Glatteis-Unfälle: Der gefährliche Weg zum Mülleimer
15.02.2010 | 18:22 Uhr 2010-02-15T18:22:00+0100Siegerland. „Der Weg zum Mülleimer” kann in diesen Tagen gefährlich sein. Das ist eine Erkenntnis von Dr. Michael Palm vom Kreisklinikum in Weidenau.
Der Chefarzt der Unfall-, Hand- und Orthopädischen Chirurgie und seine Kollegen haben witterungsbedingt derzeit „deutlich mehr” zu tun als in einem dieser indifferenten Winter der vergangenen Jahre.
Der nun schon seit sechs Wochen anhaltende ständige Wechsel von Schnee und Frost, gelegentlichem Tauwetter und Mangel an Streusalz bedingt es, dass die Praxen und Krankenhausstationen in den Städten und Gemeinden des Siegerlandes über Beschäftigungsmangel nicht klagen können.
„Frappierend” findet es Dr. Palm, wenn Betroffene nur mal eben vor die Haustür gegangen und auf den glatten Flächen ausgerutscht sind. Kein Wunder: Tückischerweise befindet sich unter dünner Schneeschicht massives Eis. Betroffen sind nach Palms Feststellungen vorwiegend ältere Menschen. Aber auch nach dem Schneeschippen oder nach dem Umknicken in der Langlaufloipe führt der Weg nicht selten in die Unfallchirurgie.
Drei verletzte Knie an einem Morgen
So auch in die chirurgische Praxis von Dr. Ramzi Khalil in Kreuztal, der allein am Montagmorgen drei Knieverletzungen zu versorgen hatte: „Innerhalb von einer Stunde” kamen diese Patienten zu ihm in der Stadtmitte. Alle Ärzte haben es mit dem fast identischen Erscheinungsbild zu tun: Handgelenke, Unterarme, Sprunggelenke und auch die berüchtigten Oberschenkelhälse werden in Mitleidenschaft gezogen, wie auch Chirurg Dr. Zurap Avazashvili vom Stadtkrankenhaus Siegen und Pfleger Patrick Schaefgen aus der Chirurgischen Aufnahme des Marienkrankenhauses bestätigen.
Oberarzt Dr. Amiri Amiraga von der Kredenbacher Chirurgie und auch sein Kollege Dr. Christian Bürde vom Freudenberger Bethesda berichten aus ihren Stationen ebenso von einer Häufung der Unfälle. Laut Dr. Amiraga lassen sich die meisten Brüche konservativ behandeln; eine Operation mit nachfolgendem längeren Krankenhausaufenthalt kann in den meisten Fällen vermieden werden. Dr. Bürde weiß von seinen Patienten, dass glatte Bürgersteige oft die Ursache des Übels sind.
30 Prozent mehr chirurgische Fälle mehr sind es in allen drei Häusern des Diakonie Klinikums in Freudenberg, Kreuztal und Siegen (Jung-Stilling): „Unglaublich häufig ist es vorgekommen, dass die Menschen beim Schneeräumen hingefallen sind”, sagt Pressesprecher Daniel Imhäuser. Zugenommen haben in den letzten Tagen laut Imhäuser auf Grund der vielfach unterschätzten Eisbildung vor allem schwerere Brüche.
Im Sommer wird Schadensersatz fällig
Über die Zahl der akuten Vorfälle kann die größte Krankenversicherung der Region, die AOK, noch keine Angaben machen. Ersichtlich werde dies erst im zweiten Quartal. Dann wird die AOK die Schadensersatzansprüche gegen Hauseigentümer geltend machen, die ihrer Streupflicht nicht nachgekommen sind.
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