Heimatgefühl stark von sozialen Beziehungen abhängig

Fischaugenbild der Siegener Innenstadt: Heimat ist dort, wo man sich wohlfühlt.
Fischaugenbild der Siegener Innenstadt: Heimat ist dort, wo man sich wohlfühlt.
Foto: www.blossey.eu
Was wir bereits wissen
Was Heimat bedeutet, entscheidet jeder für sich individuell. Wir wollen wissen: Was bedeutet für die Siegerländer eigentlich Heimat?

Siegerland..  Fast 15 000 Menschen haben sich 2013 bewusst dafür entschieden, in den Kreis Siegen-Wittgenstein zu ziehen und dort Wurzeln zu schlagen. Das sind sogar mehr als noch ein Jahr zuvor. Doch kann man sich bewusst für eine Heimat entscheiden? Oder ist Heimat automatisch der Ort, in dem man aufgewachsen ist? „Heimat definiert sich nicht nur über den Raum“, sagt Hildegard Schröteler-von-Brandt, Uniprofessorin und Stadtplanerin.

Heimat individuell definieren

Das persönliche Heimatgefühl sei stark von sozialen Beziehungen abhängig. Zwar habe die Ortsansässigkeit ebenfalls viel mit dem Begriff „Heimat“ zu tun, allerdings definiere jeder individuell, was Heimat bedeute. „Schaut man sich beispielsweise Dortmund an, findet dort eine starke Identifizierung mit dem Fußballverein statt. So kann man sich auch in anderen Orten über die Vereinskultur mit dem heimischen Ort identifizieren“, erklärt die Professorin. Auch die Familie und die Natur könnten den Menschen Heimatgefühle vermitteln.

Klaus-Dieter Zimmermann, Vorsitzender des Siegener Heimatvereins, führt den Begriff Heimat weiter aus: „Menschen haben viel damit zu tun, wo man sich heimisch fühlt. Hier im Siegerland zum Beispiel war früher der Dialekt eine starke Klammer. Es hat sich angenehm angefühlt, wenn man mit Menschen zusammen ist, die gleich denken, handeln und sprechen wie man selbst. So ein Gemeinschaftsgefühl sorgt natürlich dafür, dass man sich heimisch fühlt.“

Allerdings gehe der Dialekt weitestgehend verloren. Die Jugendlichen würden ihn nicht mehr lernen. Für Klaus-Dieter Zimmermann fehlt somit ein Mosaiksteinchen im Heimatpuzzle. Zudem habe sich die Wichtigkeit verschiedener Dinge verlagert. Früher hätten sich die Menschen über die Wirtschaft und ihren Besitz mit dem Siegerland definiert. Heutzutage seien beispielsweise Sportvereine immer wichtiger geworden.

Uni brachte Veränderung

„Die Siegerländer Art hat sich verändert. Da hat natürlich auch die Uni eine große Rolle gespielt“, erklärt der Vorsitzende des Heimatvereins. Viele seien wegen des Studiums hergekommen. Die Zugezogenen hätten, laut Klaus-Dieter Zimmermann, ebenfalls für einen Wandel des Siegerländer Heimatgefühls gesorgt, da sie aus den verschiedensten Teilen Deutschlands kämen und die unterschiedlichsten Traditionen mitbringen würden.

Dass die Gesellschaft und besonders junge Menschen mobiler werden und wegen des Berufs immer öfter den Wohnort wechseln, hat auch Hildegard Schröteler-von-Brandt festgestellt. „Der Heimatgedanke hat sich bei jungen Menschen verändert. Er ist aber nicht verschwunden“, sagt sie. Der Wohnort spiele nur eine untergeordnetere Rolle.

Trotzdem würden sich die jungen Menschen auf einen Ort zum „Zurückkommen“ besinnen, was meist der Ort sei, in dem die Familie wohne.

Das sieht auch Klaus-Dieter Zimmermann so. „Man verliert seine Heimat nie ganz, eigentlich hat man sie immer im Herzen“, sagt er. Ziehe man um, so müsse man eben früher oder später mit dem neuen Zuhause zurechtkommen, man dürfe sich nicht abschotten. Wo man dann letztendlich sesshaft oder heimisch werde, das müsse jeder für sich entscheiden.

Wollen Sie uns erzählen, was für Sie Heimat bedeutet?

Was Heimat bedeutet, entscheidet jeder für sich individuell. Wir wollen wissen: Was bedeutet für die Siegerländer eigentlich Heimat? Wie heimisch fühlt sich der zugezogene Student in Siegen? Was hat der Historiker in Oberholzklau über den Ort herausgefunden, in dem er seit Jahrzehnten lebt? Und wieso findet eine Mutter aus Irmgarteichen, dass ihre Kinder keinen besseren Ort zum Aufwachsen finden können? Die Serie „Meine Heimat“ zeigt die Menschen, die im Siegerland heimisch geworden sind oder es schon immer waren. An ihren Lieblingsorten im Siegerland sprechen sie über ihr Heimatgefühl, besondere Erinnerungen und wieso sie sich nicht vorstellen können, woanders zu wohnen.

Wenn Sie mitmachen wollen und erzählen möchten, weshalb Sie sich im Siegerland besonders wohl fühlen - oder auch nicht - , schreiben Sie an siegen@westfalenpost.de oder an siegen@wr.de (Stichwort Heimat). Unsere Mitarbeiterin setzt sich dann mit Ihnen in Kontakt.

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