Hinaus zum 1. Mai in den Lokschuppen
22.04.2008 | 21:06 Uhr 2008-04-22T21:06:46+0200Siegen. (mku) Nach vier Jahren Vorabendveranstaltungen wird 2008 wieder am Tag der Arbeit selbst gefeiert. Der DGB lädt zu einem Familienfest im Ringlokschuppen ein.
"Wir wollten etwas anderes machen, gleichzeitig aber auch den Bezug zur Praxis nicht aufgeben. Da ist uns dann eingefallen, dass Transnet eines unserer Mitglieder ist", erklärt Willi Brase, wie die Wahl auf das Südwestfälische Eisenbahnmuseum gefallen war. Um 10 Uhr soll die Veranstaltung mit Musik des Jazztrios beginnen, "dann werde ich in die Bütt gehen", sagt Brase. Er will noch einmal die aktuellen Reizthemen aufgreifen, Mindestlohn, Leiharbeit und die unterschiedliche und damit ungerechte Bezahlung von Frauen und Männern. Motto ist diesmal "Gute Arbeit muss drin sein", soll heißen, "Arbeit, die soziale Sicherheit und Teilnahme am gesellschaftlichen Leben ermöglicht", steht im Mai-Aufruf des Gewerkschaftsbundes.
Besondere Sorge macht Brase der Anstieg der Niedriglohnbeschäftigung. Im April 2007 habe es in den Kreisen Siegen-Wittgenstein und Olpe zusammen rund 5000 Menschen gegeben, die entweder einen Niedriglohn bezögen, oder trotz sozialpflichtiger Beschäftigung noch bei der ARGE Unterstüzung beantragen müssen. "Und viele sind zu stolz, Sozialleistungen anzunehmen", sagt Brase. Es sei ein trauriger Rekord, dass Deutschland in dieser Hinsicht mittlerweile einen Spitzenplatz einnehme.
Darüber soll auch der Hauptredner des Tages sprechen, Prof. Dr. Ernst Kistler, Direktor des Internationalen Institutes für Empirische Sozialökonomie (INIFES). Ansonsten soll das Familienfest der historischen seltenen Konstellation von Mai- und Himmelfahrtsfeiertag gerecht werden. Zum einen gibt es eine gemeinsame Erklärung mit den Kirchen, auch werden diverse Betriebsratsabordnungen mit Bollerwagen erwartet. Willi Brase weiß, dass die Veranstaltung mit zahlreichen anderen Maifesten kollidiert. "Viele unserer Kollegen sind zum Beispiel in der Feuerwehr, werden sicher da feiern", vermutet er. Dennoch hofft er auf einen Erfolg, zumal das Familienfest nicht bis in den Abend dauern soll. Genug Zeit also, noch andere Veranstaltungen zu besuchen.
Der Lokschuppen soll in den kommenden Jahren zur festen Mai-Adresse des DGB werden, auch, um die Arbeit der Eisenbahnfreunde zu unterstützen. Haben die Gewerkschafter keine Angst, mit alten Loks als rückständig zu gelten? "Die Frage habe ich erwartet", lacht Willi Brase. Wer die Zukunft gewinnen wolle, müsse wissen, wo er herkomme. Die Eisenbahn habe viel für die Region getan.
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