Headquarters in Dreis-Tiefenbach

Rainer Schönauer führt Stadtverordnete und Verwaltungsleitung durch das Werk:  „Wir haben Arbeit ohne Ende.“
Rainer Schönauer führt Stadtverordnete und Verwaltungsleitung durch das Werk: „Wir haben Arbeit ohne Ende.“
Foto: WP

Netphen..  Zum ersten Mal in der kommunalpolitischen Geschichte Netphens ist der komplette Stadtrat am Donnerstag zum Ortstermin in ein Unternehmen gegangen — zum Start der Reihe, die Bürgermeister Paul Wagener in seiner Haushaltsrede angekündigt hatte, natürlich zum größten Arbeitgeber der Stadt.

Die Idee, bei Bombardier auch gleich die reguläre Tagesordnung abzuwickeln, hatte Wagener auf Drängen der Politik zwar aufgeben müssen. Eine Reihe von Stadtverordneten war der Einladung auch nicht gefolgt und wartete den entsprechend späteren Sitzungsbeginn im Ratssaal ab. Die Gastgeber waren indes mit ihrer ersten Garde präsent: Niederlassungsleiter Rainer Schönauer, Projektmanager Roland Sperling und Heiko Mannsbarth als Chef des Technikzentrums führen die Politiker durch den 2014 eröffneten Neubau mit Testhalle und Büros, in denen 115 Ingenieure Arbeitsplätze finden können — ein Teil auf Dauer, andere als Gast von anderen Standorten.

Zweisprachigkeit erwünscht

Denn von Dreis-Tiefenbach aus wird die Fahrwerkherstellung aller Bombardier-Standorte gesteuert. „Siegen, Germany, BU Bogies, Headquarters“ heißt die Überschriftenzeile der Präsentation. „Das hat sich so eingebürgert“, sagt Roland Sperling entschuldigend, „sollen wir das ändern?“ „Ja, bitte“, antwortet Wolfgang Decker (CDU) spontan. Immerhin: Beim Rundgang durch die Produktion konnten sich die Politiker davon überzeugen, dass auch der internationale Konzern sein Material nach „57250 Netphen“ ordern muss. Und Bürgermeister Wagener vergaß nicht zu erwähnen, dass die am selben Tag erteilte Baugenehmigung für ein Vorhaben auf dem Werksgelände über seinen Schreibtisch gegangen ist — und nicht über den seines Siegener Kollegen.

Wirklich wichtig ist anderes. Roland Sperling verwies auf die internationale Besetzung des neuen Technikzentrums, in dem inzwischen schon rund 50 Ingenieure arbeiten. „Wir müssen unsere Kollegen und Familien hier eingliedern können.“ Dazu gehören Kitas und Schulen, aber auch zweisprachige Verwaltungen und Homepages. Manchmal ist auch die Wohnungssuche ein Problem. Leicht war es, die beiden Singles aus England unterzubringen. Doch für die sechs indischen Kollegen, die mit ihren Familien für ein Jahr bleiben, „mussten wir schon kämpfen“, berichtet Heiko Mannsbarth.

Fachkräfte gesucht

Ob die U-Bahn in London, der neue italienische Hochgeschwindigkeitszug Zefiro, der ICx der Deutschen Bahn oder die Hamburger S-Bahn: Überall ist Dreis-Tiefenbach im Geschäft. „Wir haben Arbeit ohne Ende“, sagt Rainer Schönauer. 20 Schweißer könnten sofort neu anfangen — „wenn wir sie denn hätten.“ Dazu, dass Montreal grünes Licht für die Investition in den Standort gegeben hat, haben auch die mittlerweile wieder 840 Kollegen in Dreis-Tiefenbach beigetragen, erinnert Schönauer: Vier Jahre lang arbeiten sie ohne Lohnausgleich 37 statt 35 Stunden in der Woche.

Kein Kommentar zu möglichem Börsengang

Waggon Union, ABB, Adtranz, seit 2001 Bombardier: Manfred Heinz (SPD) fragte, ob sich an den Besitzverhältnissen wieder etwas ändert — am Donnerstag wurde über einen erwarteten Börsengang von Bombardier Transportation berichtet. Die Dreis-Tiefenbacher hielten sich bedeckt: „Wir wissen nicht mehr, als in der Presse steht.“