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Philharmonie Südwestfalen

Heiße Musik aus wärmeren Zonen

17.06.2012 | 17:24 Uhr
Heiße Musik aus wärmeren Zonen
Ein sprechendes Bild: geduldige Zuhörer und unverdrossenen Musiker bei der Philharmonie in Hilchenbach

Hilchenbach. Musikfest –Samstagabend: die Philharmonie Südwestfalen bestieg die Bühne unter dem Zeltdach, wo es wenigstens trocken und ein bisschen wärmer war als draußen auf dem regennassen Marktplatz bei 14°. Irgendwann versprach Carlos Dominguez-Nieto, Gastdirigent aus dem wärmeren Spanien: „Wenn wir spielen, wird es besser.“ Immer mal wieder schien es, als sollte er Recht behalten – aber es schien bloß so. Bei den Schlusstakten der Zugabe wurde es dann heller: Irgendwann trifft eben jede Voraussage ein. Man braucht nur Geduld.

Gekürztes Programm

Aber nicht zu lange: Die Künstler hatten mit sich und dem Publikum Mitleid. Das Programm wurde gekürzt; die Pause entfiel; die Moderation des temperamentvollen Gastes aus Spanien reduzierte sich fast bis auf die Ansage der Titel. Dabei hätte er sicher zu vielen Stücken Authentisches sagen können, beispielsweise zu einzelnen Sätzen der „Suite española“ von Isaac Albenis, wo die Musik Charakteristika spanischer Städte und Regionen widerspiegelt.

Mittelamerika war der Schauplatz weiterer Programmpunkte: für die „Kubanische Ouvertüre“ von Gershwin, der die Zuhörer mittels vertrauter Rhythmen durch die Tonarten schaukelte; für den mexikanischen Sound im „Danzon“ des Zeitgenossen Arturo Marquez. Und in den Klängen der „Sensemaya“ des Mexikaners Silvestre Revueltas, wo beschwörungsgleich afro-kubanische Kultelemente herauszuhören sind.

Und was hätte der Dirigent aus Spanien nicht alles zu der Zugabe sagen können, der rassigen „Huapango“ des Mexikaners José Pablo Moncayo, diesen Tanz, in dem die prähispanische Musik der Indios eine Verbindung eingegangen ist mit den Fandangos der spanischen Konquistadoren!

Es war schade um so viel musikalische Substanz, die an diesem Abend verloren ging, verloren gehen musste, weil die äußeren Bedingungen einfach nicht stimmten.

Fußballer brechen das Spiel ab, wenn die Voraussetzungen nicht mehr gegeben sind. Nun hatten wir in Hilchenbach zwar keine ukrainischen Ungewitter; aber eigentlich ging auch hier die Kultur unter.

Bewunderung für die Musiker, die sich nicht unterkriegen ließen und retteten, was eben zu retten war. Dafür durften sie den herzlichen Dank des (reduzierten) geduldigen Publikums mitnehmen.

Von Knut Lohmann

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