Hoffen und Bangen bei Diehl
03.02.2012 | 15:04 Uhr 2012-02-03T15:04:00+0100
Netphen.Nachwirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise waren es, die den Diehl-Verbund sozusagen zeitverzögert in die Knie gehen ließen. „Es gibt profitablere und weniger profitable Geschäftsbereiche“, ließ der amtierende Geschäftsführer Prof. Dr. Manfred Hunkemöller gestern auf Anfrage unserer Zeitung wissen.
Gesucht werde nun nach einem Konzept, „um die Kostenstrukturen so anzupassen, dass man fit ist für eine gute wirtschaftliche Zukunft“, teilte Dr. Hunkemöller über seinen Medienberater mit. Dass die Familie Diehl den Insolvenzantrag, wie gestern berichtet, bereits wegen erst drohender und noch nicht eingetretener Zahlungsunfähigkeit gestellt habe, bedeute auch „eine große Chance“.
Drei Monate zahlt nun die Arbeitsagentur die Löhne für die 80 Beschäftigten, die ihre Arbeitsplätze in Netphen haben – das 1989 gegründete Formaro-Werk in Dessau wurde bereits zu einem früheren Zeitpunkt verkauft. Der Heizungs-, Lüftungs- und Sanitärbetrieb, der in diesem Jahr sein 50-jähriges Bestehen feiern könnte, bildet das Kerngeschäft des 1976 formierten Verbundes, der unter anderem auch in den Bereichen Klärwerktechnik und Photovoltaik engagiert ist.
Kübler ist vorläufigerInsolvenzverwalter
Dr. Hunkemöller, der auch den Baukonzern Philipp Holzmann in der Insolvenzphase mitgeleitet hat, wird in Netphen als Sanierer mit dem Kölner Rechtsanwalt Bruno Kübler zusammenarbeiten, den das Amtsgericht Siegen als vorläufigen Insolvenzverwalter eingesetzt hat. Von Kübler erwartet das Gericht in den nächsten Wochen eine Prognose über die Fortführungschancen des Unternehmens.
Eingeweihte hatten schon in den letzten Monaten beobachten können, dass sich an der Industriestraße Schwierigkeiten abzeichneten; auch die Stadt Netphen hat nicht mehr mit den Diehl-Firmen zusammengearbeitet.
„Er hat sich vergaloppiert“, sagt Hartwig Durt, 1. Bevollmächtigter der IG-Metall-Verwaltungsstelle Siegen. Der Firmenverbund bestehe aus kleinen Einzelfirmen, in denen Mitbestimmung nicht gefragt gewesen sei. Die Gründung eines Betriebsrates, der in Verhandlungen über einen Sozialplan eintreten könnte, sei nie gelungen. Hartwig Durt: „Jetzt, wo man einen Betriebsrat am nötigsten brauchte, hat die Belegschaft keine Interessenvertretung.“
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