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„Große Kunst! Tapies ist Sein“

13.02.2012 | 16:57 Uhr
„Große Kunst! Tapies ist Sein“
Jörg Begler gibt Erläuterungen zu "Rosa Materie"

Siegen.Drei Herren beratschlagen auf dem Platz am Unteren Schloss. Nach dem Besuch des Museums für Gegenwartskunst möchten sie Kaffee trinken. Man kommt ins Gespräch. Sie sind aus Aachen angereist, um die Tapiesausstellung noch zu erleben.

„Eine großartige Sache. Die Bilder aus der neueren Zeit – wo kann man die schon mal sehen!“ „Die Sonne – hätte man von Tapies nie erwartet; könnte von Beuys sein.“ „Sehr gut gehängt und viel Platz in diesem Museum, das doch angenehm bescheiden wirkt.“ „Beeindruckender Katalog.“ Urteile von Menschen, die Museumserfahrung haben.

Viele positive Einträge im Gästebuch

Ähnliche Äußerungen im Gästebuch (30. Dezember 2011): „Sehr gut aufgebaut wirken seine Intentionen, Wirklichkeit zu verändern, drastisch. Weite Fahrt von Stuttgart bei Schnee + Glatteis lohnt sich sehr.“ Sogar von Venezuela ist jemand gekommen, der sich so etwas von Siegen kaum erhofft hatte.

Im Gästebuch werden auch kleine Positionskämpfe ausgetragen: „Es war toll – große Kunst! Tapies ist SEIN. Einfach nur: DANKE“. Die paar Wörter füllen eine halbe Seite. Ganz klein in der unteren rechten Ecke dann: „Das finde ich aber nun doch nicht“ (11.Januar 2012). Und jemand anders war mit einer Führung nicht zufrieden: „Die Symbolik wurde kaum betont und die Meinung der Besucher ist nicht so interessant!“

Bei der Führung am Sonntag nach dem Tod von Tapies herrschte ganz starker Andrang. Mindestens 60 Personen wollten die Chance noch einmal nutzen. Die Gruppe musste geteilt werden. Eine kleinere Gruppe wartete geduldig eine dreiviertel Stunde; manche besuchten zwischenzeitlich die neu hergerichtete Ausstellung der Lambrecht-Schadeberg-Sammlung.

Der Führer gab Gelegenheit, eigene Eindrücke über die Tapies-Bilder zu äußern. Erste Wortmeldung: „archaisch“ – eine ganz kurze Formel für sehr wichtige Beobachtungen. Diese Malerei biedert sich nicht an, bleibt fern, bleibt in sich widersprüchlich. Ein Teilnehmer erkennt politische Botschaften, stellt Vermutungen über Zusammenhänge von Biografie und Kunst des Katalanen an.

Jemand fragt nach der Funktion des Kreuzes in vielen Bildern von Tapies; daraus entwickelt sich nach und nach ein Geflecht von Gedanken über die Symbolsprache in diesen Werken. Die Schlussfrage des Führers: ob sie glaubten, dem Geheimnis von Tapies nähergekommen zu sein? Vorsichtige Zustimmung: „Ja, wenn jemand da ist, der mir Hinweise gibt.“

Eine Antwort, die der Künstler gerne hören würde, wenn er sie noch hören könnte. Bereits vor langer Zeit hatte er festgestellt: „Wenn das breite Publikum in bestimmten künstlerischen Formen seine volle Befriedigung findet, haben diese Formen schon ihre ganze Kraft verloren.“

Knut Lohmann

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