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Brecht-Inszenierung

Güte bewirkt nicht das Gute

21.10.2011 | 19:11 Uhr
Güte bewirkt nicht das Gute
Aus der Heilsarmee ausgestoßen möchte Johanna mit den Arbeitslosen solidarisch sein.

Hilchenbach-Dahlbruch. Brechts Johanna kämpft in der Heilsarmee für den Sieg des Guten in der Welt. Mit Wohltun und Güte möchte sie die Menschen ihrem wahren Heil und Reichtum zuführen, zu Gott. Aber die eisernen Gesetze des kapitalistischen Wirtschaftslebens, auf die sie stößt, als sie den notleidenden Familien der aus den Fleischfabriken Chicagos entlassenen Arbeiter Almosen und Gottvertrauen schenken will, zeigen ihr die Grenzen christlicher Nächstenliebe.

Am Ende weiß sie: „Es hilft nur Gewalt, wo Gewalt herrscht, und es helfen nur Menschen, wo Menschen sind.“ Aus der Frontfrau der Heilsarmee wird eine Revolutionärin, die aber die Strategien dieses Geschäfts nicht kennt. Das ist ein langer Weg für sie, die immer noch an das Gute im Menschen glaubt - die sich zutraut, selbst noch im Herzen des Superbosses menschliche Gefühle zu wecken.

Chicagos Fleischbörsen lassen keine Menschlichkeit zu. Ihr Motto - mit Brecht: „Und wenn einer tritt, dann bin ich es; und wenn einer getreten wird, bist du’s.“ Das trifft zu auf die Chefetagen wie auf den Umgang der kleinen Leute miteinander. Diese Mechanismen hat Brecht in „Die heilige Johanna der Schlachthöfe“ erbarmungslos und anschaulich – aber auch sehr lehrhaft – nachgezeichnet.

Das Stück in seiner Mischung aus Prosa und Versen ist ihm dabei sehr lang geworden; aber das Landestheater Burghofbühne aus Dinslaken kam zum Gebrüder-Busch-Kreis nach Dahlbruch mit einer Fassung, deren Text auf etwa die Hälfte reduziert worden war. Man muss sich nicht ausdenken, wie eine weniger reduzierte Darbietung angekommen wäre.

Allerdings hat Regisseur Thorsten Weckerlin auch nicht viel unternommen, um Brechts Lehrtheater mit kulinarischen Effekten zu würzen. Das Bühnengeschehen blieb doch alles in allem sehr bieder. Die Texte wurden so vorgetragen, dass die Zuschauer alles gut verstehen konnten und deswegen nicht in Gefahr gerieten, die von Brecht gewünschte Distanz zum Gezeigten zu verlieren.

Dabei gab die Bühne durchaus Variationsmöglichkeiten her: Eine schiefe Ebene, ein Leierkasten, diverse Versatzstücke erlaubten doch manche Kombinationen, die hier und da auch genutzt wurden. Die Schauspieler zeigten sich textsicher und beherrschten ihre Rollen. Die Protagonistin, Stefanie Obermaier-Staltmeier, wirkte in der Uniform der Heilsarmee durchaus glaubhaft; der Sprung ins Revoluzzerfach gelang dann nicht mehr überzeugend.

Gesangsnummern vom Chor der Arbeiter deuteten jenen oratorischen Charakter an, den Brecht in dieses Stück hineingedichtet hatte. Am Ende freundlicher Applaus.

Knut Lohmann

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