Hingucker für Aufmerksame
12.02.2012 | 14:33 Uhr 2012-02-12T14:33:00+0100
Siegen. Wäre er ein Komponist, so würde man ihn unter die Minimalisten rechnen. Aber Andreas Karl Schulze (*1955) ist bildender Künstler, einer, der sparsam mit den Mitteln seiner Kunst umgeht, so sparsam, dass man sich eine Steigerung kaum noch vorstellen kann.
Sein Reisegepäck, wenn er nach Siegen ins Museum für Gegenwartskunst kommt: ein Köfferchen, in dem außer Zollstock, Schere und Klebzeug viele Plättchen aus Leinwand Platz haben – farbig bemalte Quadrate in der Größe 5 mal 5 Zentimeter.
Die klebt er in variierender Anordnung an Wände. Aber beileibe nicht willkürlich. Dem Besucher, der sie überhaupt entdeckt, bleibt es überlassen, Zusammenhänge zu entdecken, zum Beispiel, dass er gern auf architektonische Besonderheiten oder auffällige Marken in den Wänden reagiert.
Ermunterung zum genauen Schauen
Schulze möchte sich dem Museumsbesucher nicht aufdrängen; aber er möchte auch nicht übersehen werden, wenngleich er seine Objekte manchmal gut versteckt. Wo sie in die Nähe von Kunstwerken kommen, freut er sich, wenn deren Farbspektrum sich mit seinen Farbvorgaben verträgt. Als „Farbinterventionen“ bezeichnet er selbst seine Versuche. Doch weist er es entschieden von sich, damit Interpretation leisten zu wollen. Dann wohl doch eher l’art pour l’art, minimalistische Farbsignale in Rasterordnung, die den Museumsbesucher einladen, seine Augen in diesem Haus besonders offen zu halten.
Eine Ermunterung an alle die, die gern einmal wieder oder vielleicht auch zum ersten Mal die Schätze der inzwischen gewachsenen Sammlung Lambrecht-Schadeberg bewundern möchten. Der Anlass für die umfangreiche Zurschaustellung: am 1. Juli verleiht die Stadt Siegen wieder einmal den Rubenspreis – nun zum zwölften Mal und zum zweiten Mal an eine Frau, die Op-Art-Künstlerin Bridget Riley.
Zunächst aber hatten die Museumshandwerker in der ersten Etage des Museums ungefähr 100 Bilder aufzuhängen. Viel Arbeit für sie: die Werke aus dem Depot heraufschaffen in die Ausstellungsräume an die vorher bestimmten Stellen für die Aufhängung; Schrauben in die Wand drehen, die Bilder aufhängen.
Als Jochen Laube, Chef der Ausstellungstechnik im MGK, anlässlich des zehnjährigen Museumsjubiläums 2011 wie viele andere Kunstfreunde nach seinem Lieblingsbild gefragt wurde, hat er auf einen Morandi gezeigt und scherzhaft gesagt: „Dieses hier.“ „Warum?“ Laube: „Das hängt nur auf einem Nagel.“ Inzwischen korrigiert er sich: „Ich hasse solche Bilder. Die hängen nie wirklich gerade.“
Aber echte Mühe haben die Helfer bei dem großen Bacon: 198 mal 147,5 Zentimeter. Der passt nicht in den Aufzug. „Und der ist wirklich schwer.“ Aber er hängt. Und nicht weit von ihm hat Andreas Karl Schulze eines seiner Markenzeichen angebracht.
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