Größter Warnstreik NRWs in Siegerlandhalle

Der erste Bevollmächtigte der IG Metall Siegen, Hartwig Durt, bekräftigt die Forderungen der Gewerkschaft.
Der erste Bevollmächtigte der IG Metall Siegen, Hartwig Durt, bekräftigt die Forderungen der Gewerkschaft.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Die IG Metall Siegen hatte Arbeitnehmer aus rund 45 Betrieben der Region zur Warnstreikkundgebung am Freitagmorgen aufgerufen. Das Tarifangebot der Arbeitgeber sei völlig inakzeptabel, so die Gewerkschaft.

Siegen..  Es geht um mehr Gehalt, die Einführung einer Bildungsteilzeit sowie verbesserter Altersteilzeitmodelle. Die großen Tribünen sind komplett voll und trotzdem stehen noch viele direkt vor der Bühne.

Laola-Wellen wandern von der einen zur anderen Seite des großen Saals. Scharen von Arbeitnehmern der heimischen Metall- und Elektroindustrie waren in eigens dafür bereitgestellten Bussen gekommen, um ihrem Ärger Luft zu machen. „Ich begrüße euch zur größten Warnstreikkundgebung Nordrhein-Westfalens“, ruft Andree Jorgella, Kassierer der IG Metall Siegen, energisch ins Mikrofon. Tosender Applaus.

Gewerkschafter Reiner Urbicks tritt ans Rednerpult. Er bekräftigt die Forderung nach einer Bildungsteilzeit und schimpft auf die Arbeitgeber. „Wenn der Ungelernte sich bilden will, kann er das nicht, weil die Unternehmen das allein regeln wollen“, ärgert er sich. „Wir bauen jetzt richtig Druck auf.“ Zukünftig wolle die Gewerkschaft mitbestimmen, wenn es um Bildung geht. Zustimmendes Pfeifen und Jubeln.

Tobias Tigges, der zweite Bevollmächtigte, macht sich für die älteren Kollegen stark. „Es muss möglich sein, ohne große finanzielle Einbußen in Altersteilzeit zu gehen“, sagt er. Generell könne es nicht sein, dass Arbeitgeber sich rauspicken, was sie brauchen, wenn sie es brauchen.

Es folgt die Rede des ersten Bevollmächtigten der IG Metall Siegen, Hartwig Durt. „Die Unterschiede zwischen Arm und Reich werden immer größer statt kleiner“, sagt er. „Das ist einer der Gründe, weshalb wir heute hier sind.“ Die Gewerkschaft dokumentiere durch diese Kundgebung, dass sie geschlossen hinter ihren Tarifforderungen stehe und die seien fair, bezahlbar und zukunftsorientiert. „Was den Arbeitgebern bislang zu unseren Forderungen eingefallen ist, das ist alles andere als originell“, schimpft er. „Wenn sie irgendwo einsparen wollen, dann sollen sie sich doch bitte diese ewig gleichen Sprüche sparen.“

Richtig sei doch, dass die Betriebe im Schnitt gute bis sehr gute Gewinnen machen. „Wir wollen unseren Teil vom Kuchen abhaben.“ Wieder sind im ganzen Saal Trillerpfeifen zu hören.

Notfalls kommt es zum Konflikt

„Wir sagen ABC – Altersteilzeit,, Bildungsteilzeit, Cash“, betont Durt. „Und es wird keine Lösung für diese Tarifrunde geben, ohne dass es zu allen drei Themen Lösungen gibt, die für uns akzeptabel sind.“ Notfalls sei die Gewerkschaft auch in der Lage, die Forderungen in einem Konflikt durchzusetzen.

„Die Arbeitgeber haben jetzt noch eine Chance, etwas auf den Tisch zu legen, worüber wir ernsthaft verhandeln können“, so Durt weiter. „Bis dahin werden wir ihnen auf vielen Warnstreiks in NRW und bundesweit zeigen, was wir von ihrem Angebot halten: Nichts!“

Er beendet die Veranstaltung unter tosendem Applaus und verabschiedet alle Anwesenden mit einem „Glückauf“. Während der Saal sich leert, füllen sich draußen wieder die Busse.

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