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Haftstrafe mit Therapiemöglichkeit als letzte Chance

16.03.2016 | 12:00 Uhr
Haftstrafe mit Therapiemöglichkeit als letzte Chance
Foto: liveostockimages

Siegen.   Was ist mit einem Angeklagten zu tun, der seit langen Jahren drogenabhängig ist und der seit 1997 die stattliche Zahl von 22 Eintragungen im Strafregister aufzuweisen hat?

Für Amtsrichter Uwe Stark und seine Schöffen gab es gestern nur eine Antwort: Ein Jahr Gefängnis für T. und die Möglichkeit, schnell in eine Therapie zu kommen. Nur so könne er künftig ein straffreies Leben zu führen, eröffnet Stark dem 38-jährigen Siegener.

Rund vier Jahre hat der Mann schon hinter Gittern verbracht. Zuletzt ist er in Bochum zu einem Jahr und sechs Monaten verurteilt worden, weil er mit einer dicken Ladung Tabletten aufgegriffen wurde. Im Schöffengericht geht es um zwei Autoaufbrüche in der Siegener Daimlerstraße. Gegen Mitternacht schlug er zwei Fenster von Fahrzeugen ein, stahl aus einem Wagen eine Geldbörse mit Pass und fünf Euro, ein Mobiltelefon und ein Navigationsgerät. Im zweiten Wagen fehlte nichts. An den Fahrzeugen entstand jeweils ein Schaden von 300 Euro. Der 38-Jährige wurde erwischt und sitzt seither in Untersuchungshaft. Sein Mandant gebe alles zu, erklärt der Verteidiger.

Der Mann sei in Bochum zunächst inhaftiert gewesen, habe dann aber Haftverschonung bekommen und sei nach Siegen gezogen. Das Problem: Sein Ausweis blieb bei Polizei oder Staatsanwaltschaft, dieser habe dadurch keine Sozialleistungen beantragen können und sei in Not geraten: „Ich hatte sie angeschrieben. Leider arbeiten die Behörden nicht so schnell, wie ich das gern hätte.“ Der Angeklagte habe auch in Siegen wieder Tabletten geschluckt, um die Zeit bis zu einer Therapie zu überbrücken, dazu noch Beikonsum. Der sei dann nur durch Diebstähle finanzierbar gewesen. Gegen die Strafe aus Bochum hat der Anwalt Rechtsmittel eingelegt. Ob nicht mit Blick auf diese 18 Monate die Siegener Anklagen eingestellt werden könnten, schlägt er vor.

Grenze schon fast erreicht

„Da mache ich nicht mit“, schüttelt Staatsanwalt Markus Bender den Kopf. Mit Blick auf die lange Sucht des Siegeners bleibt er mit einem Jahr und drei Monaten plus Therapiemöglichkeit dennoch moderat. Der Verteidiger sieht es anders. Sieht bei seinem Mandanten durch die Angst vor Entzug eine eingeschränkte Schuldfähigkeit und findet maximal sieben Monate für ausreichend. Immerhin sei die Beute zurückgegeben worden. Das Gericht verhängt schließlich eine Strafe von einem Jahr. Von einer Einschränkung der Schuld könne nicht ausgegangen werden, sagt Richter Stark. Allerdings sei die Grenze fast schon erreicht, schränkt er dann ein und lobt den Angeklagten für dessen Entschluss, wieder eine Therapie zu machen. 2010 hatte er schon einmal eine erfolgreich beendet. Dann zerschlug sich allerdings eine geplante Hochzeit – und der 38-Jährige wurde wieder rückfällig.

Michael Kunz

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2016-03-16 12:00
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