Heiße Musik zum Anfassen
05.11.2007 | 18:31 Uhr 2007-11-05T18:31:00+0100Siegen. (pw) Wo Musik sonst nur sehr unscheinbar den kurzweiligen Einkaufsbummel begleitet, gab es am Samstagabend echten Jazz, Blues, Soul und Rock'n'Roll zum Anfassen. Die City-Galerie hatte sich bereits zum neunten Mal für sechs Stunden in ein Konzerthaus verwandelt.
Hinter den Pforten des Eingangs begrüßte den Besucher Rod Mason mit seinen „Hot Five”. Fröhlicher Dixieland fast schon vergessener Zeiten aus New Orleans oder Chicago lockte nicht nur „gereiftes” Publikum vor die Bühne. Für Masons aufgelegte Louis-Armstrong-Stimme und Sean Moyse's rasantes Banjo-Solo setzte es Sonderapplaus – einen besseren Start in eine lange „Jazznacht” hätte man sich wirklich nicht wünschen können. Eine Etage tiefer hatte Bernie Marsden unterdessen alle Fans von Rock und Blues mobilisiert. Der stabile Gitarrist trieb sein Spiel, getragen von Gregor Hildens Bluesnightband, kraftvoll nach vorne. Schon das Zuhören alleine lohnte sich, aber immer dann, wenn Marsden improvisierte, presste er die Lippen so zusammen, wie ein Baby, das sein Breichen partout nicht essen mag – was für ein Anblick! Dann kam Brenda Boykin hinzu: die Lady mit der „schwarzen Stimme” aus Kalifornien verlieh dem Auftritt noch den letzten Pfiff Würze, den es zum Prädikat „genial” noch brauchte. Und während wenig später von ganz oben schon kubanische Klänge unüberhörbar „heruntertröpfelten”, legten die Jungs von Boppin'B bei ihrem zweiten Siegener Gastspiel erneut eine energiegeladene Vorstellung aufs Parkett, der alles andere ringsrum unwichtig machte. Natürlich, wie es sich für richtige Rockabilly-Männer gehört, mit ordentlich Pomade im Haar. Klassiker wie Manu Chaos „Bongo Bong”, Brian Setzers „Mellow Saxophon” oder Ray Charles' „Hit The Road, Jack” wurden auf eine neue, frische Art interpretiert. Das steckte die Masse an; alles war in Bewegung. Das gleiche Szenario auch zwei Stockwerke höher in der „Cuban Lounge”, nur leicht gemäßigter. Olvido, die Tochter der legendären Jaqueline Castellanos, und das Team Pachanga luden die Gäste zum Salsa tanzen ein, im Ambiente einer Cocktail-Bar, umgeben vom bekömmlichen Sound der Bongos und Congas. Havanna schien so nah – und das Ende der Party so fern. Und ja, sie klatschten, sangen, feierten – bis tief in die Nacht.
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