Henrik Freischlader hat auch mal Sehnsucht nach Abgeschiedenheit

Henrik Freischalder hat auch mal Sehnsucht nach Abgeschiedenheit und Auszeiten vom Bühnen-Leben.
Henrik Freischalder hat auch mal Sehnsucht nach Abgeschiedenheit und Auszeiten vom Bühnen-Leben.
Foto: Hartwig Sellmann/WNM
Was wir bereits wissen
Innerhalb von sechs Jahren hat er sich von einem talentierten Newcomer zum derzeit angesagtesten Blues-Rocker Deutschlands entwickelt. Das will der Wuppertaler Henrik Freischlader unter anderem beweisen, wenn er am Freitag, 14. Dezember, ab 20 Uhr auf der Lyz-Bühne in Siegen steht. Wir sprachen mit dem Shooting-Star.

Siegen.. Henrik Freischlader hat viel investiert, war fast ständig irgendwo live unterwegs und hat parallel dazu praktisch jedes Jahr ein neues Album produziert.

Das jüngste Werk in dieser Reihe heißt „House In The Woods“ und ist sein fünftes Studioalbum. Das hat der 30-Jährige im Gegensatz zu früheren Veröffentlichungen nicht im Alleingang, sondern mit seiner Band eingespielt, die während der letzten Tournee zu einer Gemeinschaft zusammengewachsen ist.

Wie innig dieser Kontakt zwischen der Band und ihrem Frontmann ist, schilderte der Musiker im Interview.

Ihr neues Album heißt „House In The Woods“. Träumen Sie heimlich von einem abgeschiedenen Leben im Wald?
Henrik Freischlader: Wenn ich so richtig gestresst und überarbeitet bin, dann sehne ich mich nach dieser existenziellen Abgeschiedenheit, in der mich das moderne Lebenstempo unbehelligt lässt und mich die Masse wertloser Informationen nicht mehr erreichen kann.


Ihr Album „Still Frame Replay“ gilt als das rocklastigste Ihrer Karriere. Haben Sie jetzt den Fuß wieder etwas vom Gas genommen?
Im Gegenteil, wir empfinden das aktuelle Album abgesehen von den Balladen sogar als wesentlich rocklastiger. „Still Frame Replay“ sollte zwar sehr rockig werden, wurde dann aber doch ein ziemlicher Mix aus verschiedensten Stilen und Einflüssen. Da wollten wir dieses Mal wirklich etwas Rockiges abliefern.


Das klingt, als gäbe es keine Analogien zum letzten Album?
Da gibt es tatsächlich nicht viele. Eigentlich könnte man sagen, dass lediglich die Räumlichkeiten in Arnsberg und Martin Meinschäfers Soundkunst gleich geblieben sind. Die Herangehensweise war dieses Mal eine total andere.

Interview Das neue Album ist ein Live-Studioalbum geworden. Wir haben die Instrumente nicht nacheinander eingespielt, sondern haben mehrere Tage lang Live-Sessions im Studio aufgenommen, von denen wir anschließend die besten Takes ausgewählt haben. Nachträgliche ‘Overdubs’ gab es lediglich beim Gesang.


Dieses Mal hatten Sie auch keine Gäste dabei. Wollte Joe Bonamassa nicht mehr mit Ihnen spielen?

Ich hatte ihn nicht danach gefragt, denn es sollte ja – wie gesagt – ein reines Bandalbum werden. Wir sind als Gruppe in den letzten zwei Jahren sehr zusammengewachsen und verstehen uns blind. Das haben wir jetzt musikalisch konserviert.


In dem Titelstück singen Sie „Stop The World – They’ve Gone Too Far This Time“. Ist das Ihre Antwort auf die aktuellen Krisenszenarien?
Das ist eine Art Phantasie-Bild à la Charlie Chaplin in dem Film „Modern Times“. Es wäre doch eine tolle Sache, wenn man so ein Räderwerk aus sich bedingenden Umständen mit einem langen Hebel zum Stillstand bringen könnte, um dann in aller Ruhe festzustellen, was eigentlich falsch läuft. Wo sind die Weichen falsch gestellt worden und wo warten am Ende die Abgründe?

Henrik Freischlader ist ein großer Fan von John Mayer

Auf den drei Balladen geht es um komplexe Beziehungsarithmetik. Wie viel Authentizität steckt in den geschilderten Liebesgeschichten?
Es ist nichts Konkretes, aber alles ist vorstellbar. Liebesgeschichten sind ziemlich vielfältig und bieten einfach eine Menge Stoff, um beim Hörer einen Identifikationseffekt zu erzeugen.


Gerade die ruhigeren Songs besitzen eine Affinität zum US-Musiker John Mayer. Sind Sie ein heimlicher Fan des erfolgreichen Kollegen?

Na klar, ich bin sogar ein unheimlicher Fan von John Mayer.


Der Song „1999“ klingt, als würden Sie gerne die Zeit zurück drehen?
Dieses Stück ist in der Tat ziemlich authentisch. 1999 war das Jahr, in dem ich mein erstes eigenes Apartment bezogen habe. Damals war die Welt noch so frisch und unschuldig. Ich war neugierig auf alles, was da kommen mochte.

Das bedeutet nicht, dass ich unzufrieden mit dem persönlich Erreichten wäre. Im Gegenteil, aber der ganze Stress, der dazu gehört, ist natürlich auch nicht zu verachten. Den träumt man meistens nicht mit, wenn man sich als 17-Jähriger seine Zukunft vorstellt.


Interview Mittlerweile gelten Sie als einer der besten Gitarristen und Blues-Musiker Deutschlands und Europas. Wie gehen Sie mit soviel Lob um?
Ich denke eigentlich nicht darüber nach, wer mich wo einsortiert. Ich möchte von Lob und Auszeichnungen ebenso unabhängig arbeiten können wie von der Kritik.


Es gibt praktisch jedes Jahr ein neues Album von Ihnen - fällt Ihnen das Schreiben neuer Songs eigentlich leicht?
Es kann eine Arbeit sein, die sich total verweigert, aber es kann auch sehr leicht fallen. Das ist vielfach abhängig von der Musik, die macht mir da ziemlich kompakte Vorgaben.


Daneben sind Sie auch viel auf Tournee. Wie halten Sie sich während der Konzertreisen fit?
Fit halten uns die Fans! Sie garantieren unsere Spielfreude und wir leben von ihrem Feedback. Das ist immer eine sehr intensive Zeit. Natürlich gibt es anstrengende Tage mit Staus auf den Autobahnen und Termindruck, aber im Großen und Ganzen muten wir uns nichts zu, was wir nicht auch unheimlich gerne tun.
Was dürfen die Fans dieses Mal von Ihnen und Ihrer Band erwarten?
In Bezug auf die Band bleibt alles unverändert, aber die Live-Versionen der neuen Stücke werden ganz schön heftig ausfallen.