Glomskis Thesen für den Wahlkampf

Hammer ohne Nagel: Nur fürs Foto „befestigen“  Benedikt Büdenbender (links) und Bruno Glomski die Wahlkampf-Thesen an der Amtshaus-Tür.
Hammer ohne Nagel: Nur fürs Foto „befestigen“ Benedikt Büdenbender (links) und Bruno Glomski die Wahlkampf-Thesen an der Amtshaus-Tür.
Foto: Christian Stoffers

Netphen.  . Bruno Glomski ist nicht Martin Luther, und Netphen ist nicht Wittenberg. Die Nähe der Lutherstadt zu Halle, wo Glomski als Richter am Amtsgericht arbeitet, hat den Bürgermeisterkandidaten inspiriert: Zusammen mit Stadtverbandsvorsitzendem Benedikt Büdenbender befestigte er seine Thesen an der Rathaustür. Am alten Amtshaus, notgedrungen, weil die elektrische Glasschiebetür am Haupteingang wohl keinen geeigneten Untergrund bietet. Und auch nicht angenagelt, sondern nur ablösbar geklebt — bis das symbolträchtige Foto im Kasten ist.

Und das steht in dem auf dem Papier mit der Überschrift „Augenmaß. Gemeinschaft. Transparenz“, das Glomski in den nächsten Wochen in den Mittelpunkt seines Bürgermeisterwahlkampfs stellt:
Gemeinschaft in den Ortschaften: „Alle Orte, auch die an den Rändern der ausgedehnten Keilerkommune, müssen für ihre Bewohner so lebenswert bleiben wie sie sind.“ Glomski denkt an Versorgungsmöglichkeiten wie Bringdienste und neue Wohnformen, die ältere Bürger unterstützen. Junge Familien brauchten erschwingliche Grundstücke und attraktive Kinderspielplätze in der Nähe. Der öffentliche Personennahverkehr sei „bis an die Stadtgrenzen sicherzustellen“.
Förderung des Ehrenamts und Integration von Flüchtlingen: Das Ehrenamt „muss nicht nur stärker gewürdigt, sondern noch besser unterstützt werden“. Zur Integration von Flüchtlingen sei die „gute „Willkommenskultur“ weiter zu entwickeln. „ Die allermeisten Neuankömmlinge wollen nur in Frieden leben. Unter ihnen sind manche, die eine gute Berufsausbildung mitbringen. Sie können bei uns die freibleibenden Stellen als Facharbeiter oder Spezialisten besetzen. So helfen die Zureisenden, unseren Demographieverlust abzufangen.“ Die Unterkünfte für die Neuankömmlinge müssten in einen guten Stand versetzt, Bedenken aus der Nachbarschaft angehört werden. Das Engagement der Freiwilligen in der Flüchtlingshilfe könnte mit der Mobilitätscard, also der Bus- und Bahn-Netzkarte im Sozialtarif, belohnt werden.
Intelligente Förderung der Wirtschaft: „Jede Unterstützung“ müsse die Stadt gewähren. „Dazu gehört vor allem eine bessere Breitbandversorgung für Privathaushalte und besonders unsere Unternehmen in Netphen.“
Weiterentwicklung von Sicherheit: „Steigende Einbruchszahlen auf dem Land lassen bei vielen Bürgern Fragen nach der Sicherheit aufkommen.“ Neben erhöhter Präsenz der Polizei fordert Glomski auch die Unterstützung der Feuerwehr und vor allem ihrer Nachwuchsgewinnung. „Die Kinderfeuerwehren sind ein guter Weg.“
Sicherstellung der Infrastruktur und Verkehrswege: „Attraktive Einkaufszonen und abwechslungsreiche, gepflegte Freizeiteinrichtungen steigern den Wohnwert für Netphen. Für Jugendliche gehört zum Beispiel eine Rad-Skater-Wanne dazu.“ Sozialen Fehlentwicklungen wie in größeren Städten sei rechtzeitig durch eine vorsorgende (Schul-) Sozialarbeit entgegenzuwirken. Die Untersuchung zur Lösung der Verkehrsprobleme im Dreis-Tiefenbacher Zentrum, die am 8. Juni im Stadtentwicklungsausschuss vorgestellt wird, sei „sorgfältig zu erörtern und so umzusetzen, dass alle damit leben können“.

Jurist will Konsens suchen

Der heute 61-jährige Bruno Glomski kam vor fast dreißig Jahren nach Abitur, Bundeswehr und Studium in Marburg und Bonn als Rechtsanwalt nach Netphen. Er wurde Sozius in einer Steuer- und Rechtsberatungssozietät und hat mit seiner Ehefrau und den beiden Söhnen den Wohnsitz in Netphen.

Seit 1991 ist er Richter am Amtsgericht in Halle/Saale. Er engagiert sich privat in einer kirchlichen Schlichtungskommission und in der Notfallseelsorge; in der katholischen Kirchengemeinde St. Martin Netphen ist er Lektor und Kommunionhelfer.

Bruno Glomski will sein Programm als „persönliches Angebot zur Zusammenarbeit auch gegenüber anderen Parteien und Strömungen“ verstanden wissen. „Teamarbeit ist für mich selbstverständlich – sowohl mit dem Rat als auch mit der Verwaltung, die einen starken Beigeordneten für das operative Handeln benötigt“.Wichtig sei „eine möglichst breite Zustimmung für Maßnahmen, die unsere Stadt in der Zukunft prägen werden“, sagt Glomski. „Dabei gilt es auch, Gräben der Vergangenheit zu überwinden und den Konsens über Fraktionsgrenzen hinweg zu suchen.“