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Madame Butterfly

Großer Abend ohne Staraufgebot

06.11.2011 | 16:08 Uhr
Großer Abend ohne Staraufgebot
Butterflys Dienerschaft und Familie haben sich zur Hochzeit mit dem amerikanischen Offizier versammelt.

Siegen.„Madame Butterfly“ – Puccinis realistisch gedachte und sentimental wirkende Geisha-Musik-Tragödie in der dreiaktigen Fassung, im Apollo aufgeführt von der Compagnia d’Opera Italiana di Milano. Es wäre übertrieben, Siegen nun als Klein-Mailand bezeichnen zu wollen – aber ein bisschen Italienisches war mit der Operntruppe schon über die Alpen gekommen. Jedenfalls wurde es ein Theaterabend, der, soweit man sich umhörte und am Applaus messen konnte, die Ansprüche des Publikums erfüllte.

In „Madame Butterfly“ prallen zwei Kulturen aufeinander, vertreten durch den amerikanischen Offizier Pinkerton und die Japanerin Cio-Cio-San, genannt Butterfly. Diese beiden Kulturen bestimmen auch Puccinis Musik, in der Amerikanismen, beispielsweise die Nationalhymne, und japanische Folklore durch europäisches Form-

bewusstsein verbunden werden.

Der amerikanische Flottenoffizier Pinkerton will die Zeit seiner Stationierung in Nagasaki angenehm verbringen und heiratet Cio-Cio-San, ohne allerdings darin eine Bindung fürs Leben zu sehen.

Ehe unter ungleichen
Voraussetzungen

Butterfly dagegen glaubt an die Dauer ihrer Liebe und opfert ihre Religion und die Bindung zu ihrer Familie.

Das macht sie zu einer Ausgestoßenen, die jahrelang auf die Rückkehr ihres Geliebten wartet, der als amerikanisch Verheirateter nur einmal noch nach Japan kommt: um seinen Sohn zu holen. Seinetwegen lässt Butterfly das zu – sie nimmt sich das Leben nach dem Ritual ihrer Vorfahren.

Das alles hat Corinna Boskowski sehr delikat inszeniert – ohne jeden Versuch, etwas Anderes daraus zu machen als das, was das Opernpublikum an diesem Werk liebt: eine zu Herzen gehende Tragödie in theatralisch-exotischem Erscheinungsbild. Das überraschte alles nicht sonderlich.

Überraschend war die Qualität des Gesangsensembles, insbesondere der beiden Frauen, die auch bemerkenswert agierten. Die Sopranistin Sonia Lee sang die anspruchsvolle Partie der Titelheldin mit großer Leichtigkeit und während des Abends zunehmender Intensität. Und Moon Jin Kim gab der Rolle ihrer Dienerin mit einer kräftigen Altstimme überzeugendes Profil.

Für die Rolle des amerikanischen Offiziers brachte der Tenor Alberto Angeleri hervorragendes Stimmmaterial mit; darstellerisch konnte er weniger überzeugen.

Die Partie des amerikanischen Konsuls füllte Omar Camata mit seinem runden Bass aus; etwas mehr Stimmkultur und Beweglichkeit sind ihm noch zu wünschen. Auch die anderen Rollen waren gut besetzt. Übrigens wurden alle „Japaner“ von Asiaten gespielt – sicher eine Hilfe für die Authentizität der Inszenierung.

Vom rumänischen Orchester unter Leitung von Hristo Mihalev dürfte man mehr Differenzierung und vielleicht auch Emphase erwarten. Aber wir wollen nicht vergessen, unter welchen Bedingungen solche Reiseensembles Kunst machen müssen.

Knut Lohmann

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