Hagelschäden im Siegerland werden aufgearbeitet

Frank Verhoeven und die Dellen – manche beseitigt er mit Druck, andere mit Zug.
Frank Verhoeven und die Dellen – manche beseitigt er mit Druck, andere mit Zug.
Foto: Jens Plaum
Was wir bereits wissen
Ein Scanner in einer Hilchenbacher Lagerhalle nimmt die Schäden unter die digitale Lupe, die der Hagelsturm vor rund einer Woche verursachte.

Müsen..  Frank Verhoeven schlägt zu. Nicht zu hart, nicht zu weich. Im Versicherungsgeschäft ist das richtige Fingerspitzengefühl manchmal die wichtigste Eigenschaft.

Frank Verhoeven ist Dellen- und Beulenexperte. Seit Montag kümmert er sich in einer leerstehenden Lagerhalle unweit des Winterbach-Sportplatzes um die unschönen Hinterlassenschaften des Hagelsturms, der vor gut einer Woche über das Sauerland und Siegerland fegte (wir berichteten).

Auge

Verbeultes Blech bestimmt in den kommenden Wochen den Arbeitstag vieler Unfallexperten. „Wir erwarten rund 2500 Fahrzeuge“, sagt Friedhelm Heming, Kfz-Sachverständiger bei der Provinzial-Versicherung. Das Unternehmen hat in der Halle eine Sammelstelle eingerichtet. Kunden, deren Autos von Eisbrocken getroffen wurden, bringen ihre Wagen vorbei.

Es geht nach Terminbuch. Wie beim Zahnarzt. „Wir schaffen hier über 80 Fahrzeuge am Tag.“ Mit einem Dellenspiegel – er ähnelt einem übergroßen Sitzkissen – schauen sich die Experten die Schäden an und beziffern sie. Den Rekord an diesem Morgen hält ein kleiner Citroën: 128 Einschläge auf dem Dach. Im Schnitt benötigt ein Gutachter 20 Minuten für ein Fahrzeug.

Kamera

Ein Zehntel der Zeit braucht dafür der Scanner, sagt Friedhelm Heming. 15 Kameras fahren die Oberfläche des Wagens optisch ab und registrieren jede Verwerfung. „Das Gerät ist extrem genau.“ Es liefert Ergebnisse auf gleichbleibend hohem Niveau. Jeweils ein Gutachter begleitet die Aufnahmen und schafft so 33 Autos pro Schicht. Ohne Apparat sind es 18, rechnet der Experte vor.

Das Zelt, dessen Türen während der Aufnahmen geschlossen sind, bietet Platz für die meisten gängigen Automodelle. Selbst große Geländewagen stellen die Technik vor keine größeren Probleme.

Exoten auf deutschen Straßen, zum Beispiel amerikanische Fabrikate oder allzu alte Autos, werden von Experten aus Fleisch und Blut untersucht. Diese Autos sind nicht in der Datenbank verzeichnet.

Hammer

René Wilmink und Frank Verhoeven zaubern ein Lächeln in die Gesichter vieler Autobesitzer. Sie beseitigen die Schäden, die der Hagel hinterlassen hat. Die beiden sind Profis. „Wir machen den Job seit 18 Jahren“, sagt René Wilmink. Bislang hätten sie noch jede hässliche Stelle aus dem Blech bekommen. „Nachher ist das Auto so gut wie neu“, betont Frank Verhoeven und verspricht, dass nach seiner Behandlung nichts auf dem Lack an die Hageleinschläge erinnert.

Der Polo, ein schwarz glänzendes älteres Modell, ist bereits fertig. Zwei kleine Franzosen stehen unter dem Licht. Wenn die Experten unter die Delle kommen, beseitigen sie die schadhafte Stelle mit sanftem Druck, zum Beispiel im Dach oder in der Motorhaube. Ist der Zugriff nur von oben oder außen möglich, geht’s mit Zug. Ein Klecks Heißkleber – die Spezialmischung – darauf ein Metallteil, das an eine umgedrehte Schraube erinnert, ein kurzer Ruck. Die Delle ist Vergangenheit.

Eine weitere von vielen Tausend in den kommenden Wochen.

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