Hilfe für rund 250 000 Haitianer
16.02.2010 | 19:16 Uhr 2010-02-16T19:16:00+0100
Siegen/Carrefour. Es ist heiß, es ist feucht, es ist schmutzig. Und für die nächsten Monate ist es der Arbeitsplatz von Marcus Sting. Der Siegener DRK-Mitarbeiter fliegt am kommenden Freitag ins völlig zerstörte Carrefour, der zweitgrößten Stadt Haitis.
Der 36-Jährige wird als so genannter „Base Camp Manager” die Unterkünfte für rund 80 internationalen Rotkreuzhelfer ausbauen. Die Baracken und Zelte der Ärzte, Pfleger und Schwestern stehen auf dem Gelände des Rot-Kreuz-Krankenhauses im Zentrum der Stadt, auf einem Sportplatz. „Ich werde für Elektrik und Wasser sorgen”, sagt Marcus Sting, „bisher war kaum Zeit und Gelegenheit, eigene Infrastrukturen aufzubauen”. Zudem sei es wichtig, Rückzugsräume zu schaffen. Die Helfer haben teilweise 16- bis 18-Stunden-Tage zu bewältigen: „Ein Bett, ein Dach über dem Kopf, eine Dusche und eine Toilette sind da schon das Mindeste.”
Ein Lazarett für 1,4 Millionen Euro
Das 1,4 Millionen Euro teure Lazarett ersetzt die Klinik, die das Erdbeben Mitte Januar einstürzen ließ. Es hat 120 Betten und ist ausgelegt auf rund 250 000 Patienten. Die Rotkreuzhilfe ist für mindestens drei Jahre geplant, danach sollen die haitianischen Kollegen selbst in der Lage sein, dort einen geregelten Krankenhausbetrieb aufrecht zu erhalten. Landrat Paul Breuer, gleichzeitig DRK-Kreisvorsitzender, hält das für den entscheidenden Punkt der Rotkreuz-Unterstützung: „Das ist das Gegenteil von Spontigeschichte, wir schicken ausgebildete Kräfte dorthin, die helfen, damit sich die Betroffenen selbst helfen können.” Sich selbst überflüssig machen, sei das strategische Ziel der ausländischen Hilfe.
Für Marcus Sting, dessen kleine Tochter erst vor sechs Monaten zur Welt kam, ist Haiti bereits der zehnte Hilfseinsatz. Zuvor war er schon in Sri Lanka, Peru, Pakistan und in der Demokratischen Republik Kongo. Das Besondere an diesem Einsatz ist die Dimension der Katastrophe, die totale Zerstörung. „Es wird sicher 15 Jahre dauern, bis wieder so etwas wie Normalität eintritt”, sagt der 36-Jährige: „Doch die Menschen sind schon jetzt dankbar.”
Einsätze sind nicht ungefährlich
Stichwort Sicherheit: Zwar mussten im Krankenhaus jüngst die Opfer einer Schießerei behandelt werden, doch die Rotkreuzhelfer leben verhältnismäßig sicher. „Allerdings müssen wir uns an gewisse Regeln halten”, bestätigt Sting. Dazu gehört, das Krankenhaus nach 18 Uhr nicht mehr zu verlassen und sich nicht allein in der Stadt herum zu treiben.
Wie gefährlich solche Hilfseinsätze sind, weiß die Familie von Holger Schmidt. Sie wartet seit Tagen auf die Rückkehr des anderen Siegener DRK-Helfers. Er ist erkrankt und kann deshalb noch nicht ausgeflogen werden. Er wartet in der Dominikanischen Republik auf seine Heimreise.
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