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Heimat muss immer neu erarbeitet werden

16.09.2012 | 17:42 Uhr
Heimat muss immer neu erarbeitet werden
Foto: Michael Kunz

Allenbach.   Allenbach - Wohnort, Lebensort, Heimatort - Ein Wiedersehen nach 25 Jahren“ hatte Dr. Hartmut Eichenauer seinen Festvortrag überschrieben.

„Allenbach - Wohnort, Lebensort, Heimatort - Ein Wiedersehen nach 25 Jahren“ hatte Dr. Hartmut Eichenauer seinen Festvortrag überschrieben, mit dem er gestern in der Aula von Stift Keppel an einen anderen Vortrag anschloss, der vor einem Vierteljahrhundert gehalten wurde.

Er sei dankbar, noch einmal angesprochen worden zu sein, versicherte der Wahl-Allenbacher und lieferte einen nachdenklichen Blick auf die vergangenen 25 Jahre. Der Ort habe viel verloren, „eine Sparkasse, eine Poststelle, ein Lebensmittelgeschäft“, nicht zuletzt auch viele Menschen. Allenbach füge sich in die allgemeine Entwicklung ein. Die Todesfälle überträfen die Geburten, die Bevölkerungszahl gehe nach dem Hoch von 2242 im Jahre 1994 stetig zurück. Im Vergleich zu anderen Dörfern könne der Ort auch nicht unbedingt durch Schönheit glänzen.

„Wir lassen uns unsere Schönheit aber auch nicht nehmen“, beruhigte der Redner dann die Festgemeinde, die schon für den vorhergehenden ökumenischen Gottesdienst in großer Zahl gekommen war. Allenbach sei ein Ort, in dem es sich zu leben lohne, unterstrich Dr. Hartmut Eichenauer. Bewusst bezog er dies auf sich selbst, der als Junge aus dem kriegszerstörten Bochum evakuiert nach Eiserfeld gekommen sei. „Wem bist du da?“, habe er da oft zu hören bekommen, sich aber dennoch schnell eingelebt.

Genauso habe er sich gemeinsam mit seiner aus Thüringen stammenden Frau auch ab 1974 in Allenbach eingewöhnt. Um Heimat erleben und fühlen zu können, gebe es zwei Gebote: Menschen- und Heimatpflege. Selbst jene, die immer in einem Ort blieben, müssten sich ihre Heimat durch Teilnahme am öffentlichen Leben selbst erarbeiten. Um so mehr die Zugezogenen. Umgekehrt gehe es darum, diesen offen die Hand zu reichen. Das gelte auch für Menschen aus anderen Ländern, die Hilfe vor Gewalt und anderen Bedrohungen suchten.

Als Vertreter der älteren Generation müsse er akzeptieren, in weiteren 25 Jahren bei der 700-Jahr-Feier wohl nicht mehr dabei zu sein. Für die Kinder und Enkel heiße dies aber nicht, „sich von der Wehmut des Alters anstecken zu lassen“. Er rufe ihnen mit dem Motto der alten Hammerwerker „Hällob Zogepackt“ zu. Mit „Anpacken“ und aktivem Gestalten sei Allenbach auch in Zukunft ein lebenswertes Stück Heimat.

Die Festrede war ein Höhepunkt an einem Tag, der – für manchen vielleicht überraschend – erst die zweite Jubiläumsfeier in der Allenbacher Geschichte war. Daran erinnerte Ortsheimatspfleger Reinhard Gämlich und daran, wie voll das Festzelt vor 25 Jahren bei der ersten gewesen sei: „Die Leute haben damals gesagt, die Allenbacher können nicht feiern. Das Gegenteil wurde bewiesen.“

Auch gestern präsentierten die Ortsvereine ihre Stärken, wenngleich seit 1987 zum Beispiel auch zwei Chöre nicht mehr existieren. Männerchor und der gemischte Chor Augustinus nahmen dafür teil, dazu die Schüler Matthias Braun und Jonas Müller mit gelungenen Soli. „Viele Schüler sind gerade an diesem Wochenende leider nicht verfügbar“, entschuldigte Moderator Christoph Heilmann. Auch er hatte diese Rolle schon 1987 eingenommen und war begeistert, die damalige Dekoration im Hintergrund wiederzufinden. Nachmittags gab es Führungen durch das Stift und weitere Aufführungen. Unter den Festgästen waren Heimatsgebietsleiter Dieter Tröps und der stellvertretende Landrat Jürgen Althaus.

Michael Kunz



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