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Hilchenbach macht von sich reden

27.12.2010 | 17:09 Uhr
Hilchenbach macht von sich reden
Bauspielplatz Hilchenbach: Wir bauen unsere Zukunft

Hilchenbach.Jede Menge Dauerbrenner auf Hilchenbacher Tagesordnungen – das sind die Top 7:

1. Keine Fortschritte
auf dem Giller

Zwanzig Zentimeter sind schon mal ein Anfang. Vierzig wären besser, sagen die Lützeler über die Höhe ihrer Schneedecke zum Jahresbeginn und hoffen auf einen langen Winter. Den sollten sie bekommen. Die Hoffnung allerdings, die Zukunft des Wintersportgebietes zu sichern, die immer noch von der sich allmählich auflösenden Liftgemeinschaft abhängt, erfüllt sich nicht. Der Investor, der das Gebiet auch für den Sommer attraktiv machen und auch Übernachtungshütten bauen will, beißt bei den Landschaftsschützern in der Bezirksregierung zunächst auf Granit.

2. Minister schützt
das Haus Hüttenhain

Das Haus Hüttenhain an der Dammstraße ist ins Blickfeld der Denkmalschützer gelangt, seit der Abriss des 1821 für eine Gerberfamilie errichteten Wohnhauses denkbar erscheint. Immobilienmakler Wolfgang Bell hat sich eine Kaufoption verschafft, und wenn die Stadt ihre Nachbarparzelle auch abgibt, könnte der Aldi-Markt aus dem Gerberpark dorthin übersiedeln. Weil die Stadt sich dem Denkmalschutz verweigert, beantragt der Landeskonservator eine Entscheidung des Bauministers. Der heißt Lutz Lienenkämper (CDU), eilt im Februar zum Ortstermin nach Hilchenbach, schafft die Entscheidung bis Juli nicht.

Nachfolger Harry Voigtsberger (SPD) zaudert nicht: Kurz nach seinem Amtsantritt weist er die Stadt an, das Haus in die Denkmalliste einzutragen. Die Eigentümer klagen beim Verwaltungsgericht. Nach wie vor liebäugeln die Handelsunternehmen sowieso mit der von ihnen bevorzugten Lage an der Herrenwiese. Die Schraubwerkzeugfabrik USH räumt ihr Grundstück zwar nun nicht für einen Wegzug nach Schameder; aber auch der neue Eigentümer „Koch Bohrer“ aus Engelskirchen sieht sich nach einem neuen Standort um.

3. Schulen: Volle Klassen
und fleißige Eltern

Die Carl-Kraemer-Realschule führt das Schülerticket ein – die Eltern der 22 Kinder aus Oechelhausen, Grund und Ruckersfeld werden damit besänftigt, dass auch sie etwas für ihr Fahrgeld bekommen, wenn im Sommer ein Taxibus auch ihre Dörfer ansteuert. Da ahnte noch keiner, wie das „Linienbündel Mitte“ im Sommer über die Fahrgäste hereinbrechen würde.

Vorzeitig verabschiedet sich Rektor Ulrich Kretzer von der Adolf-Reichwein-Hauptschule, deren Fortbestand dadurch nicht sicherer wird.

Bei den Grundschulen werden die Schüler knapp, auch wenn das auf Anhieb noch nicht so aussieht: Weil das Schulamt keine Lehrkräfte mehr für allzu viele kleine Klassen hat, werden die nächsten drei ersten Klassen in Hilchenbach und Allenbach rappelvoll. Inzwischen gehen auch Kinder aus Lützel in Hilchenbach und nicht mehr nur in Erndtebrück zur Schule. Aufnahmebereitschaft signalisiert Hilchenbach auch an die Nachbargemeinde Kirchhundem: Denn ­Brachthausen wird seine Grundschul-Dependance los.

Die alte Florenburg-Grundschule will die Stadt verkaufen; der Projektentwickler, der aus dem Baudenkmal von 1906 Wohnungen machen will, kommt aber nicht so recht von der Stelle. An ihrem neuen Standort bekommt die Schule einen tollen Schulhof: Dass die Eltern viel mehr Spielgeräte spendierten, als die Stadt erwartet hatte, hat dem Kämmerer keine reine Freude bereitet – er musste mehr Geld für Fallschutzplatten locker machen.

