgesamt 14 Felder zu 40 Metern.

  • Was passiert rund um den HTS-Ausbau derzeit noch im Süden?

Der Rohbau im Bühltunnel ist abgeschlossen. In Kürze beginnen die Ausstattungsarbeiten, so Ulrich Seibel weiter. 4,5 Millionen Euro fließen in die Technik. Die ersten Autos rollen bereits im August über einen Abschnitt des neuen Teilstücks. Der Bahnübergang Maccostraße wird geschlossen. Stattdessen verbindet die Brücke Maccostraße Niederscheldens Mitte mit den Gewerbetreibenden jenseits der Bahntrasse. „Die Brücke ist dann allerdings nur für den Anliegerverkehr frei“, schränkt Ulrich Seibel ein. Alle anderen müssen bis Ende 2016 warten, bis zur avisierten Verkehrsfreigabe für den ganzen, rund 81 Millionen Euro teuren HTS-Abschnitt.

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