Das aktuelle Wetter Siegen 26°C
Gericht

Haftstrafe für Waffennarr aus Siegen

07.09.2012 | 19:29 Uhr
Haftstrafe für Waffennarr aus Siegen
Der SEK-Einsatz im April: In der Wohnung desFoto: Rene Traut

Siegen.   Ein 28-jähriger Siegener, der im April für einen stundenlangen Großeinsatz der Polizei gesorgt hatte muss für drei Jahre und drei Monate in Haft.

Oberstaatsanwalt Manfred Lischeck ist ein alter Hase im „Kriminalgeschäft“. Doch vor dem Siegener Amtsgericht konnte er seine Fassungslosigkeit kaum verbergen. „Ich musste mehr als 30 Jahre Staatsanwalt sein, um einmal so einen Satz zu hören: ,Meine Liebe gilt der Kalaschnikow’.“ Diesen „merkwürdigen“ Satz über die Bewunderung für ein Sturmgewehr hörte er von dem 28 Jahre alten Angeklagten K., der am 25. April für einen Großeinsatz der Polizei gesorgt hatte.

Es war gegen 10.30 Uhr, als zwei Beamte am Arbeitsplatz des 28-Jährigen in Eiserfeld auftauchten. Sie wollten den Verkäufer von Autoersatzteilen mitnehmen, weil sein Name in Zusammenhang mit einem Munitionsverkauf gefallen war. Plötzlich zog K. eine Waffe in dem Raum, in dem sich gerade u.a. auch eine Mutter und ihr kleines Kind befanden, bedrohte die Beamten, gab einen Warnschuss ab, flüchtete mit seinem 7er-BMW in seine Wohnung mitten in Siegen und verschanzte sich. Zwischendurch feuerte er Schusssalven ab. Gegen 18.30 Uhr gab der gelernte Lagerist auf. Straßenzüge waren zuvor abgeriegelt worden, ein Sondereinsatzkommando hatte Stellung bezogen und Hubschrauber waren über Siegen gekreist.

Sturmgewehre, Maschinengewehre, Revolver, Granate, Munition

In K.’s Wohnung wurden drei Sturmgewehre (Kalaschnikow AK-47), zwei Maschinengewehre, drei Revolver, eine Handgranate, 1 Schlagring, mindestens 250 g Schwarzpulver und mehr als 2300 Schuss Munition gefunden. Die Waffen waren munitioniert und durchgeladen. „Damit hätte man einen Kleinkrieg führen können“, so Staatsanwalt Lischeck.

Wieso nimmt ein Mann eine Waffe mit zur Arbeit, wieso ist die Situation am 25. April auf einmal eskaliert? „Ich bin Waffenliebhaber. Ab und zu habe ich eine Waffe mitgenommen“, versucht der Mann im grau-schwarzen Sportanzug auf der Anklagebank zu erklären, was eigentlich nicht zu erklären ist. „Als ich die Polizisten sah, habe ich Panik bekommen. Eine Kurzschlussreaktion. Ich wollte doch meine Waffen nicht abgeben.“

Seit seiner Bundeswehrzeit sei er ein Waffennarr geworden, erzählt K. in Saal 183 des Amtsgerichts. Seit 2005/2006 habe er nach und nach Waffen erworben, teils Deko-Waffen, die er durch „Umbau“ scharf gemacht habe, teils voll funktionsfähige Waffen. Seine „Liebhaberstücke“ kaufte er z.B. im Umfeld von Waffen-Militaria-Börsen: „Auf dem Messe-Parkplatz lernte ich Leute kennen, die Waffen verkauften.“ Die Geschäfte sollen ohne Kenntnisnahme der Namen der Verkäufer abgelaufen sein.

Waffen als Ersatzliebe

Es bleibt manches rätselhaft, an diesem Morgen im Gericht. Warum hortet man mehr als 2300 Schuss Munition? fragt Oberstaatsanwalt Lischeck. Die Antwort des Angeklagten: „Zu einer Waffe gehört auch Munition.“

K.’s Verteidiger Torsten Stiehm („eine Riesendummheit von ihm“) lobt in seinem Plädoyer das besonnene Verhalten der Polizei an jenem 25. April, dem es zu verdanken sei, dass die Situation nicht eskaliert ist. Seiner Argumentation, die Tinnituserkrankung von K. sei mit einem Rückzug bei sozialen Kontakten verbunden gewesen, woraufhin Waffen zur „Ersatzliebe“ wurden, hat sich nicht entscheidend auf das Urteil des Gerichts unter Vorsitz von Uwe Stark ausgewirkt. Es erkannte eine „objektiv gefährliche Situation“ am 25. April und verurteilte den 28-Jährigen zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und drei Monaten.

Zeit zum Nachdenken. Der erste Schritt ist getan. Anwalt Stiehm: „Seine Liebe zu Waffen ist nach vier Monaten Untersuchungshaft abgekühlt.“

Rolf Hansmann


Kommentare
Aus dem Ressort
22-Jähriger stirbt nach Badeunfall im Naturbad Netphen
Tödlicher Badeunfall
Bei einem tragischen Badeunfall im Siegerland ist ein 22-jähriger Mann ums Leben gekommen. Rettungskräfte im Naturerlebnisbad Netphen-Deuz hatten vergeblich versucht, den jungen Badegast zu reanimieren. Er starb in einem Siegener Krankenhaus.
Bund lässt Nato-Tanklager bei Freudenberg sanieren
Wirtschaft
Das mehr als 20 Hektar große Gelände auf dem Löffelberg war mehr als vier Jahrzehnte sprichwörtlich ein weißer Fleck auf der Landkarte. Erst seit die Bundeswehr vor rund zehn Jahren das NATO-Tanklager in Büschergrund aufgab (siehe Infobox), verlor es den Status als militärisches Sperrgebiet.
Hochhaus-Brand nach Beziehungsstreit - 23-Jähriger verhaftet
Hochhaus-Brand
Das Feuer in einem Hochhaus in Hilchenbach ist nach Erkenntnissen der Ermittler durch Brandstiftung ausgebrochen. Noch am Nachmittag verhaftete die Polizei einen 23-jährigen Verdächtigen in der Siegener Innenstadt. Er soll seine Freundin im Streit brutal attackiert haben und das Feuer gelegt haben.
Trotz 23 Vorstrafen bekommt der Siegener M. Bewährungsstrafe
Gericht
Der Siegerländer M. (53) soll im Mai 2011 in das Zimmer eines Bekannten eingedrungen sein, ihn gewürgt und geschlagen haben. Dann habe er ihm rund 140 Euro gestohlen. Der Angeklagte streitet jedoch alles ab. DasLandgericht verurteilt den 53-Jährigen auf vier Jahre Bewährung.
Schwerlastverkehr über den Damm
B54
Eine schnelle Lösungsfindung zeichnet sich für die Verkehrsführung rund um die Sperrung von zwei Brücken für den Schwerlastverkehr an der B 54 bei Burbach ab. Der Landesbetrieb Straßen NRW will über einen aufgeschütteten Damm einen Bypass schaffen, um den betroffenen Abschnitt ohne größere Umwege zu...
Fotos und Videos
Bombenfund in Niederschelden
Bildgalerie
Blindgänger
Teams bei der Streetbob-WM
Bildgalerie
Streetbob-WM
Weltmeister! - So feiert Siegen
Bildgalerie
WM-Finale
So feiern die Fans den WM-Titel
Bildgalerie
Autokorsos