4. Mit dem Bauhof
in den Schlagzeilen

Kein Thema hat Hilchenbach so viele unerwünschte Schlagzeilen eingebracht wie der Bauhof-Prozess. Vom 10. März bis zum 8. Juli wurde vor der ersten großen Strafkammer des Landgerichts gegen vier ehemalige Bedienstete verhandelt, die einen Kollegen über Jahre misshandelt haben sollen. Zwei Jahre hatten die Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft zu 149 einzelnen Straftaten bis dahin gedauert. Der Hauptangeklagte wurde zu vier Jahren, ein Mitangeklagter zu zwei Jahren und neun Monaten Freiheitsstrafe verurteilt. Ein dritter Angeklagter erhielt eine Bewährungsstrafe, ein vierter wurde freigesprochen. Parallel zum Prozess – und angeblich unabhängig davon – wurde der „Baubetriebshof“, wie er jetzt heißt, neu organisiert und seine Führungsspitze ausgetauscht.

5. Die Wildkatzen,
Hessen und die FELS

Die Wildkatzen sind da: Die Tiere wurden bei Lützel gesichtet, und weil sie als bedrohte Art gelten, darf nicht ohne weiteres eine Straße durch ihr Revier gebaut werden. Die Voruntersuchungen für die Ortsumgehungskette FELS, die in Kreuztal mit einer Südumgehung beginnen soll, verlängern sich dadurch um ein Jahr.

Das bleibt aber nicht der einzige Rückschlag für das umstrittene Fernstraßen-Vorhaben. Wenige Tage vor der NRW-Landtagswahl im Mai lässt der hessische Verkehrsminister Dieter Posch (FDP) die Nachbarn wissen, dass sein Bundesland an einer Fernstraße von Kreuztal nach Hattenbach („B 508 n“) nun nicht mehr interessiert sei.

Anfang September teilt Ludger Siebert, Leiter der Regionalniederlassung des Landesbetriebs Straßenbau, dem Kreisverkehrsausschuss mit, dass eine Ortsumgehung Lützel schwerlich zwischen den FFH-Schutzgebieten durchgeschlängelt werden kann. Eine „Kette“ von Ortsumgehungen kann es damit nun nicht mehr geben.

Hilchenbach konzentriert sich derweil auf die alte B 508: Die würde der Landesbetrieb gern umbauen und mit Radwegen versehen. Erst will der Rat das nicht – dann aber doch...

6. Viel Wind und
ein bisschen Sonne

Zwei Drittel des Stroms, der in Hilchenbach von Privatleuten, Landwirten und kleinen Gewerbebetrieben verbraucht wird, wird auch hier erzeugt – mit der Kraft des Windes und der Sonne. Ihren Coup, fünf Solaranlagen anzuschaffen und aus deren Ertrag zugleich die Sanierung der Dächer unter den Kollektoren zu finanzieren, setzte die Stadt mit Hilfe des neuen Umweltministers Johannes Remmel durch – der Innenminister wollte der Stadt die zusätzliche Kreditaufnahme eigentlich nicht erlauben.

Den „European Energy Award“ hat sich Hilchenbach damit verdient. Trotz Oechelhausen und Helberhausen, wo der Rat Baugrundstücke im Naturpark Rothaargebirge ausgewiesen hat – den einen Beschluss hat direkt die Bezirksregierung kassiert, mit dem anderen befasst sich das Oberverwaltungsgericht.

7. Der Bürgermeister und
die Sparkasse

Nach elf Jahren hat Bernd Schmitz das Chefzimmer der Stadtsparkasse geräumt; zukünftig wird auch er zu denen gehören, die eher um Geld bitten, als es zu verteilen: Denn als Ruheständler hat Schmitz nun Zeit für seine Ehrenämter im Vorstand des Gebrüder-Busch-Kreises, des Wilhelmsburg- und des Freibad-Fördervereins.

Nachfolger Dieter Viehöfer legte sich mit seinem Verwaltungsratsvorsitzenden an: Bürgermeister Hans-Peter Hasenstab machte schließlich einen Rückzieher, nachdem auch der Rat der Stadt ­Viehöfer nicht zur Veröffentlichung seiner Bezüge im Bundesanzeiger verpflichten wollte. Der Rheinländer Schmitz verabschiedete sich mit neuen Melodien für das Glockenspiel am Markt, vielleicht auch, um dem Hessen Hasenstab dauerhaft in Erinnerung zu bleiben: „Ich möchte zu Foos no Klle joenn“ – auf Wunsch drei Mal täglich.

Steffen Schwab

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