Heiße Wochen für die Freunde des Eissports

Renommierstück der „Großgemeinde Netphen“: Freizeitpark mit Bad (vorn) und Eis- und Tennishalle (hinten).Foto:Jürgen Schade
Renommierstück der „Großgemeinde Netphen“: Freizeitpark mit Bad (vorn) und Eis- und Tennishalle (hinten).Foto:Jürgen Schade
Foto: Jürgen Schade

Netphen..  Vor fast elf Jahren hat der damalige Bürgermeister Rüdiger Bartsch „Freunde des Eissports“ als Retter des Freizeitparks vorgestellt. Jetzt, kurz nach dem zehnten Jahrestag der Gründung der Sportpark Siegerland GmbH, stellt die Politik den Fortbestand des gesamten Freizeitparks zur Disposition. Was sich in den Haushaltsreden der Fraktionsvorsitzenden andeutete, kommt in der nächsten Woche in eine entscheidende Phase: Bürgermeister Paul Wagener hat den Rat für Dienstag, 2. März, zu einer nicht öffentlichen Sondersitzung eingeladen. „Pachtsache SPS Sport und Freizeit GmbH“ heißt der Tagesordnungspunkt mit dem brisanten Inhalt.

FDP und Grüne bohren seit Jahren an dem Thema, die großen Fraktionen halten sich bedeckt. „Wir überlegen, wie wir mit dem Thema umgehen“, sagt CDU-Fraktionsvorsitzende Iris Cremer — möglicherweise noch einmal mit der Vertagung des seit Januar verschärft akuten Themas: „Ich weiß nicht, ob die vorliegenden Informationen ausreichen.“ „Wir müssen noch reden“, sagt SPD-Fraktionschef Manfred Heinz und verweist auf ausstehende interne Beratungen: „Irgendwie muss das Ding vom Eis.“ Wie auch immer — oder eben auch nicht. Womöglich müsse auch alles bleiben, wie es ist, überlegt UWG-Fraktionssprecher Helmut Buttler, „weil uns gar nichts anderes übrig bleibt.“

Darum geht es:

Die Vorgeschichte

1977/78 ist der Freizeitpark gebaut worden. Freizeitbad mit Frei- und Hallenbad auf der einen Seite, Eisstadion mit Fitnessstudio, Tennishallen und -plätzen auf der anderen. Vertragspartner der Stadt war die Mode- und Sporthauskette Hettlage, die dazu ihre „Gesellschaft für Entwicklung und Management von Freizeitsystemen“ (GMF) gegründet hatte. Ende 2003, noch im Jahr vor der Hettlage-Insolvenz, stieg GMF aus dem Netphener Vertrag aus.

Das mittlerweile selbstständige Unternehmen konzentrierte sich fortan auf den Betrieb von Bädern. In Netphen kam GMF nicht ins Geschäft — die Vorbereitungen zur Gründung der städtischen „Freizeitpark Obernautal GmbH“, die heute das Bad betreibt, liefen schon. Dass diese Gesellschaft, unter Umständen mit Beteiligung der Eissportvereine, Bad und Eisstadion unter einem Firmendach betreiben könnte, war eine Option, die 2003 nur kurzfristig erwogen wurde.

Im Mai 2004 wurde der Vertrag mit den „Freunden des Eissports“ besiegelt, Vertretern der drei Eissportvereine, die später die Sportpark Siegerland GmbH gründeten; Geschäftsführer wurde der damalige Vorsitzende des EC Siegerland (heute: EHC Netphen), Martin Resch.

Der Stand der Dinge

Weit über 600 000 Euro hat die Sportpark-Gesellschaft in die Unterhaltung und Modernisierung der Anlage investiert, die außer dem Eissport und dem Kraft- und Fitnesstraining Squash, Badminton, Tennis und Indoor-Soccer ermöglicht. Außerdem gibt es eine Sauna, die Gastronomie und – auf den ehemaligen Außentennisplätzen – eine Kartbahn.
Das eine Problem: Der Betrieb wirft nicht so viel ab, dass die jährliche Pacht von 30 000 Euro an die Stadt überwiesen werden könnte — es gab Einnahmeausfälle, der Tennis-Boom der 1980er Jahre ebbte ab, der Unterhaltungsaufwand wurde größer. Die Pachtzahlung, mit der die Stadt eine eigene Investition von rund 400 000 Euro in den Freizeitpark tilgen wollte, bleibt seit 2012 aus.
Das andere Problem ist das Eisstadion selbst: Das 30 Jahre alte Dach wird, wie ein Gutachter festgestellt hat, in den nächsten zwei Jahren nicht einstürzen. Für die Eisanlage selbst mag niemand garantieren, dass die Maschine noch so lange hält. 2013 bereits wurde die Erneuerung des Eisstadions mit 2,4 Millionen Euro veranschlagt.

Die Alternativen

Bürgermeister Paul Wagener schlägt — wie schon im Januar – dem Rat vor, den Vertrag mit dem Sportpark bis Mitte 2019 zu erfüllen. Als „Pacht“ sollte sich die Stadt mit einer 50-prozentigen Gewinnabführung zufrieden geben. Die Eissportanlage, so heißt es in dieser Vorlage wie in den vielen anderen zum selben Thema aus den letzten Jahren, sei ein „Alleinstellungsmerkmal“ für Netphen. Niemand anderes als die Sportpark GmbH könne sie betreiben; jeder neue Vertragspartner würde zunächst die Millionen-Investition verlangen.
Geprüft worden ist, die Anlage aufzuteilen. Vorgefühlt hat der Betreiber eines Indoor-Spielplatzes. Auf dem Markt ist auch der TVE Netphen. Der müsste aber erst davon überzeugt werden, sein Gesundheitszentrum nicht am Gymnasium zu bauen, sondern sich mit einem Standort im Freizeitpark anzufreunden. Ausgeschlossen scheint allerdings, einen Betreiber zu finden, der ausschließlich das Eisstadion betreibt. Denn dieser Geschäftszweig ist naturgemäß auf den Winter beschränkt.

Kommentar: Falscher Zeitpunkt

Die Diskussion kommt, schon wieder, zum falschen Zeitpunkt. Sie hätte in den 1970er Jahren geführt werden können, als die aufstrebende Großgemeinde sich die Infrastruktur zulegte, die ihr heute zu teuer ist. Sie wurde 2004 geführt, als nicht nur die Zukunft des Eisstadions, sondern auch die Modernisierung des Bads auf der Tagesordnung stand. Damals war es die CDU-Fraktion, die gelernt hat, dass man mit Spar- und Schließungsdebatten Wahlen nur verlieren kann. 2015 ist wieder ein Wahljahr. Es gehört nicht viel Phantasie dazu: Wer jetzt den Eissport preisgibt, muss über einen Bürgermeisterkandidaten nicht länger nachdenken.

Die Entscheidung über den Freizeitpark steht 2019 an, wenn der Sportpark-Vertrag ausläuft. Die verbleibenden Jahre könnten zum Nachdenken darüber genutzt werden, was wirklich wichtig ist. In ihrem Leitbild weist die Stadt dem Freizeitpark „weiterhin eine herausgehobene Stellung“ zu. Dann sollte sie auch danach handeln.