Gewaltexzesse durch Wachmänner in Burbach waren zu erwarten

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Was wir bereits wissen
Die Misshandlungen von Asylsuchenden im Flüchtlingsheim Burbach sind für Branchenkenner keine Außergewöhnlichkeit. „Das war nicht anders zu erwarten“, sagt Silke Wollmann, Sprecherin des Bundesverbands der Sicherheitswirtschaft. Schuld an der Misere sei die Struktur des ganzen Wirtschaftszweigs.

Siegen/Burbach.. Das gewaltsame Verhalten der Sicherheitsdienst-Angestellten in der Flüchtlingsunterkunft Burbach ist für Kenner der Branche keine Besonderheit. Bewohner des Asylbewerberheims sollen von Wachmännern misshandelt worden sein. Das Martyrium der Flüchtlinge in dem Heim dauerte mindestens zwei Wochen, wahrscheinlich sogar länger.

Unter anderem existiert ein 15-sekündiges Video, das einen Flüchtling auf einer Matratze mit Erbrochenem zeigt. Zwei Männer dahinter drohen diesem Gewalt an, sofern er sich nicht in das Erbrochene legen würde.

„Das war nicht anders zu erwarten“, sagt Silke Wollmann, Sprecherin des Bundesverbands der Sicherheitswirtschaft zu den Gewaltexzessen. Schuld an der Misere sei die Struktur des ganzen Wirtschaftszweigs. Wollmann: „Die Unternehmen unterliegen lediglich der Gewerbeordnung."

Mitarbeiter werden im Schnellverfahren geschult

Zwar gibt es zum Beispiel die mehrjährigen Ausbildungsgänge zur Fach- oder Servicekraft für Schutz und Sicherheit. Aber, wer ein Sicherheitsunternehmen gründen will, erläutert sie, müsse lediglich einen zweiwöchigen IHK-Kursus besuchen. Mitarbeiter müssen gar nur eine Woche die Schulbank drücken. Ausgenommen von dieser Regelung sind Dinge wie der Schutz von Kernkraftwerken und Flughäfen oder militärische Sicherheitsbereiche.

Asylbewerber Diese „Sitzscheine“, wie Silke Wollmann es ausdrückt, seien alles andere als eine grundlegende Vorbereitung auf den Beruf. Die wichtigste Forderung ihres Verbands: „Wir wollen dem Innenministerium unterstellt werden.“ Das würde die gesetzlichen Rahmenbedingungen und die Qualifikationsvorgaben ändern, meint die Sprecherin weiter. Zudem will der Verband, dass „jeder Mitarbeiter jährlich überprüft wird“. Es ergebe keinen Sinn, von einem Beschäftigten lediglich zu Beginn seiner beruflichen Laufbahn ein polizeiliches Führungszeugnis zu verlangen.

4000 Unternehmen verdienen Geld in der Sicherheitsbranche

4000 Unternehmen verdienen nach Angaben von Silke Wollmann in der Sicherheitsbranche ihr Geld, rund 950 sind im Bundesverband der Sicherheitswirtschaft organisiert. Zurzeit werden 2115 Azubis zur Fachkraft für Schutz und Sicherheit und 447 zur Servicekraft für Schutz und Sicherheit ausgebildet.

Nürnberger Unternehmen SKI zieht arbeitsrechtliche Konsequenzen

Das Nürnberger Unternehmen SKI Wach- und Sicherheitsgesellschaft, das mit der Sicherheit in der Burbacher Unterkunft betraut war, betont, „die Überprüfung unserer Mitarbeiter erfolgt erstmalig und laufend insbesondere durch das Ordnungsamt Nürnberg“. Für jeden „einzelnen Mitarbeiter“ würde „eine so genannte Zuverlässigkeitsbescheinigung ausgestellt“, heißt es weiter in einer schriftlichen Stellungnahme des Unternehmens. „Selbstverständlich haben wir unmittelbar die uns zur Verfügung stehenden arbeitsrechtlichen Konsequenzen gezogen.“ Mitglied im Bundesverband der Sicherheitswirtschaft ist SKI laut Silke Wollmann nicht.

Flüchtlinge Generell kritisch sieht Prof. Dr. Wolf-Dietrich Bukow, Senior-Professor am Forschungskolleg (Fokos) „Zukunft menschlich gestalten“ der Uni Siegen die Rolle von Sicherheitsunternehmen in Flüchtlingsunterkünften. Laut Bukow, der zu Migration und Mobilität forscht, „wären da Sozialarbeiter gefragt“. In Deutschland allerdings, sagt der Wissenschaftler, werde die Flüchtlingsthematik „eher als Ordnungsproblem gesehen“.

Flüchtlinge brauchen psychologische Unterstützung

Ein grundfalscher Ansatz im Umgang mit Asylbewerbern sei „eine Einschätzung der Leute als potenzielle Straftäter“. Sei eine solche bei Angehörigen von Sicherheitsdiensten aber latent oder offen vorhanden, steige das Risiko von Fehlverhalten. „Entscheidend ist: Das was die Menschen brauchen, ist eine Beratung in ihrer Flucht- und Wiederansiedlungssituation“, betont Bukow. „Um Flüchtlinge muss man sich psychologisch kümmern.“